Andrang an den Universitäten

Verhindert Bildung!

18. Oktober 2009, 18:05

Da drängen so viele junge Menschen wie noch nie zuvor an die Universitäten, und es gibt niemanden in der Politik, der das gut findet

Es ist schon erstaunlich: Da drängen so viele junge Menschen wie noch nie zuvor an die Universitäten, und es gibt niemanden in der Politik, der das gut findet. Der Kanzler nicht und der Vizekanzler nicht, am lautesten aber schreit der zuständige Wissenschaftsminister, der diesen Zustrom bildungswilliger Menschen stoppen will.

Es gibt 15 Prozent mehr Anfänger, insgesamt könnten es heuer an die 300.000 Studierende an den österreichischen Universitäten werden. Anstatt diesen Umstand zu begrüßen, wird nur darüber geredet, wie man das verhindern könnte. Minister Johannes Hahn will als Hemmschwelle wieder Studiengebühren einführen, außerdem sollte es an möglichst allen Universitäten Zugangsbeschränkungen in Form von Aufnahmeprüfungen geben.

Keine Rede ist davon, wie man den Andrang sinnvollerweise bewältigen könnte, wie man die Qualität der Universitäten hält oder verbessert, wie man für möglichst viele Menschen möglichst gute Bedingungen schafft.

Auch Schuldige wurden schon ausgemacht: Es sind die bösen Deutschen, die hier studieren wollen. Wie kleinkariert das ist! Da wollen wir lieber unter uns bleiben, anstatt die Internationalität zu fördern und stolz darauf zu sein, dass die Universitäten auch im Ausland beliebt sind. Anstatt zu überlegen, wie man noch mehr Menschen interessieren könnte, wird nur überlegt, wie man sie abwehren könnte. Des Ministers Ansatz ist offenbar die Verhinderung von Bildung. Das ist zukunftsfeindlich. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2009)

Kommentar posten
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Die Marslady
11
23.10.2009, 17:08
Kein Mensch "verhindert" Bildung!

Es geht klar und deutlich um die Relationen des Zugangs an den österr.Universitäten.
Ganz Österreich hat nicht einmal soviele Einwohner wie z.B. der Freistaat Bayern, unserem unmittelbaren Nachbarn. Es ist doch eine Logik, dass Österreich nicht die sämtlichen NC-Flüchtlinge aufnehmen, auch beim besten Willen nicht.
Bekanntlich müssen die acht Millionen ÖsterreicherInnen als Steuerzahler für die NC-Flüchtlinge mitfinanzieren und das ist ungerecht.
Denn niemals kommen soviele österr.StudentenInnen zum Gratisstudium nach Deutschland, ist doch ebenfalls logisch oder etwa nicht???
Also bitte einmal klar allerseits nachdenken.

msm
01
28.10.2009, 13:04
Was soll das Geschrei...

Ausländische St. Wintersemester 2007
D: 12.386 IT: 6.209 Polen: 1.472
Slowakei: 1.301 Bulgarien: 1.288 Ungarn: 1.219
Rumänien: 697 Slowenien: 556 Tscheien: 545
Frankreich: 495 = TOTAL 28.493 aus EU- Raum

Heute sind etwa 50000 Inskribierende aus den Ausland, ca 20% von insgesamt 300.000 Studierenden, davon kommen aber nur 28.500 aus der EU, davon 17.732 aus D. Im Erasmus Programm studieren 10.500 Österreicher an europ. Unis.
32.000 studierende Ausländer kommen somit nicht aus Deutschland, das kümmert Wenige, warum?

Die Marslady
10
23.10.2009, 17:14
Ergänzung bzw.Korrektur

Es ist doch eine Logik, dass Österreich nicht sämtliche NC-Flüchtlinge aufnehmen kann, auch bei bestem Willen nicht.

Schön
12
26.10.2009, 21:31
Nein, es ist nicht logisch!

