Die Hacklerpension als Bonus kleiner Leute

18. Oktober 2009, 16:59

Sie haben ihr bisheriges Leben lang gehackelt wie die Blöden - sich ausgebeutet. Also erhalten sie die Bonus-Variante der Frühpension

Sie haben ihr bisheriges Leben lang gehackelt wie die Blöden - sich ausgebeutet. Also erhalten sie die Bonus-Variante der Frühpension.

Ganz oben auf der Gehaltspyramide gibt es die Banker. Sie hackeln auch wie die Blöden - mit einer besonderen Gabe und Ausbildung fürs Geldgeschäft. Da gibt es keine gesetzlich fixierte Pensionsregelung, sondern es gilt der Sozialdarwinismus wie bei den Profi-Fußballern - möglichst schnell möglichst viel verdienen. Daher das Bonus-System.

Josef Pröll, Obmann der angeblich christdemokratischen Volkspartei, will die Hacklerregelung abschaffen. Angesichts der Realität nicht ohne Berechtigung. Denn wie bei der Frühpension generell wird auch die Hackler-Variante von viel zu vielen Leuten ausgenützt, die arbeiten, aber nicht hackeln.

Nur: Es ist typisch für die Volkspartei seit Schüssel, dass sie tendenziell den Reichen nützt und die Schwächeren zu wenig stützt.

Der Vizekanzler hat in seiner jüngsten Programm-Rede nämlich nichts gegen den Boni-Missbrauch gesagt, und die Regierung tut auch nichts dagegen, den Casino-Kapitalismus wieder einzufangen. Man müsse gesamteuropäisch handeln, weshalb Pröll und Faymann für eine Finanzsteuer in Brüssel nur deshalb votieren, weil sie wissen, dass die in der EU nicht realisierbar ist.

International geht es in die andere Richtung. Während die Wirtschaft darüber klagt, nur sehr zögerlich Kredite zu bekommen, feiern die Banken enorme Gewinne. In den USA dürften die 23 wichtigsten Geldinstitute, von der Regierung Obama mit satten Subventionen gefüttert, das Jahr 2009 mit Gehaltszahlungen abschließen, die um neun Milliarden Dollar höher liegen als 2007. Allein die Boni dürften um 20 Prozent steigen.

In Österreich ist das alles ganz anders, wird meist argumentiert. Tatsächlich sind Geldgeschäfte besser kontrolliert, und eine Reihe von Bankern hat freiwillig auf Boni verzichtet.

Aber jene Riesensummen, die mit ministerieller Billigung unentwegt in irgendwelche Gier-Schlünder fließen, machen stutzig: Welches Recht hat Herr Pröll, den kleinen Leuten die Hackler-Boni abzudrehen, aber nichts über Grasser & Co oder über das Constantia-Umfeld zu sagen? Da schweigt der Prediger.

Tatsächlich hat ja die von der ÖVP seit Mitte der 90er- Jahre betriebene Privatisierung eine Welle der Bereicherung ausgelöst, welche die fettesten Mehrfach-Einkommen der Multi-Funktionäre der Verstaatlichten Industrie bei weitem übertrifft. Es gibt kein Zurück zum Unternehmer Staat. Er sollte sich von Beteiligungen in der Krise wieder lösen. Aber der Trend, alles so zu lassen, wie es war, ist eine Verhöhnung der Prinzipien der "sozialen Marktwirtschaft" .

Bevor man die Umtriebe der Spezi-Kapitalisten (Copyright: Hans Rauscher) nicht stoppt, sollte man auch die Hacklerregelung in Ruhe lassen.

Solange man die Ausrede gebraucht, selbst eine minimale nationale Steuer auf Finanz-Transaktionen schade dem "Wirtschaftsstandort Österreich", möge man den Umfang der Leistungen für sozial schwache Gruppen nicht antasten.

Sei's drum: Eine Schädigung des "Sozialstandorts Österreich" befürchten höchstens die Caritas, die Grünen und ein paar versprengte Gewerkschafter. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 102
1 2 3
1116er
00
20.10.2009, 14:57
die einzig echten hackler

sind doch eh nur pröll und seine parteikollegen.
24/7 reissen sie sich zum wohle dieses landes den a*** auf, während alle anderen eh nur largieren und sich einen schönen tag machen.

daher: hacklerregelung für pröll & co. und ab mit ihnen in den vorzeitigen ruhestand!

