Forscher pflanzen Fliegen schlechte Erinnerungen ein

16. Oktober 2009, 18:32
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Komplizierter Trick gelang mittels Laserblitz auf einen Schaltkreis aus zwölf Hirnzellen

London - Erinnern Sie sich noch an "Total Recall"? Das ist jener Film, in dem Arnold Schwarzenegger sich Erinnerungen an eine selbst nie durchgeführte Reise zum Mars einpflanzen lassen will. Was 1990 reine Science-Fiction war, ist nun im Labor von Gero Miesenböck bei Taufliegen zumindest teilweise Wirklichkeit geworden.

Ein Forscherteam um den aus Österreich gebürtigen Molekularbiologen an der Universität Oxford hat Taufliegen tatsächlich Erfahrungen ins Hirn gepflanzt, die sie selbst nicht gemacht haben. Vereinfacht dargestellt gelang der komplizierte Trick mittels Laserblitz auf einen Schaltkreis aus zwölf Hirnzellen, der für das Geruchsgedächtnis zuständig ist.

Dieses Dutzend Hirnzellen hatten die Forscher vor den "Blitzen" durch Experimente identifiziert. Als Reaktion auf den Lichtschock gaben die für Geruchserinnerung verantwortlichen Nerven den Botenstoff Dopamin ab, den das Fliegenhirn als Signal für Abneigung interpretiert, wie die Forscher im Fachblatt "Cell" (Bd. 139, S. 405) schreiben.

Miesenböck geht davon aus, dass Gedächtnisbildung im Prinzip auch in komplexeren Hirnen als jenen von Fliegen ganz ähnlich funktioniert: "Selten erfindet die Evolution den gleichen Prozess mehrfach." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 17./18. 10. 2009)

  • "Total Recall" für das Fliegenhirn: Mittels Laser werden Erinnerungen "eingebaut".
    foto: miesenböck

    "Total Recall" für das Fliegenhirn: Mittels Laser werden Erinnerungen "eingebaut".

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