"Der Anfang vom Ende des ORF"

19. Oktober 2009, 14:52
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Stiftungsrätin Huberta Gheneff über Konkursantrag für den ORF, Sparen an der Technik und den Landesstudios

Wien - "Das ORF-Gesetz ist kein Privatgesetz von SPÖ und ÖVP": Genau den Eindruck hat Huberta Gheneff aber von der Koalition: "Die Opposition wird außen vor gelassen", sagt sie im Gespräch mit dem STANDARD. Die Rechtsanwältin ist eine von 35 Stiftungsräten des ORF, entsandt vom BZÖ.

Die Koalition diskutiert, ob sie dieses wichtigste ORF-Gremium verkleinert. Es gehe ihr nicht um diesen Aufsichtsratsjob, betont Gheneff, wenn sie sagt: "Der Stiftungsrat ist nicht das Problem des ORF." Im Gegenteil: Mit seiner Resolution habe er im Frühjahr die Geschäftsleitung konkret zum Sparen angehalten. "Mit diesem Stiftungsrat wird es auf lange Sicht kein Weiterwursteln geben", erklärt Gheneff. Sonst "werden Budgets so dramatisch, dass das nicht mehr geht". Und dann? Kann der Zeitpunkt kommen, "wo wir der Geschäftsführung raten, einen Konkursantrag zu stellen". Oder "der Stiftungsrat löst sich auf".

Geschäftsführung "arbeiten lassen"

Aber so weit sind wir noch nicht: "Der ORF ist dabei, seine Aufgaben zu machen." Die Regierung möge die Geschäftsführung "arbeiten lassen": "Keine andere Geschäftsführung würde die Probleme des ORF kleiner machen." Gheneff glaubt nicht, dass der Stiftungsrat bereit ist, "einzelne Direktoren auszutauschen, nur weil das einzelne Politiker ruhiger schlafen ließe". Die ÖVP reklamiere Vertrauensleute ins Direktorium, etwa Niederösterreichs ORF-Chefredakteur Richard Grasl. "Die ÖVP verknüpft völlig unseriös die Abgeltung der Gebührenbefreiungen mit Posten." Die Republik möge dem ORF die gut 60 Millionen Euro "umgehend" refundieren, "zweckgebunden fürs Programm".

Apropos: "Wenn der Zuschauer merkt, dass es im Programm keine notwendigen Investitionen gibt, ist das der Anfang vom Ende des ORF." Nicht nachvollziehen kann sie allerdings, dass ORF 2 noch heuer auf HDTV umgestellt werde. Sie will im Stiftungsrat die Kosten hinterfragen.

Schlanker werden

Sparen möge der ORF an Strukturen: "Der ORF muss viel schlanker werden, viel weniger Verwaltung. Im ORF wird alles nur noch verwaltet." Die Technik "gehört reduziert", sagt Gheneff, ausgelagert. Kein Vorbild dafür sei der Schnitt: ORF-Cutter würden zu Pre TV ausgelagert, die der steirischen SP-Stiftung gehört, und dort "unter Kollektivvertrag bezahlt", sagt sie (---> Reaktion von pre tv).

"Reduziert gehören" auch die Landesstudios, sie seien in heutiger Form "nicht leistbar". Gheneff empfiehlt: ihre Grundstücke verkaufen, Belegschaft reduzieren, wie für "unabhängige Berichterstattung nötig. Soweit man von unabhängiger Berichterstattung sprechen kann." (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 19.10.2009)

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    "Im ORF wird alles nur noch verwaltet", mahnt Gheneff (hier im Gespräch mit ORF-Programmdirektor Lorenz.

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