Regierung verspricht bessere Vernetzung

16. Oktober 2009, 19:09
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Pro Jahr werden 1,2 Millionen Kinder weltweit versklavt

Wien - 2,7 Millionen Kinder und Erwachsene weltweit, 1,2 Millionen Opfer sind Kinder. Geschätzte 7000 Menschen allein in Wien werden jährlich Opfer von Menschenhändlern. Die Zahlen stammen vom UN-Kinderhilfswerk Unicef und von der internationalen Organisation für Migration (IOM), präsentiert wurden sie am Freitag von Außenminister Michael Spindelegger in der Diplomatischen Akademie. Dort fand, aus Anlass des EU-Tags gegen Menschenhandel am kommenden Sonntag, ein Fachsymposium statt. Der Tenor dort: "Wir müssen uns international besser vernetzen."

Innenministerin Maria Fekter berichtete auf der Pressekonferenz, die Polizei greife regelmäßig Kinder auf, die stehlen, betteln oder sich prostituieren, und die "wir daher in erster Linie als Täter definieren, aber als Opfer sehen müssen" (Fekter). Ein Problem sei, dass viele vor allem aus Südosteuropa stammende Kinder bei ihrer Geburt "nur lückenhaft registriert" würden. Es sei schwierig, ihre rechtmäßigen Eltern zu finden. Die Innenministerin spielte auch auf den jüngsten Aufgriff von 64 in Kühltransportern geschleppten Kurden an. Trotz Asylantrags tauchten 58 Opfer binnen weniger Stunden unter: "Die Schlepper bringen die Opfer unverzüglich an den Zielort, damit sie dort Sklavenarbeit verrichten."

Dass es 2008 nur sechs Verurteilungen nach dem "Menschenhandels-Paragrafen" gegeben hat, führt Justizministerin Claudia Bandion-Ortner auf "unbereinigte Datenerfassung" zurück. Sie kündigte aber auch "mehr Sensibilisierung" der Richter und Staatsanwälte für diesen Tatbestand an.

Familienstaatssekretärin Christine Marek appellierte, auch in Sachen Sextourismus "Augen und Ohren offenzuhalten". Auch Kinderbuchautor und Unicef-Botschafter Thomas Brezina forderte "Zivilcourage" ein: Wer sich etwa brüste, Sex mit Kindern gehabt zu haben, sei "ein Verbrecher" und müsse von seiner Umgebung auch so behandelt werden.

Wer freilich ein Kind beim Betteln "erwischt", darf es nicht kurzerhand auf die nächste Wache zerren: Damit macht man sich strafbar. Fekters Rat: "Ein Anruf bei der Polizei." (stui, DER STANDARD Printausgabe, 17./18.10.2009)

 

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