Wir werden es erleben

16. Oktober 2009, 18:56
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Das Bergbaumuseum in Klagenfurt, Sonderausstellung "Jörg Haider"

(Die Räume voll mit BZÖ-Funktionären, Schulkindern, Pädagogen, Beachvolleyballspielern, Gesangsvereinen, Volk. Man hört Schluchzen, gequältes Aufschreien, aber auch freudiges Rufen: Super! Flocke! Wahnsinn! Geil! Dazwischen, vor einer Wand mit vergilbten Fotografien, ein Wiedergänger in SS-Uniform und ein Untoter in Tracht. Sie lesen die Bildunterschriften.)

DER WIEDERGÄNGER: - lebte die Familie Haider in bitterer Armut. Nationalsozialisten wie Millionen andere, wurden sie nach 1945 von den Systemparteien ÖVP und SPÖ verleugnet, verfolgt und gedemütigt. (Seufzt.) Jaja ...

DER UNTOTE: Jaja ... (Seufzt.)

(Sie gehen weiter.)

DER UNTOTE (bleibt vor einem Foto stehen und liest): Jörg Haiders Vater, Robert Haider, versuchte 1933, sich gegen den Faschismus in Österreich zu wehren, was letztlich bei ihm mit der Flucht aus der Heimat endete. (Seufzt.) Jaja ...

DER WIEDERGÄNGER: Jaja ... (Seufzt.)

(Sie gehen weiter, betrachten schweigend die anderen Bilder und Objekte, bis:)

DER WIEDERGÄNGER: Nicht schlecht, aber im Kern leider genauso feig wie alle anderen.

DER UNTOTE (wiegt den Kopf): Immerhin wird klargestellt, dass wir die Ersten waren, die gegen den Faschismus gekämpft haben, das finde ich einen Fortschritt.

DER WIEDERGÄNGER: Schon. Aber dass wir als Einzige das Problem der Überbevölkerung ernsthaft angepackt haben, wird weiter totgeschwiegen.

DER UNTOTE: Irgendwann werden sie auch das würdigen.

DER WIEDERGÄNGER: Bist du sicher?

DER UNTOTE: Wir werden es erleben.

(Vorhang)

(Antonio Fian, DER STANDARD/Printausgabe, 17./18.10.2009)

Material:
"Haider als Lichtgestalt in der Kärntner Unterwelt" , DER STANDARD, 10. 10. 2009

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