Kinderpornos: Die Gefahr lauert nicht nur im WWW

18. Oktober 2009, 11:44
2 Postings

Europol trainiert Fahnder für Suche nach Pädophilen: Social Networks, Newsgroups und Filesharing-Plattformen als Herausforderungen

Kinder nutzen Chat-Dienste wie ICQ oder MSN ganz selbstverständlich. Doch dort lauern oft Pädophile. Für User jenseits der 30 sind Begriffe wie Web 2.0, ICQ, MSN, Newsgroups, oder Peer 2 Peer-Plattformen meist spanische Dörfer, für die Kinderporno-Fahnder sind genau das die Herausforderungen, wo sie Täter finden und Opfer schützen können. Damit es Kinderschänder auf diesen Plattformen nicht allzu leicht haben, unbemerkt zu bleiben, veranstaltet Europol nun schon zum zehnten Mal einen Trainingskurs für Kinderpornoermittler. Die APA durfte sich dieser Tage bei dem Lehrgang in einem Polizeischulungszentrum in Selm im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen umsehen.

"Internet von Gott gesandt"

Über die Bedeutung des Internets für Pädophile ließ etwa Mike Moran von Interpol, einer der Trainer bei dem Kurs, bei seinem Vortrag keine Zweifel: "Für unsere Kunden, die Kriminellen, die sich mit Kindesmissbrauch beschäftigen, ist das Internet von Gott gesandt. Es ist einfach perfekt." Sextäter würden im Net drei Ziele verfolgen: Erstens Rechtfertigung, sie wollen also sich selbst und anderen beweisen, dass sie nichts Unrechtes tun. Zweitens wollen sie als sogenannte Groomer über Chats und Ähnliches an ihre Opfer herankommen und sie missbrauchen. Und drittens ist es ihre Absicht, das Material der sexuellen Ausbeutung von Kindern austauschen, verbreiten, produzieren und vertreiben. Wobei Moran klarstellte, dass kommerzielle Motive der Pädophilen eher selten sind: "96 Prozent des Kindesmissbrauchs im Net wird gratis gehandelt."

"Demokratie in Extremform"

Alles neu machte Web 2.0, so der irische Experte: "Bei Web 1.0 ging alles um Information. Jeder Mist wurde ins Netz gestellt." Der User hatte aber kein Mitspracherecht, er war Konsument. Web 2.0 sei hingegen "Demokratie in Extremform", sagte Moran. Wikis, Suchmaschinen, Social Networks, Photo- und Video-Sharing, Second Life und Mashups, die diese Errungenschaften mischen, machen das möglich. Es komme wie etwa bei der Parallelwelt Second Life zu einer digitalen Bürgerschaft. Sogar die Währung der Online-Welt, die Linden-Dollar, habe einen realen Wert. "Und das zieht Kriminelle an", sagte Moran.

Zutritt zur Wolke Internet

Es seien Online-Welten wie in den Spielen World of Warcraft oder Club Penguin entstanden, in dem sich zum Beispiel Moran junior herumtreibt. "Der Punkt ist: Mein neunjähriger Sohn, der ein Pinguin ist, kommuniziert mit anderen Pinguinen, die natürlich sieben oder neun Jahre alt sein können - oder auch ein Groomer", sagte Moran senior. Kinder seien jeden Tag in der Wolke Internet, "und da bekommt jemand Zugang zu ihnen". Für die Ermittler gehe es letztlich ebenfalls um Zutritt zu dieser Wolke.

Möglichkeiten nutzen und verstehen

Moran erzählt den mehr als 60 Studenten, die aus 26 Staaten, neben zahlreichen Mitgliedsländern der EU auch aus den USA und Neuseeland nach Selm gekommen sind, in weiterer Folge über die Möglichkeiten von Instant Messaging-Chatprogrammen a la ICQ, MSN oder Windows Live Messenger, aber auch Social Networks wie Twitter, Facebook und Myspace und Maildienste wie Gmail. "Ihr müsst diese Möglichkeiten nutzen und sie verstehen. Weil eure Kunden nützen sie auch - um Kinder zu missbrauchen", gab ihnen Moran auf den Weg mit.

Theorie und Praxis

Und genau dieses Zusammenspiel zwischen Theorie und Praxis ist das Konzept des rund eineinhalbwöchigen Kurses in Selm. Vorträge wechseln sich mit Trainings ab, in denen das soeben Gehörte sofort selbst am PC geübt wird. Bei einer Pressekonferenz für deutsche Medien sprach der Cheforganisator des Lehrgangs, Torbjörn Ull, nicht ohne Stolz vom "Rolls Royce" unter den derartigen Kursen. Nach Morans Vortrag sollten die Kursteilnehmer einen fiktiven User in einem Social Network kontaktieren - adden - und dann seine Aktivitäten im Netz überprüfen. Doch die Trends im Internet sind nur einer der Schulungsinhalte. (APA)

Share if you care.