Folgen der kreidezeitlichen Klimakatastrophe unterschätzt

18. Oktober 2009, 17:51
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Wiener Forscher: Rückkehr zu stabilem Klima dauerte sehr lange - was Rückschlüsse auf den derzeitigen Wandel ermöglicht

Wien - Extreme Klimaänderungen während der Kreidezeit gelten unter anderem als Ursache dafür, dass die Dinosaurier in eine kritische Phase gerieten - und just zu diesem Zeitpunkt schlug der Asteroid ein und versetzte ihnen den letzten entscheidenden Schlag. Und diese Klimaänderungen haben die Erde noch offenbar stärker belastet, als man bisher angenommen hat. Zu diesem Schluss kommen Michael Wagreich und Stephanie Neuhuber Department für Geodynamik und Sedimentologie der Universität Wien im Rahmen eines internationalen UNESCO-Projekts. Die Untersuchungen zeigen, dass das Kohlendioxid in der Atmosphäre, das in dieser Epoche die heutigen Konzentrationen bis auf das Sechsfache überstiegen haben dürfte, nur sehr langsam abgebaut wurde.

Die Forscher untersuchten Meeresablagerungen aus der jüngeren Kreidezeit vor 100 bis 65 Millionen Jahren. An unterschiedlichen Standorten wurden dabei Vorkommen von Schwarzschiefer und Rotsedimenten analysiert, die beide als wichtige Klimaindikatoren gelten. Schwarze Tone in Sedimenten weisen auf die Existenz von sauerstoffarmen "Todeszonen" in den Ozeanen hin. Zustande gekommen sind diese durch eine Überdüngung durch Nährstoff, infolge derer die Planktonblüte zunahm und giftige Schwefelwasserstoffe freigesetzt wurden. Das habe zum massiven Aussterben mariner Lebewesen geführt. Rote Ablagerungen zeigen hingegen das gegenteilige Extrem des sauerstoffreichen Bodenwassers an, das Eisen zu Hämatit oxidieren ließ.

Der Vergleich von Sedimenten des Nordatlantiks, der Alpen, der Türkei, Tibets und Neuseelands zeigt, dass Schwarzschiefer und Rotablagerungen global gleichzeitig und mehrmals gebildet wurden. In den Zwischenzeiten gab es statt langer Übergangsphasen abrupte klimagesteuerte Abfolgen von roten zu schwarzen Ablagerungen. "Der Zeitraum bis zur Rückkehr zu einem 'normalen' Klima ist sehr lang, was einen pessimistischen Ausblick für die heutige Klimaentwicklung bedeutet", so die Schlussfolgerung Wagreichs. Scheinbar sei der Abbau des Treibhausgases CO2 um eine Größenordnung langsamer abgelaufen als der Aufbau, weshalb ein von Menschen in kürzester Zeit verursachtes Treibhausklima die Erde auch über erdgeschichtlich lange Zeiträume beherrschen dürfte. (pte/red)

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