Schlichtungsversuch auf dem letzten Weg

16. Oktober 2009, 19:15
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Bürgeranwalt soll Braunauer Bestatter-Streit lösen

Linz - Um die letzte Ruhe ist es in Braunau seit geraumer Zeit ziemlich laut geworden. Konkret tobt seit Jahren ein handfester Streit zwischen zwei örtlichen Bestattern um die Benützung der Aufbahrungshalle. Jetzt geht die kuriose Auseinandersetzung in die nächste Runde: Am 31. Oktober versucht der ORF-Bürgeranwalt die ewige Ruhe im Braunauer Bestattungswesen wieder herzustellen.

Der Fall beschäftigt neben den Anwälten mittlerweile sogar die Landesgesundheitsbehörde: Dietmar Krisai betreibt in vierter Generation ein Bestattungsunternehmen in Braunau und vermietet die firmeneigene Leichenhalle gegen entsprechendes Entgelt. Vor gut drei Jahre zog es dann Mitbewerber Christian Sporer in die Grenzstadt am Inn. Für die erste Auseinandersetzung genügten vier Räder: Krisai verweigerte Sporer, der die Leichenhalle regelmäßig zu mieten gedachte, die Fahrt mit dessen Bestattungswagen aufs Friedhofsgelände. Stattdessen verlangte Krisai eine Überführungsgebühr von 85 Euro und 185 Euro für Kanzleikosten. Diese war Sporer zusammen mit einer Pauschale von 500 Euro für Halle und Begräbnis-Equipment nicht bereit zu zahlen und brachte über seinen Anwalt eine Eingabe bei der Bezirkshauptmannschaft ein. Denn nach dem oberösterreichischen Leichenbestattungsgesetz sei der Betrieb von Leichenhallen durch Private nicht gestattet.

Krisai wurde daraufhin vonseiten der Behörde der Betrieb der Leichenhalle untersagt. Wogegen der Bestatter umgehend Einspruch erhob. Mit diesem hat sich jetzt das Land zu befassen. Für Krisai ist auf jeden Fall klar: "Sporer will mich mit seiner Schmutzkübel-Kampagne vom Markt drängen." Sporer kontert: "Eine reine Schikane. Krisai hält sich einfach nicht an ortsübliche Preise."

Zwischen den Streithanseln in Schwarz steht Pfarrer Stefan Hofer: "Ich leide sehr unter dieser Situation." Dennoch könnte der Gottesmann vielleicht bald die Friedensglocken läuten. Sollte das Land den Einspruch Krisais zurückweisen und der Halle die Schließung drohen, plant Pfarrer Hofer, selbst die Aufbahrungsstätte zu pachten. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 17./18.10.2009)

 

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