Ewiges Talent endlich am Ziel

18. Oktober 2009, 19:47
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Engländer pflegt Playboy-Image - "Ich genieße einfach das Leben" - Prägende Durststrecke bei Honda

Sao Paulo - Jenson Button ist am langersehnten Ziel seiner Träume angelangt. Der 29-jährige Engländer, von vielen schon als ewiges Talent verschrien, holte am Sonntag mit dem fünften Platz im Brasilien-Grand-Prix den Formel-1-WM-Titel. Auf dem Weg zur Krone hat der Brawn-Pilot in bisher 10 F1-Saisonen und 170 WM-Läufen wahrlich alle Höhen und Tiefen einer Motorsport-Karriere durchlebt.

Noch vor acht Monaten hätte Button wohl jeden, der ihm diesen WM-Triumph prophezeit hätte, für verrückt erklärt. Denn bis Anfang März hatte es eher danach ausgesehen, dass Button sein Cockpit in der Königsklasse verlieren könnte. Zu unsicher war der Fortbestand und die Konkurrenzfähigkeit seines Teams nach dem Ausstieg des japanischen Auto-Giganten Honda gewesen.

"Die vergangenen Monate waren eine Achterbahn der Gefühle", hatte Button daher nach seinem Sieg Anfang April im Regenchaos in Malaysia, mit dem er endgültig zum WM-Topfavoriten avanciert war, zu Protokoll gegeben. Der zu Saisonbeginn aufgrund des Diffusor-Vorteils als neues Wunderauto gepriesene Brawn-Bolide ermöglichte ihm das Bilderbuch-Comeback.

Sechs Siege in den ersten sieben Saisonrennen legten die Basis für seinen WM-Titel, an dem Taktik-Genie, Teameigner und Teamchef Ross Brawn ebenfalls gewichtigen Anteil hatte. Der Engländer, der den Deutschen Michael Schumacher als Technischer Direktor bei Benetton und Ferrari zum siebenfachen Rekordchampion gemacht hatte, sieht sich nun bestätigt, schließlich hatte er Button schon lange als "perfekten Rennfahrer" gepriesen.

Andere hatten den schnellen Engländer, der 2000 für BMW-Williams in der Formel 1 debütiert hatte, bereits als ewiges Talent abgeschrieben, so auch die Presse in seiner Heimat. Diese pries in den vergangenen beiden Jahren ausschließlich den nunmehrigen Ex-Weltmeister Lewis Hamilton. Doch durch seine Siegesserie in diesem Jahr sowie den Abstieg von Hamilton aufgrund der Lügen-Affäre von McLaren mutierte Button wieder zum "Darling" der britischen Boulevard-Medien.

Diese berichten nur allzu gerne über den am 19. Jänner 1980 in Frome geborenen Junggesellen, der sein Playboy-Image pflegt, zu dem auch sein Wohnsitz Monte Carlo passt. Pünktlich vor dem Saisonstart präsentierte er sich mit einer neuen Freundin - dem bekannten japanischen Unterwäsche-Model Jessica Michibata. Davor war der Engländer unter anderem mit der Popsängerin und Schauspielerin Louise Griffiths sowie den Society-Girls Florence Brudenell-Bruce und Beverly Bloom liiert.

"Ich genieße einfach das Leben", lautet das Motto des neuen Weltmeisters, der aber auch die Kehrseite der Medaille bestens kennt. Magere Jahre bei Honda hätten ihn als Rennfahrer und als Mensch geprägt, erinnert Button auch oft an jene Zeit, in der ihn Welten vom WM-Titel getrennt haben.

Viele hatten ihm deshalb nach seinem dritten WM-Rang 2004 für BAR-Honda und seinem ersten und bis zu dieser Saison einzigen GP-Sieg 2006 in Ungarn den WM-Titel nicht mehr zugetraut. Die britische Presse verspottete den ehemaligen "Spice Boy" sogar schon als "Winless Wonder" ("siegloses Wunder"). Nach dieser Demütigung schmeckt der Erfolg für Button nun "umso süßer".

Der Rennsport war dem Bruder dreier Schwestern in die Wiege gelegt worden. Vater John Button, bei vielen Rennen mit dabei, war einer der herausragenden Rallycross-Piloten der 70er Jahre - wie auch jener von Alexander Wurz. Button junior, damals zwar mit reichlich Talent, aber kaum Erfahrung gesegnet, wurde bei Williams als Senkrechtstarter gefeiert. 2001 löste der Jungstar aus der westenglischen Grafschaft Somerset Wurz bei Benetton ab, 2003 wechselte er zu BAR.

Mangels Erfolgen wäre Button ein Jahr später gerne zu seinem Entdecker Frank Williams zurückgekehrt, musste nach einem viel beachteten Rechtsstreit ("Buttongate") aber bleiben. Es folgte die erwähnte Durststrecke bei Honda, die ihn aber zu einem kompletteren Rennfahrer gemacht habe. "Ich habe in der Formel 1 fast alles erlebt - Höhen und Tiefen. Das macht dich zu einem stärkeren Piloten", erklärte Button heuer wiederholt und bestätigte diese Aussage nun eindrucksvoll mit der Eroberung der WM-Krone in der Königsklasse des Motorsports. (APA)

 

 

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