Wie der Kinderporno-Fahnder den Täter im Internet findet

18. Oktober 2009, 11:47
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Informationsdefizite bei Kindern und Eltern

Gerade an den ersten Tagen des Kurses ging es vor allem um Basics und um Möglichkeiten, wie und wo man die Täter finden kann. E-Mails oder Newsgroups etwa, über die der Belgier Elrik Robbe sprach. Denn auch das Wissen, welche und wie viele PCs am Weg eines Mails vom Absender bis zum Empfänger beteiligt sind, kann die Ermittler zu einem Kinderschänder führen. Denn das ermöglicht ihnen, über die IP-Adresse - also den Code, der jeden PC im Internet identifizier- und erreichbar macht - den Standort des Absenders festzustellen.

Newsgroups

Ein nahezu unendliches und für die Ermittler viel zu sehr im Verborgenen liegendes Feld sind die Newsgroups. Dabei gehe es um global betriebene Diskussionsforen, in denen man lesen, aber auch eigene Beiträge verfassen kann. Um die Dimension zu veranschaulichen: Im Oktober 2009 waren mehr als 140.000 Newsgroups verfügbar, von denen jede ein eigenes Thema hat. "Pro Tag werden rund zwölf Millionen Postings in diesen Newsgroups verfasst", so Robbe. Zum Teil werden Nachrichten verschlüsselt. Wer weiß, wonach er zu suchen hat, wird garantiert fündig, sagte der Experte. Zum Glück sind auch die Ermittler nicht chancenlos.

Tauschbörsen

Doch es gibt weitere Plattformen, in denen sich Pädophile gerne tummeln: Peer to Peer-Filesharing-Groups, also Tauschbörsen, in denen alle möglichen Inhalte gesucht und angeboten werden. "Das erste netzbetriebene Filesharing war Usenet", erzählte Sören Christensen von der dänischen Reichspolizei. Dann sei FTP gekommen, bevor 1996 das erste ICQ eingeführt wurde. In aller Munde gerieten Tauschbörsen 1999 durch die Einführung von Napster, wo sehr zum Ärger von Plattenkonzernen plötzlich Musik gratis verbreitet wurde. Napster gehörte noch zur ersten Generation von Tauschbörsen, es war noch Server basiert. Die zweite Generation repräsentierte das 2001 veröffentlichte KaZaA, das bereits dezentralisiert ohne Server auskam.

Elektronische Fingerabdrücke

Peer to Peer verkörpert nun bereits die vierte Generation. In dem Netzwerk kommuniziert jeder PC gleichberechtigt mit jedem. Die Netzwerke sind jedoch abhängig von der Qualifikation der Teilnehmer oft nach deren Aufgaben strukturiert. Downloads funktionieren arbeitsteilig. Das heißt, ein User lädt ein File nicht von einem Computer herunter, sondern verschiedene Peers stellen die Teile zur Verfügung. Doch die Inhalte der Downloads verursachen elektronische Fingerabdrücke. Diese machen den jeweiligen Content identifizier- und im Netz wieder auffindbar, auch wenn etwa der Name des Files geändert wurde. Das ist eine der Chancen für die Ermittler, wie Christensen erläuterte. Und die Polizei schläft nicht: Neue Methoden sollen das Auffinden von Kinderschändern in Tauschbörsen noch heuer wesentlich leichter machen.

Öffentlichkeit besser informieren

Doch die Ermittler wollen nicht nur sich selbst besser für den Kampf gegen die Kinderschänder im Internet besser präparieren. Sie haben auch großes Interesse daran, die Öffentlichkeit besser über die Möglichkeiten und Gefahren im Net zu informieren, gerade angesichts von Entwicklungen wie Social Networks, File Sharing und Ähnlichem. "Sie (die Kinder, Anm.) wissen nicht, wie sie sich absichern können. Und ihre Eltern wissen es auch nicht. Aber die Täter wissen genau, wo sie hingehen müssen, um an ihre Opfer heranzukommen", sagte John Hodge vom britischen Child Exploitation and Online Protection Center (CEOP). (APA)

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