Fidler verwrenkht sich

    20. Oktober 2009, 16:15
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    Es gezimt sich auch einem Glückskoch nicht, Herbsttrompeten so zu behandeln - aber was tut man nicht alles für Vegetarierinnen

    Der Bohei ums Eck ist groß: Eine Tafelrunde rot Beschürzter, und wenn ich mich nicht verschaut habe, eine zweite, gleich daneben. Do-it-yourself-Kochen unter professioneller Anleitung, Samstagabend bei Wrenkh, laut Eigendefinition Glückskoch. Nein, unser Dinner kam aus der regulären Küche, da bin ich ziemlich sicher. Ein wesentliches Indiz: So schnell bringt eine rote Laienrunde keine Oliventapenade zusammen und auch keinen "steirischen Glückssalat".

    Überhaupt geht hier vieles sehr fix, scheint mir: Am Nebentisch rauscht die Hauptspeis' schon an, als die Starter noch nicht einmal halb verputzt sind, wobei der deutsche Professor (?) am Nebentisch schon recht intensiv auf die Studentin (?) eingeredet hat. Egal. Der Herr hatte jedenfalls den steirischen Glückssalat, wohl wie ich in der Hoffnung auf mehr Glück (Er vielleicht bei der (?) Studentin; ich auf mehr als Verstand, was sich meist ganz gut ausgeht).

    So ein Glück

    Aber: Der steirische Glückssalat ist kein richtiger Glückssalat, denn das Glück macht hier offenbar gebratener Buchweizen aus. Die Blini-Basis fehlt dem Steirer, der hat dafür ein paar Prisen Quinoa auf den Blattsalaten, die auch nicht unfroh stimmen. Die gebratenen Tofuwürferl ganz okay, das Kernöl fein, und dass Tofu und Steireröl ausgesprochen gut harmonieren, weiß sogar ich längst von meinem Mittags-Standard.

    Über die Oliventapenade meiner Freundin braucht man nicht meckern. Sie schon gar nicht, weil sie nach langem Abwägen (und ein paar Absagen, weil heute zu, heute voll, andererseits Pasta ihr zu schwer und so weiter) das Wrenkh ausgesucht hat. Genau, die Vegetarierin.

    So richtig glücklich wirkte sie allerdings nicht mit Wrenkhs Erdäpfelschmarrn (den fand ich ganz ordentlich) mit dem Röstgemüse (ihr zu süß, mir insgesamt ein bisschen zu orientalisch) und dem grünen Frischkäsedip, der uns beim Nachfragen als Guacamole vorgestellt wurde, woran uns allerdings die Präsenz von Gurkengout und die Absenz von Avocado wunderte. Egal.

    Ziemlich unziemlich

    Fidler bei Wrenkh? Ich bin ja beim Essen total flexibel, solange es Fleisch, Fisch oder Schwammerl gibt. Freundlicherweise ist das Wrenkh seit einiger Zeit nicht mehr streng vegetarisch. Und ich muss sagen: Die Rinderfiletspitzen auf meiner Pasta waren sehr anständig, vielleicht ein bisschen sehr scharf angebraten, aber da bin ich ja nicht so streng. So lange es sich um Fleisch handelt, klar.

    Wenig Spaß verstehe ich hingegen, wenn ich Herbsttrompetenpasta bestelle, und diese Bandnudeln dann zwar optisch mit solchen Schwammerln versehen sind, das Ganze aber praktisch nur nach Zimt schmeckt. Zweifellos originell. Aber trotzdem ziemlich unziemlich, finde ich Dilettant, eine kleine Vorwarnung hätte schon geholfen. Denn (Schmecks-Leserinnen und -Leser können's schon nicht mehr lesen): Ich mag a) kein Dessert und b) schon gar nicht zum Hauptgang, schon gar nicht, wenn ich mich c) auf Pasta mit Pilzen freue, für ich mich auch vielmeilenweit bewege.

    Kurzum: Mir wurde diese Pasta nicht zu schwer, ihr Großteil ging wieder in die Küche zurück. Dafür gab's meinen Espresso auf Haus. Hab ich schon erwähnt, dass mich Kaffee glücklich macht?

    • Der steirische Glückssalat sah live definitiv besser aus. Hatte - Fluch der Spontaneität - leider nur das iPhone mit.
      foto: fidler

      Der steirische Glückssalat sah live definitiv besser aus. Hatte - Fluch der Spontaneität - leider nur das iPhone mit.

    • Kein Pacman: Das rechts ist die Oliventapenade.
      foto: fidler

      Kein Pacman: Das rechts ist die Oliventapenade.

    • Der Schmarrn (rechts, muss man bei den Bildern schon dazuschreiben) und das Röstgemüse bedrängen den kleinen, grünen Dip.
      foto: fidler

      Der Schmarrn (rechts, muss man bei den Bildern schon dazuschreiben) und das Röstgemüse bedrängen den kleinen, grünen Dip.

    • Tja, und das ist die Herbsttrompetenpasta mit den Filetspitzen, vor allem aber mit Zimt.
WrenkhBauernmarkt 101010 Wien01 5331526www.kochsalon.at
Zweimal zwei Gänge, zwei Gläser Wein, ein Espresso: 40,20 Euro.
      foto: fidler

      Tja, und das ist die Herbsttrompetenpasta mit den Filetspitzen, vor allem aber mit Zimt.

      Wrenkh
      Bauernmarkt 10
      1010 Wien
      01 5331526
      www.kochsalon.at

      Zweimal zwei Gänge, zwei Gläser Wein, ein Espresso: 40,20 Euro.

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