Bank of America verliert

16. Oktober 2009, 21:35
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Trotzdem Millionenabschied für scheidenden Chef

Charlotte/New York - Die krisengeplagte Bank of America ist im dritten Quartal überraschend tief in die roten Zahlen gerutscht. Trotzdem soll der scheidende Chef der Bank, Kenneth Lewis, zum Abschied ein Vergütungspaket von bis zu 125 Millionen Dollar erhalten, was für öffentliche Aufregung sorgt.

Das Bankinstitut, das noch im Vorjahr einen Gewinn von 704 Mio. Dollar eingefahren hatte, fuhr im dritten Quartal einen Verlust von mehr als 2,2 Mrd. Dollar (1,5 Mrd. Euro) ein. Damit fiel der Verlust höher aus als von Experten erwartet. Auf das Ergebnis drückten erneut milliardenschwere Belastungen durch faule Kredite. Die Bank of America steht zudem massiv unter Druck, weil sie sich unter anderem bei der spektakulären Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch vor rund einem Jahr verhoben hat. In Rechtsstreits wird ihr zudem vorgeworfen, ihre Aktionäre falsch informiert zu haben.

Konzernchef Kenneth Lewis hat bereits seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt. Er erhält für das laufende Jahr keine Bezahlung. Er werde weder das vorgesehene Gehalt von 1,5 Mio. Dollar noch einen Bonus oder sonstige Zahlungen für 2009 bekommen, sagte ein Sprecher des Konzerns. Nicht betroffen von dem Verzicht ist allerdings das vorher ausgehandelte Abfindungspaket für Lewis, das auf 125 Millionen Dollar geschätzt wird.

Gehalts-Kontrollor

Bei Lewis trat erstmals der von Präsident Barack Obama ernannte Sonderbeauftragte für die Kontrolle von Managergehälter, Kenneth Feinberg, an. Dieser setzte durch, dass Lewis zumindest auf sein heuriges Grundgehalt verzichtet. Auf Gehaltsansprüche aus früheren Jahren hatte Feinberg rechtlich keinen Zugriff: Das Gesetz, das die Obergrenze von Managerbezügen regelt, greift erst seit heuer 2009.

Lewis ist damit der erste hochrangige Banker an der Wall Street, bei dem Obama mit der Begrenzung von Gehältern Ernst macht. Die Bank of America, das zu den größten Instituten der USA zählt, erhielt in der Finanzkrise 45 Milliarden Dollar Regierungshilfe. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2009)

 

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