KTM und Todt sind Schumachers Wahl

18. Oktober 2009, 18:59
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Sein Formel-1-Comeback ist noch nicht abgehakt - Zuerst will Michael Schumacher aber wieder Motorradrennen bestreiten

Wien - Michael Schumacher, der Rekordchampion der Formel1, wird im neuen Jahr aller Voraussicht nach wieder Motorradrennen bestreiten. Der 40-Jährige soll als Werksfahrer für den oberösterreichischen Hersteller KTM wirken. "Wir wollten ihn sogar als Stammfahrer holen, er hat aber abgesagt" , verriet KTM-Sportchef Heinz Kinigadner der Bild am Sonntag. "Den Stress einer kompletten Saison will er sich nicht mehr antun."

Schumacher soll für KTM, das aus der Straßen-WM aussteigt und sich auf Rallye-Aktivitäten sowie die Superbike konzentriert, in der Internationalen Deutschen Meisterschaft mit einem 180 PS starken Superbike antreten. Bislang fuhr der berühmteste aller Kerpener eine Honda Fireblade für den Rennstall von Jens Holzhauser. Mit dieser Maschine hatte er im Februar im spanischen Cartagena jenen schweren Unfall, dessen Folgen sein geplantes Formel-1-Comeback verhinderten.

Während Schumachers Manager Willi Weber die KTM-Pläne als "möglich" bezeichnete, wollte Schumacher selbst sich in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel nicht endgültig festlegen: "Wenn, dann werde ich mir etwas engere Grenzen setzen. Ich war nicht immer der Vernünftigste. Das betrifft nicht nur das Motorradfahren." Nach wie vor hält er das Risiko auf zwei Rädern für "kalkulierbar" .

Die Formel 1 hat Schumacher trotz seines in diesem Jahr gescheiterten Ferrari-Comebacks noch nicht abgehakt. "Ich bereue meinen Rücktritt vor drei Jahren jetzt genauso wenig wie damals. Trotzdem gibt es keinen Grund, eine endgültige Aussage zu machen. Warum sollte ich mich festlegen?" Nachdem er Ende Juli seine Rückkehr als Ersatz für den im Qualifying zu Budapest schwer verunglückten Brasilianer Felipe Massa angekündigt hatte, habe er "sehr viel Unterstützung und Sympathie erlebt. Das hat mich sehr gerührt." Zu Beginn seiner Karriere sei er oft als Roboter dargestellt worden, als Unnahbarer, als der Unsympathische: "Der Imagewandel wundert mich. Ich frage mich schon, was da passiert ist."

Seine Rolle als deutsches Sport-idol sieht er zwiespältig. "Der Rummel, die Prominenz, der Hype, danach habe ich mich nicht gesehnt" , sagt er. Er habe eine Art Schutzschild mit sich herumgetragen. "Das kann ziemlich anstrengend sein." Das sei auch ein Grund für das Karriereende nach 16 Jahren in der Formel 1 gewesen: "Es wurde immer schwieriger, sich und den anderen gerecht zu werden." Mit der Planung seiner Zukunft lässt sich Schumacher Zeit. "Ich muss nicht Rennleiter von Ferrari sein, um ein ausgefülltes Leben zu haben."

Keinen Zweifel hat Schumacher, dass der ehemalige Ferrari-Teamchef Jean Todt der ideale Nachfolger von Max Mosley als Präsident des Automobilweltverbandes (Fia) wäre. Gewählt wird am 23. Oktober in Paris. Der Franzose Todt (63) tritt gegen den ehemaligen finnischen Rallye-Weltmeister Ari Vatanen (57) an.

"Ich bin absolut überzeugt davon, dass Jean Todt der richtige Mann für dieses Amt ist', schrieb Schumacher in einem offenen Brief an die Präsidenten der FIA-Mitgliedsverbände: "Nachdem ich 15 Jahre lang eng mit ihm zusammengearbeitet habe, glaube ich, dass ich das sagen darf. Todts Führungsqualitäten, seine Loyalität, sein Wissen stünden außer Frage: "Aber seine herausragende Eigenschaft ist meiner Meinung nach seine Teamfähigkeit."

Todt ist auch die Wahl des Fia-Establishments, zumal Vatanen innerhalb des Weltverbandes mit einem Antrag bei einem Pariser Gericht zur Überprüfung des Wahlprozederes für einige Empörung sorgte. Vatanen unterstellt Mosley unerlaubte Parteinahme für Todt. Der Brite, der die Fia seit 1991 führt, weist die Vorwürfe zurück und stellte auch klar, dass kein Geld des Dachverbands für einen der beiden Kandidaten ausgegeben worden sei oder werde. Im Übrigen kenne er kein Gericht, das einen scheidenden Amtsträger davon abhalte, seine persönliche Sichtweise kundzutun, wer der qualifiziertere Nachfolger sei, sagte Rechtsanwalt Mosley. (sid, lü, DER STANDARD Printausgabe 19.10.2009)

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    Michael Schumacher will wieder Motorradrennen fahren. Das Risiko hält der Formel-1-Rekordchampion für kalkulierbar.

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