Präsident Tadic: "Mladic wird nicht geschützt"

17. Oktober 2009, 21:00
31 Postings

Polizeiapparat sei "von oben bis unten" auf seine Ergreifung konzentriert

Hamburg/Belgrad - Der serbische Präsident Boris Radic verwehrt sich gegen Vorwürfe, wonach der wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gesuchte einstige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, vom Sicherheitsapparat seines Landes geschützt werde. "Ich bin sehr unglücklich, wenn Europas Medien solche Gerüchte verbreiten", sagte Tadic in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung "Die Welt" (Samstag-Ausgabe), "unser Polizeiapparat ist von oben bis unten auf die Ergreifung Mladic' konzentriert."

Das werde auch von internationalen Sicherheitsexperten bestätigt, meinte Tadic. "Von 46 Angeklagten des Tribunals hat Serbien bis heute 44 ausgeliefert, einschließlich zweier ehemaliger Präsidenten unseres Staates." Tadic bezog sich damit auf Slobodan Milosevic und Milan Milutinovic. Als Milosevic oder der frühere bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic ausgeliefert wurden, "war das bei uns weitaus brisanter, als es eine Auslieferung Mladic' heute wäre", betonte der serbische Präsident. "Wenn Sie all das in Betracht ziehen - warum sollte jemand ausgerechnet ihn schützen wollen? Wenn Mladic sich in Serbien in die Öffentlichkeit wagen würde, dann wäre er innerhalb von fünf Minuten verhaftet."

Täterrolle abgelehnt

Die Serben seien auf dem Balkan das Volk, das den größten Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung leiste, meinte Tadic. "Leider bin ich der einzige Präsident, der sich für die Verbrechen seines Landes entschuldigt hat. Und ich finde es sehr bedauerlich, dass die anderen Präsidenten es versäumt haben, sich für die Gräuel zu entschuldigen, die an meinem Volk begangen wurden. Eine Täterrolle für Serbien muss ich ablehnen. Das war ein Bürgerkrieg, und daran war jeder beteiligt. Wir alle müssen uns unserer Verantwortung stellen."

Wegen der bisher nicht erfolgten Festnahme von Mladic, der sich angeblich in Serbien aufhält, blockiert das EU-Mitglied Niederlande eine Unterzeichnung der Assoziierungsvertrags zwischen Serbien und der Europäischen Union, der als Vorstufe zu Beitrittsverhandlungen gilt. (APA)

 

Share if you care.