F F
00
21.10.2009, 11:32

Und den Veit Sorger dürfens nicht vergessen, der hat sich seinerzeit die Homepage für KHG vom Mund abgespart

skip it
10
20.10.2009, 13:10
herr sperl, des is aber net ihr ernst...

rossgoschn
14
19.10.2009, 16:57

Wie unser aller Staatsfunk mit Berufung auf statistische Daten kürzlich publik gemacht hat, sind ca. 60% der Bezieher der sog. "Hacklerregelung" Beamte im Ruhestand, welche so schweisstreibende Tätigkeiten wie 2 x Woche Kopierpapier nachfüllen "gehackelt" haben, dafür aber eben im Alter von 17 Jahren damit angefangen haben.

F F
00
21.10.2009, 11:34

Ich bin kein Beamter , meine aber trotzdem ihre Aussage ist unfassbar dumm

keep cool
44
19.10.2009, 15:38
Privileg der häufig NICHT kleinen Leute!

Abschaffung der Hacklerregelung von gleichzeitig (sicher) notwendigen Reformen der Finanzwirtschaft abhängig zu machen, kann ich nicht nachvollziehen! Dass jene, die 40/45 Jahre bis zum 55/60 Lebensjahr arbeiten, ausgebeutet wurden - weil sie lebenslang "gehackelt" haben - und dadurch Rechte auf Frühpension ohne Abschläge haben, halte ich für Schwachsinn. Es gibt in Ö Frühpensionen für Invalide, erwerbsunfähige und "echte" Schwerarbeiter. Für ALLE anderen soll künftig das gesetzliche Pensionsalter 65/60 gelten, und schnellstmöglich - wie international üblich - auf 65/65 angepasst werden. Alles andere wäre ohne Steuererhöhung und/oder Leistungsreduzierung (Alterspyramide, niedrige Geburtenrate) zu Lasten der Jungen nicht mehr finanzierbar!

gutartiger Bösmensch
02
19.10.2009, 17:38
Und mit welchem Zauberspruch

kriegen wir die paar hundertausend Jobs mehr die für 10 Jahre längere Realarbeitszeit notwendig sind?

keep cool
02
19.10.2009, 21:20

Hier handelt es sich überwiegend um Beamte, die mit 60 Jahren und 80% ihrer letzten (Höchst-)Bezüge in Pension gehen und sich mit relativ wenig Verlust zum Reallohn verabschieden. Ferner um Angestellte, die entweder freiwillig oder über massiven Druck der AG vorzeitig und unfreiwillig, manchmal nach Zusage zusätzlicher Abfertigungsleistungen sich verabschieden. Sehr häufig werden die Posten nicht nach besetzt manchmal durch "preiswerte Junge" AN ersetzt.
Die paar hunderttausend Jobs werden sicher nicht geschaffen!
Schuld sind veraltete Gehaltssysteme, die nicht auf Leistung, sondern auf Dienstalter basieren!
Zusammenfassend profitieren von der HR überwiegend die Falschen, wenig Folgejobs werden geschaffen, das Pensionsbudget verliert Mrd.!

Kontra
55
19.10.2009, 15:25
Bei der Lektüre dachte ich es handelt sich um eine Satire

Wenn dem aber nicht so ist, dann sollte Herr Sperl einmal erklären, was die wahrscheinlich unzureichende internationale Regulierung der global agierenden Finanzmärkte (also etwas was nur international in den Griff zu bekommen ist) mit einer österreichischen 'Hacklerregelung' zu tun hat, bei der schon ihre Bezeichnung ein Hohn an die Intelligenz der Bürger ist.

Zur Hacklerregelung selbst. Ob ein 60 Jähriger 45 Jahre 'eingezahlt' hat, oder 30 Jahre, ändert ja wohl nichts an der Lebenserwartung und daher der Bezugsdauer. Da diese steigt, müss ja wohl auch das Pensionsalter angehoben werden. Ausnahmen kann und soll es für Schwerarbeiter geben, aber nicht für deren Gegenteil: dem österreichischen 'Hackler'.

