Der nächste Finanzcrash ist programmiert

16. Oktober 2009, 19:37
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Der Junkie Finanzwirtschaft hat keine Entziehungskur gemacht, sondern einen neuen, noch höher dosierten Schuss gesetzt bekommen - Von Siegfried Menz

Nun erreicht uns also von den Wirtschaftsforschern die frohe Kunde, das Ende der Krise sei nah. Mag sein. Was dabei allerdings gern verdrängt wird: Der nächste Crash ist beinahe unausweichlich.

Was ist geschehen? Eine Krise, die durch versteckte, zu hohe Schulden ausgelöst wurde, konnte bewältigt werden durch: noch höhere Schulden. Der Junkie Finanzwirtschaft hat keine Entziehungskur gemacht, sondern einen neuen, noch höher dosierten Schuss gesetzt bekommen, um wenigstens irgendwie weitermachen zu können. Wohin das führt und wie das endet, ist absehbar.

Jene Banken, die durch horrende Milliardenbeträge an Staats- und damit Steuergeld vor dem Kollaps gerettet wurden, zahlen zwar bereits wieder Management-Boni in perverser Höhe aus, doch gesund sind sie nicht. Um das Finanzsystem nicht krachen zu lassen, wurde den Banken nämlich von den Regierungen erlaubt, schamlos zu tricksen. In ihren Beständen befinden sich massenhaft faule Wertpapiere - tickende Zeitbomben, die wegen laxer Bilanzierungsregeln nicht offengelegt werden müssen. Und die aktuellen Gewinne der Banken resultieren nicht aus herkömmlichen Geschäften wie der Kreditvergabe, sondern aus der Spekulation mit Aktien und Optionen. Es wird gezockt wie eh und je.

Entgegen anderslautenden Absichtserklärungen hat sich an den Risikofaktoren nichts, rein gar nichts Substanzielles geändert seit dem Ausbruch der Finanzkrise. Gänzlich versagt hat die Politik bisher: Die legendären Hedgefonds können riskieren auf Teufel komm raus, Kredite werden bereits wieder in hochkomplexe Finanzprodukte gebündelt, die Rating-Agenturen bleiben unkontrolliert, und die EU-Richtlinie über die Eigenkapitalvorschriften für Banken ist geradezu handzahm.

Unsereinem bleibt angesichts des Versagens der internationalen Politik und der Kaltschnäuzigkeit der Finanzwelt nur eines: vorzusorgen mit soliden Investments und Geschäften, die nicht auf Sand gebaut sind. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.10.2009)

Zur Person

Siegfried Menz ist Generaldirektor der Ottakringer Brauerei AG.

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