Weil man nämlich nicht auf Fehlern aufbauend etwas logisch richtig machen kann. Der NC ist Unsinn, egal wo er zur Anwendung kommt. Ein Mensch, der studieren will, ist kein Flüchtling, dem an irgend einer Uni etwas geschenkt wird! Bildung und Kultur sind dazu da, dass Grenzen im Denken überwunden werden können. Die Notwendigkeit für dieses menschlich revolutionäre Denken liegt klar auf der Hand. Geistige Wertschöpfung ist mit ökonomischen Parametern nicht beschreibbar, obwohl man uns das einreden will, bis wir selbst unseren menschlichen Stoffwechsel nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausrichten.

dieter holzhammer
10
3.11.2009, 20:53
schlaraffenland

schon klar dass jeder unbeschränkt "etwas" (z.B. studieren, ... ) möchte, nur in letzter konsequenz muss es trotzdem wer bezahlen, denn ich möchte auch eine privatbibliothek in einem penthouse haben - nur wird sich das "mein haushalt" nicht leisten können!
zum mitschreiben:
es kann nur das geld ausgegeben werden, dass vorhanden ist! auch studenten müssen müssen sich spätesten bei arbeitsbeginn mit diesem umstand auseinander setzten. und ob dann zig tausende von einer studienrichtung "ihren adäquaten quob bekommen ist dann mehr als fraglich ....

Wissen ist Macht
00
21.10.2009, 01:29
Bildung kontra Stimmen

In Deutschland gibts keinen NC. Die Laender haben NC und auch Studiengebuehren zum Teil eingefuehrt, aber nicht alle. Gleichzeitig kann auch der NC mit der 25%-Regelung in einigen Laendern umgangen werden.
Nur weil deutsche Laender Studiengebuehren und NC haben, muss Oesterreich den selben Fehler machen?
Studenten muessen mindestens eine Reifepruefung abgelegt haben, somit gehoeren sie bereits zum allgemein gebildeten Volk. Diese moechte man also nicht in Oesterreich?
Selbst mit Studiengebuehren, ist es guenstiger in Deutschland zu studieren. Irgendwann geht das oesterreichische Volk um im Ausland zu studieren, weil es dort guenstiger ist und kommt nicht wieder. Was bleibt sind die ungebildeten, denn die Deutschen kommen auch nicht mehr.

Die Marslady
10
23.10.2009, 16:53
Werte/r @Wissen ist Macht

Ich habe klar und deutlich dargelegt, warum der Massenansturm der StudienanfängerInnen, d.h. grossteils deutsche Numerus Clausus-Flüchtlinge
unseren zum Grossteil kleinstrukturierten heimischen UNI's nicht wohlbekommt.
Durch die Quantität der StudienanfängerInnen leidet eindeutig die Qualität der Lehre.
Man möge wohl z.B. an die hohe Qualität der renommierten USA und GB Universitäten denken, denn auch dort gibt es keinen Massenbetrieb.
Also mehr Qualität als Quantität an den österr.UNI's
gehört die Zukunft.

Die Marslady
11
19.10.2009, 22:46
Werter Herr Völker....

Ein bissl müssen wir die G'schicht an den austrianischen Universitäten auseinanderhalten:
Bekanntermassen kommen/flüchten massenhaft deutsche Studienanfänger zu uns nach Österreich, die den strikten deutschen Numerus Clausus, d.h. den Zugang zu einem Studium an einer deutschen UNI nicht schafften.
Zu beachten wäre ebenfalls,
dass unsere Universitäten auf österr.Studentenzahlen
im Rahmen unserer österr.Bevölkerungsanzahl von ca. 8 Millionen Einwohner ausgelegt sind, inclusive etliche Gaststudenten aus dem Ausland.
Deutschland hat eine Bevölkerungsanzahl von ca.80 Mill. Einwohner, dh um 10 mal soviele mehr als A.
Österreich mit seinen relativ bescheidenen Mitteln kann auf Dauer diesen Studentenansturm aus D strukturell nicht bewältigen.

