Jenson Button ist Weltmeister

18. Oktober 2009, 21:37
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Dem Brawn-Piloten genügt Rang fünf in Sao Paulo zum Titel - Webber gewinnt den in der Startphase turbulenten Grand Prix vor Kubica und Hamilton

Sao Paulo - Brawn-Pilot Jenson Button ist Formel-1-Weltmeister. Dem 29-jährigen Engländer genügte am Sonntag im Grand Prix von Brasilien in Sao Paulo bereits Platz fünf zum erstmaligen Titelgewinn, da seine letzten beiden verbliebenen WM-Konkurrenten, Red-Bull-Jungstar Sebastian Vettel und sein Teamkollege Rubens Barrichello, nicht über die Ränge vier bzw. acht hinauskamen. Damit kann Button im letzten WM-Lauf am 1. November in Abu Dhabi nicht mehr von der Spitze der WM-Wertung verdrängt werden.

"Wir sind die Champions, wir sind die Weltmeister", schrie Button, nachdem er vom pausierenden Ferrari-Piloten Felipe Massa abgewunken worden war, überglücklich in den Boxenfunk, denn neben dem Fahrer- geht auch der Konstrukteurs-Titel in diesem Jahr bereits fix an das Honda-Nachfolge-Team von Ross Brawn. Den Sieg auf dem 4,309 km langen Kurs in Interlagos sicherte sich der australische Red-Bull-Pilot Mark Webber vor dem Polen Robert Kubica im BMW-Sauber sowie dem entthronten Champion Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes.

Perfektes Rennen um Weltmeister zu werden

"Das war ein unglaubliches Rennen, wahrscheinlich das beste meiner gesamten Karriere, auch wenn ich es nicht gewonnen habe. Vom 14. Startplatz war dieses Ergebnis das Maximum", betonte Button bei der offiziellen Weltmeister-Pressekonferenz. "Dieses Rennen war perfekt, um Weltmeister zu werden."

Zur Anmerkung, dass er, der am Anfang seiner F1-Karriere zu Beginn des Jahrtausends - auch vom Tiroler Formel-1-Routinier Gerhard Berger - als neues Supertalent und kommender Serien-Champion gepriesen worden war, erst in seiner zehnten Saison die WM-Krone erobert hat, meinte der frischgebackene Weltmeister: "Es ist in diesem Sport extrem schwer, Weltmeister zu werden. Man muss die ganze Saison über stark sein, um den Titel zu holen."

Während Button und Brawn ausgelassen feierten, trauerte Vettel. "Es geht jemandem besser als mir", lautete der total niedergeschlagene Kommentar des Deutschen. Er schob sich zwar mit Platz vier an Pechvogel Barrichello, den ein Reifenschaden zu einem Boxenstopp kurz vor Schluss zwang und ein besseres Ergebnis kostete, vorbei auf Rang zwei der WM-Wertung vor, aber seine Mini-Chance auf den Titel musste er nun endgültig begraben.

"Vom 15. Startplatz war nicht mehr drin, Platz vier ist das Beste, was man machen konnte. Wäre ich am Samstag besser gewesen, dann wäre sicher der Sieg möglich gewesen, wie man an meinem Teamkollegen gesehen hat", wusste der 22-jährige Deutsche, dass er bereits mit seiner katastrophalen Leistung im vom Regen beeinträchtigten Qualifying die eigentlich nur noch rechnerische Möglichkeit auf die WM-Krone verspielt hatte.

Vettel: "Zu viele Fehler"

"Es ist bitter, dass diese kleine Chance dahin ist", meinte Vettel, um dann gleich ein Saisonresümee zu ziehen: "Wir sind im Gegensatz zu Brawn nicht konstant genug gewesen, haben zu viele Fehler gemacht." Dazu kamen auch noch die Probleme mit den Renault-Motoren. Und so durfte Button, der von seiner fulminanten Frühjahrs-Siegesserie - sechs GP-Triumphe in den ersten sieben Rennen - zehrte, trotz einer schwachen zweiten Saisonhälfte mit bisher nur einer Podestplatzierung bereits am Sonntag in Brasilien jubeln.

Der Engländer profitierte ebenso wie der neben ihm gestartete Vettel vom turbulenten Rennverlauf zu Beginn, der beide schnell in die Punkteränge brachte. Der vorletzte WM-Lauf begann nämlich mit einer wahren Kollisionen-Orgie in Runde eins: Am Start fuhr Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen auf Webber auf und ruinierte sich dien Frontflügel. Im hinteren Teil des Feldes geriet Vettel mit dem finnischen Renault-Fahrer Heikki Kovalainen aneinander, der wenig später dann noch eine weitere Feindberührung mit dem Ferrari von Giancarlo Fisichella hatte.

Während diese "Scharmützel" alle glimpflich verliefen, folgten dann im Senna-S die ersten drei Ausfälle. Jarno Trulli übertrieb es und "torpedierte" mit seinem Toyota den Force-India-Mercedes von Adrian Sutil, der in der Folge dann auch noch den Renault von Fernando Alonso ins Out mitriss. Aufgrund der zahlreichen Crash-Trümmer auf der Strecke musste das Safety-Car für vier Runden ausrücken.

Brennnender Raikkönen

Auf dem Kurs kehrte zwar nach dem hektischen Beginn nun vorübergehend Ruhe ein, doch in der Box folgte am Ende der ersten Runde die nächste - im wahrsten Sinne des Wortes - heiße Szene. Kovalainen erhielt von seiner Crew zu früh das Freizeichen zum Losfahren und riss einen Teil des Tankschlauchs mit, aus dem Spritreste flossen, die sich in der Boxengasse unter dem Ferrari von Räikkönen kurzzeitig entzündeten, aber keinen gröberen Schaden anrichteten.

Auch in der Folge hatte der Brasilien-Grand-Prix spektakuläre Bilder und Überholmanöver en masse zu bieten, vor allem Button zog an gleich mehreren seiner Konkurrenten weltmeisterlich vorbei. Webber fuhr dagegen nach der ersten Boxen-Stopp-Serie überlegen an der Spitze sicher seinem zweiten Sieg nach jenem im Sommer auf dem Nürburgring entgegen. Im Gegensatz zu Vettel meinte der Australier: "Wir können stolz auf Platz zwei in der Konstrukteurswertung sein, das war eine gute Saison für uns." (APA)

  • Jenson Button hat seinen Traum verwirklicht.
    epa/sebastiao moreira

    Jenson Button hat seinen Traum verwirklicht.

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