Klaus will britische Parlamentswahlen nicht abwarten

17. Oktober 2009 23:56

"Inkrafttreten bedeutet nicht das 'Ende der Geschichte'" - "Zug nicht mehr zu stoppen"

Prag - Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus will mit seiner Entscheidung hinsichtlich des EU-Reformvertrags nicht bis zu den britischen Parlamentswahlen (Frühjahr 2010, Anm.) warten. Dies bestätigte Klaus in einem Interview mit der tschechischen Tageszeitung "Lidove noviny" (Samstag-Ausgabe).

"Ich kann und werde nicht auf die britischen Wahlen warten. Man müsste sie in den nächsten Tagen oder Wochen abhalten", erklärte der EU-kritische Präsident, dessen Land als einziges EU-Mitglied noch nicht den Lissabon-Vertrag ratifiziert hat, weil die Unterschrift von Klaus fehlt.

"Eigener Weg"

Klaus reagierte auf die Frage hinsichtlich des im Sommer erhaltenen Briefes vom Chef der britischen Konservativen, David Cameron. Dieser hatte geschrieben, sollte Klaus mit seiner Unterschrift unter den EU-Reformvertrag bis zu den britischen Wahlen warten, würden die Konservativen nach ihrem erwarteten Sieg eine Volksabstimmung in Großbritannien zu dem Dokument durchsetzen. "Großbritannien wird offenbar seinen eigenen Weg suchen müssen, wohin und wie weiter. So wie es auch ich mache", betonte Klaus.

Der Präsident wiederholte in dem Interview seine Kritik am EU-Reformvertrag. Er betrachte ihn "nicht als gute Sache für Europa und Tschechische Republik". "Der Zug mit ihm ist aber so schnell losgefahren und ist schon so weit, dass man ihn wohl nicht mehr stoppen oder zurückkehren kann, wie es sich viele wünschten. Ein eventuelles Inkrafttreten (des Vertrages) wird aber nicht das "Ende der Geschichte" bedeuten. Der Streit um die Freiheit und Demokratie in Europa wird bestimmt weiter gehen. Er muss weiter gehen, sonst stünde es sehr schlecht um uns", sagte Klaus weiter.

Der Präsident rechnet sonst nicht damit, dass der tschechische Verfassungsgerichtshof bereits am 27. Oktober (Termin der öffentlichen Anhörung in Brünn, Anm.) eine Entscheidung hinsichtlich des Prüfantrags einer Gruppe von EU-kritischen Senatoren gegen den Lissabon-Vertrag fällen wird. "Ich halte es für nicht wahrscheinlich. Eher gehe ich davon aus, dass es sich um den Tag handeln wird, an dem die Verhandlung über dieses Thema beginnen und nicht enden wird", so Klaus, der seine Entscheidung nicht vor dem Verdikt der Richter fällen will und kann. (APA)

 

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11 Postings
subtextauto
18.10.2009 14:21
Lasst euch Folgendes auf der Zunge zergehen (btw: Juncker ist im Gespräch für den Präsidenten des neuen Suprastaates!)


„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

(Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie - SPIEGEL 52/1999)

soseies
18.10.2009 18:08

die menschen sind ja garnicht in der lage zu begreifen was da geschied...

dennn die konzernmedien haben kien interesse daran aufzuklären oder dürfen kein interesse daran haben..

der eu bürger wird es erst begreifen...wie sie schon scheiben...wenn an seine rechte und freiheiten geht...

und dann ist es schon zu spät....

Kaiser Borax
18.10.2009 19:31

Angst essen Deutschkenntnisse auf.

Walter Bimini
24.10.2009 21:45
der inhalt ist immer wichtiger als die form. nur idioten verstehen das nicht.

Kaiser Borax
24.10.2009 22:30
Im Prinzip richtig.

Die Form sagt aber oft schon einiges über den Inhalt...

Walter Bimini
24.10.2009 23:12
wer so etwas behauptet, versteht die beiden begriffe nicht.

mala educacion
18.10.2009 14:15
Der Tag, an dem der Lissabon-Vertrag in Kraft tritt, wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die Vereinigten Staaten von Europa entstanden sind.


Geschichte schreibt immer der Sieger, kritische Meinungen aus der betreffenden Zeit werden in keinem Lehrbuch erwähnt.

Wir haben in der Schule gelernt, der 2. WK begann mit dem Einmarsch Deutschlands in Österreich - kein Wort davon, dass die Schuldigen damals bereits in unserer Regierung saßen...

Jup posts
19.10.2009 07:30
In welcher Schule waren sie?

Das war schon noch mit dem Polenfeldzug.

soseies
18.10.2009 03:33

(wieder) ein schlechter tag für europa....

Chien de Pique
18.10.2009 03:13

Damit war zwar zu rechnen, aber gut, dass wir das jetzt auch wissen. Dann ist die künstlich geschürte Hysterie nun hoffentlich endlich zu Ende - die war schon vor dem Irland-Referendum kaum mehr auszuhalten, obwohl sich ein klares Ja mit Tendenz Richtung 2/3-Mehrheit seit vielen Monaten abgezeichnet hatte.

Christoph ************
18.10.2009 01:29

Um auf gut Deutsch zu sagen: "Do schaut a End aussa"
Gut zu wissen, dass Havel soweit man das vorhersehen kann recht hatte mit seiner Einschätzung, dass Klaus schlussendlich doch ein rationaler Politiker ist.

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