ielara viena
10
23.10.2009, 11:54

Sehr verehrte "Marslady",
schonmal daran gedacht, dass "Die deutschen Studenten" nicht nur als kleine Bildungsschmarotzer an österreichische Unis kommen, sondern ganz nebenbei auch in Österreich leben und fast sämtliche Ausgaben, die ihr Studium erfordert, hier in Österreich haben? Also schön brav Geld in Österreichs Markt einfließen lassen? Stimmt, ne? Gut. Und jetzt noch was Persönliches: MEINEN Studiengang, den gibt es in Deutschland nicht, den gibt es nur hier in Wien. Ich bin aber aus Deutschland und ich bin nach Wien gekommen, weil mich eben dieser Studiengang so begeistert hat. Ist das nicht ein Lob für die Wiener Uni? Leider herrschen prekäre Verhältnisse, es fehlt vorne und hinten an allem. Darum demonstriere ich mit!

Die Marslady
10
23.10.2009, 16:45
@ielara viena, alles gut und schön, aber... bitte ein bisschen klarer denken....

Lesen Sie bitte mein Posting gaaanz genau durch....
Ich bin grundsätzlich eine grosse Befürworterin von StudentenInnen-Austausch zwischen den einzelnen EU-Ländern, was ja bekanntlich den Horizont der jungen Menschen erheblich erweitert.
Bedenken Sie jedoch,
dass Österreich und seine universtären Strukturen auf ein kleines Land von acht (8!) Millionen Menschen ausgerichtet sind.
Von jederzeit willkommenen GaststudentenInnen abgesehen,
bin ich aber gegen die Massen-Überstrapazierung unserer heimischen UNI's, weil da bekanntlich die Qualität des Studiums und der Strukturen erheblich darunter leiden. Das ist nunmal der Punkt, hier ist schon Rücksichtnahme von anderen EU-Ländern gefordert.
Die Relationen machen nunmal den Unterschied.

Die Marslady
11
19.10.2009, 22:56
Teil 2)

Daher bin ich der Auffassung, dass hier bei aller nachbarschaftlichen Freundschaft mit Deutschland effizientere Lösungen gefunden werden müssen, um diesen Ansturm bzw. Überhang der deutschen "Numerus-Clausus"-Studenten-Flüchtlinge zum Wohle unserer eigenen österr. StudentenInnen zu stoppen bzw. einzudämmen.
Hier sind auch strengere Massnahmen von Seiten Deutschlands notwendig, schon um das gute Nachbarschaftsverhältnis mit Österreich nicht überzustrapazieren.
Nochmals, die österr.UNI-Strukturen sind für diesen Massen-Studenten-Ansturm nicht ausgelegt, weder personell noch finanziell, und auch nicht im Raumangebot.
Österreich verhindert ja nicht die Bildung, aber der übermässige Studentenansturm verhindert qualitätsvolle Bildung.

Protagoras v. Abdera
04
19.10.2009, 18:11
Tendenziell volkommen richtiger Kommentar

Internationalisierung sollte aber nciht mit Germenisierung verwechselt werden, auch wenn das manche rechtslastige Studenten besonders freut. Deutsche Bildungsflüchtlinge sind kein Ausweis für die Qualität des österreichischen Bildungssystems, sondern für die Ungerechtigkeit des deutschen. Es gibt also keinen Grund, die seit 2000 verpfuschten Uni-Strukturen in Österreich pauschal selig zu sprechen

shangl
11
19.10.2009, 18:04
nichts verstanden...

...es geht darum, dass unser system das nicht verkraftet

Andreas Exenberger
00
20.10.2009, 11:50
Und warum?

Weil es jetzt schon an der Belastungsgrenze operiert und in den Zeiten der Studiengebühren und weniger Studierenden aus "ausgabenseitigen Einsparungsgründen" eher zurückgefahren wurde!

Daher: Was wollen wir? Bildung verwalten (ein chronisch unterausgestattetes System, das nichts verkraftet) oder Bildung gestalten (ein gut ausgestattetes System, das für neue Belastungen gewappnet ist)? Ich bin für ein "adaptiv effizientes" System und gegen eines, das gerade so viel bekommt, dass es nicht abkrazt und wo daher leicht der Eindruck entstehen kann, dass man es vor allem "Neuen" zuerst einmal schützen muss.

shangl
00
20.10.2009, 16:33
nur bedingt richtig...