NaderNader
00
2.11.2009, 16:48
Sie sind kein Gscheiter nicht, wenn Sie

...15 Beitragsjahre Differenz einfach so beiseite wischen. Wenn ich die Klavier spielen könnte, wär der Horowitz ein Armutschkerl.

hurchzua
12
19.10.2009, 15:05
Linke Reflexe und Emotionen sollten das Denken nicht ersetzen

Natürlich sind horrenden Bonuszahluungen und der "Casino-Kapitalismus" ein Ärgernis.

Aber das in irgendeinen Zusamenhang mit der Hacklerregeung zu rücken ist absurd.

Schon deshalb, weil auf nationaler Ebene die Möglichkeiten hier einzugreifen, gar nicht gegeben ist.

Kurt Bayer
18
19.10.2009, 13:13
quid pro quo als Urübel

Die Argumentation dieses Kommentars zeigt eines der Übel der jahrzehntelangen Koalitionsregierungen in Österreich auf: eine Forderung deiner Klientel wird von mir unterstützt, wenn du eine meiner Klientel unterstützst - ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl, ohne Rücksicht auf die Finanzierung. Diese "Junktimierungen" sind ein österreichisches Spezifikum und gelten hierzulande als höchste Kunst, politischen Konsens zu erzielen.
Wahr ist vielmehr, daß mit der Verknüpfung zwei unreelle Forderungen nicht reell werden, sondern im Gegenteil den Staat in den Bankrott treiben und den sozialen Zusammenhalt gefährden.
Lieber Gerfried: bitte denk noch einmal nach!

Klassenfeind
01
19.10.2009, 16:40
...ganz Ihrer Meinung!!!

tancy
02
19.10.2009, 14:30

das trifft genau den Kern der Problematik in Österreich!!!!!

sixela
21
19.10.2009, 13:08
Ist Gerfried Sperl

...eigentlich kürzlich den Grünen beigetreten? Seine Artikel werden immer mehr einseitige Brandreden gegen den pösen, pösen Kaptialismus.

NaderNader
00
2.11.2009, 16:49
Reiner Altersweisheit - aber davon sind Sie noch

...weit entfernt!

Londo Mollari
 
00
19.10.2009, 12:54
was hat das miteinander zu tun ?

nicht alles, was sich irgendwie unterscheidet kann auch sinnvoll miteinander verglichen werden.

a b4
710
19.10.2009, 12:16
Selten noch so einen haarsträubenden Blödsinn gelesen.

Eigentlich eine Schande.

F F
00
21.10.2009, 11:35

Haben sie es nicht verstanden?

GTV916
 
23
19.10.2009, 12:55
was ist daran so blöde ?

...hier wird nur Offensichtliches angeführt...

skip it
01
20.10.2009, 13:08
dieselbe logik wie:...

...
- waren sie schon in montevideo?
- nein
- da muessen s' eigentlich den bschistranek-ferdl kennen, der war auch noch nie in montevideo.

t-bonesteak
06
19.10.2009, 11:45
hacklerpension für hackler

also schwerarbeiter - völlig in ordnung. in einigen berufen ist man körperlich so beansprucht, dass man bis zum gesetzlichen pensionsantrittsalter gar nicht hackeln kann.

die hacklerregelung wurde aber so diffus formuliert, dass viele, die es gar nicht verdienen, sie in anspruch nehmen. und das ist nicht duldbar.

hurchzua
02
19.10.2009, 15:06
dafür giibt es die "Schwerarbeiterpension"

t-bonesteak
00
19.10.2009, 15:14
und was soll dann überhaupt die hacklerregelung?

hurchzua
22
19.10.2009, 15:40
gehört abgeschafft

ist ein unsachliches Zuckerl.

Verfassungsrechtlichen Vorgaben- Vertrauensschutz- wird man aber wohl beachten müssen. das heißt aber nicht, dass die Hacklerpension bis 2013 bestehen muss. Man kann sie schrittweise auslaufen lassen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 102
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.