...wir haben ein system, das an unsere bedürfnisse in sachen studierende ausgelegt ist...und jetzt kommen in ohnehin schon überladenen studien, die weit mehr als den österreichischen bedarf abdecken, noch mehr studenten dazu...mir wäre noch nie aufgefallen, dass der run auf studien wie mathematik, physik oder informatik geht, sondern immer nur auf die eher "leichten" studien, die massenhaft studiert werden...das ist der hauptgrund, warum wir es nicht verkraften

smea_gol
00
24.10.2009, 00:13

ein blödsinn. schon vor dem fall der zugangsbeschränkungen mussten österreichische studenten darum betteln, aufgenommen zuwerden, sei es in seminare, übungen, sogar zT in Vorlesungen.
Das Bildungssystem war auch nicht auf 250.000 österreichische Studenten ausgelegt.

Es war schon damals unterfinanziert.
Ein System das bereits vor der Germanisieriung auf 115% Kapazität lief, kollabiert halt nun mal bei 150%.

Der Grund sind aber nicht die deutschen sondern die MASSIVE und POLITISCH-VERLOGEN-GEDECKTE UNTERFINANZIERUNG.

shangl
00
24.10.2009, 01:20
blödsinn??

...kannst du lesen? von zugangsbeschränkungen hab ich kein wort geschrieben...ansonsten hast du genau wiedergegeben, was ich geschrieben habe....das system war auf unsere bedürfnisse ausgelegt (ja vlt. auch ein bisschen überlastet) und den derzeitigen anstieg verkraktets nicht...es gibt 2 verschiedene lösungsmöglichkeiten...beschränkungen oder mehr geld...nachdem das problem aber durch ausländische studierende verschärft wird, bin ich sowohl für beschränkungen als auch für mehr geld

Gerhard Grabner
02
19.10.2009, 16:54
Ungebildete beser regierbar

Offenabr hält Hahn und die ÖVP eine ungebildete Plebs für besser beherrschbar. Kleine Elite genügt. eiFaymann ist es wiederum so dass Onkel Hans bzw. die Summe seiner Redakteure Akademiker nicht so sehr schätzt.

ander123
00
19.10.2009, 21:07
Ungebildete besser regierbar

Ganz Ihrer Meinung!

The Dark
00
19.10.2009, 16:45
Lustig

dass viele die sich über die Asylpolitik der FPÖ aufregen jetzt selbst Zugangsbeschränkungen für Ausländer fordern.

frag doch den kärntner
00
19.10.2009, 17:44

was hat asylpolitik mit bildungspolitik zu tun?

Porqué no te callas?
24
19.10.2009, 16:22

da ist mir der ansatz vom minister 100 mal lieber als der vom herrn völker.

der artikel ist irreführend. es besteht absolut kein grund zum jubeln, wenn mehr DEUTSCHE denn je unsere unis stürmen. das heisst nicht dass sich unser bildungsniveau erhöht, sondern dass deutsche unser lasches system ausnutzen.

und zur internationalität hervorgerufen durch die vielen deutschen: geh bitte!!!

Hans Müller1
 
01
19.10.2009, 17:36
So lernen wir Österreicher endlich was eine Stulle ist :)

b fel
32
19.10.2009, 16:06
"...und stolz darauf zu sein, dass die Universitäten auch im Ausland beliebt sind."

Logisch, immerhin gibt´s keinen Numerus Clausus und keine hohen Studiengebühren.

Wer so argumentiert nimmt sich entweder selbst nicht ernst oder hat keine Ahnung.

t-bonesteak
01
19.10.2009, 15:57
ganz so ist es ja auch wieder nicht

es ist - dazu muss man kein freund der övp sein - doch so, dass deutsche studenten in scharen zu uns kommen. und nicht, weil sie unsere unis so schätzen würden, sondern weil ihr heimatland ihnen schlicht und ergreifend zu wenige studienplätze anbietet.

aber daran ist wohl auch die övp schuld.

ansonsten kann man dem kommentar natürlich zustimmen.

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