Barroso in Wien

"Ein Bekenntnis zum Haus Europa"

16. Oktober 2009, 17:40
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    EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach, toute l'Autriche lauschte - beinahe, denn Bundeskanzler Werner Faymann hatte Besseres zu tun und sorgte für Kopfschütteln. Foto: Cremer

    Nehm ma doch den Willi: ÖVP-Chef Pröll spitzt auf das mächtige Agrarressort für seinen Vorgänger Molterer. Foto: Cremer

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    Nehm ma doch den Willi: ÖVP-Chef Pröll spitzt auf das mächtige Agrarressort für seinen Vorgänger Molterer. Foto: Cremer

Alles, was in Österreich Rang und Namen hat, kam zur Eröffnung des Europa-Hauses durch José M. Barroso und Jerzy Buzek, die Präsidenten von Kommission und EU-Parlament - Nur einer fehlte: Kanzler Werner Faymann

Wien - Manchmal bekommen protokollarische Stehsätze, die normalerweise eher nebensächlich sind, unfreiwillig große Bedeutung: "Ich begrüße die Bundesregierung, an der Spitze Herrn Vizekanzler Diplomingenieur Josef Pröll" , sagte Freitagmittag der Vertreter der EU-Kommission in Wien, Richard Kühnel. Einige Zuhörer hoben die Augenbrauen bei diesem Satz.

Im Duett mit seinem Kollegen vom Europäischen Parlament, Wolfgang Hiller, hatte Kühnel eine lange Reihe von Ehrengästen vorzustellen, wie man sie in dieser Geschlossenheit selten sieht. Bundespräsident, wichtige Minister, die Präsidenten aller Sozialpartner, ehemalige Notenbankchefs, der Wiener Bürgermeister, der Gewerkschaftschef, die Industriespitze ebenso wie der Wirtschaftskammerpräsident, viele EU-Abgeordnete. Toute l'Autriche, so schien es, kam zur Eröffnung des neuen Europa-Hauses an der Ringstraße, was sich im Verlauf als eine grundsätzliche europapolitische Demonstration der Republik herausschälte. Am Ende aber beschäftigte die Gäste beim Umtunk vor allem eine Frage: Wo ist der Bundeskanzler? Wie kann er bei solch einem wichtigen Termin für die Europapolitik fehlen?

Alt-Kanzler Franz Vranitzky schüttelte den Kopf, Abgeordnete der SP zeigten sich erstaunt. Immerhin waren aus Brüssel die höchsten Repräsentanten der Union, EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek und Kommissionspräsident José Manuel Barroso, extra angereist. Denn das neue Haus mit einer feinen Glas-Stahl-Konstruktion, erklärte Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, sei nicht irgendeines: Es sei das erste dieser Art, wie sie die Union in allen Hauptstädten plane - "ein Ort der Durchsichtigkeit, der Transparenz" , ein Haus, das den Bürgern offenstehen solle. Ein Haus, in dem "die Union sichtbar wird, mehr als je zuvor" .

Im Kanzleramt wies man die kursierenden Gerüchte zurück, wonach Faymann nicht gekommen sei, weil die Krone dies für unerwünscht halte und das Europa-Haus kritisieren werde. Faymanns Auftritt sei nie geplant gewesen. Er habe andere Termine, der Präsident vertrete die Republik.

So lag es an Heinz Fischer, eine Art europapolitische Grundsatzrede zu halten, die umso eindringlicher wirkte, eben weil der Kanzler fehlte. Der Kontrast war deutlich: "Ich fühle mich geehrt, dass ich hier sein kann" , hob das Staatsoberhaupt in Anspielung auf die Gäste aus Brüssel an. Er sei "beeindruckt, dass sie durch ihre Teilnahme ein Bekenntnis ablegen zur Fertigstellung dieses Hauses" . Das Haus Europa, die gemeinsamen Ziele, die es zu erreichen gelte - dieses Bild zog sich durch fast alle Reden. Und Fischer dann wörtlich: "Ich freue mich über die Anwesenheit der Bundesregierung."

Schwieriger Prozess

Das Projekt Europa sei "ein schwieriger Prozess, weil viele mitsprechen" , sagte Fischer. Aber er sei überzeugt davon, am Ende werde es "in einzelnen Etappen in Europa zu einem guten Ende kommen" . Zur derzeit kritischen Lage beim Abschluss des Ratifizierungsprozesses des EU-Vertrages von Lissabon betonte er, dass Polen "mit seiner Unterschrift den Respekt davor ausgedrückt hat, dass alle Parlamente und Regierungen bereits zugestimmt haben. In Anspielung auf Tschechiens Präsidenten Václav Klaus hofft er, "dass das alles mitberücksichtigt wird bei den weiteren Entscheidungen" . Europa auf Basis des Lissabon-Vertrages "wird sich leichter tun", meinte der Bundespräsident. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.10.2009)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
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Heiner Müller
10
17.10.2009, 11:14
Ein österreichischer Bundeskanzler

hat wichtigeres zu tun, als Häuser zu eröffnen. Für Repräsentationsaufgaben ist in Österreich der Bundespräsident zuständig, der Bundeskanzler ist für die Arbeit zuständig.

skip it
00
23.10.2009, 14:50
"wichtigeres" zu tun?...

...den onkel hans unterm guertel abzubusseln?

schlitzohrlinski
00
17.10.2009, 14:28
Die Arbeit des BK ist es für die Interessen AUTs zu arbeiten

z.B. bei der EU. Ja, dort wäre es besonders wichtig.

Aber Faymann hat etwas Wichtigeres zu tun!

Ja was eigentlich?

Ihr Posting war ja ironisch gemeint, oder?

Nur wo war dann der Smiley?

votec
01
17.10.2009, 13:01
abgesehen davon:

es ist eine ausgewachsene sauerei, dass er nicht dabei war.

WIE WICHTIG WAR SEIN ALTERNATIV-TERMIN ?!?!?!!?

und alles nur deshalb, weil sich die beiden regierungspartner nicht mehr riechen können - von professionalismus KEINE spur !!!

votec
00
17.10.2009, 12:57
sehr schön nachgeplappert ...

hast du auch eine eigene meinung, oder nur die des allmächtigen vorsitzenden?

DER-STANDARD-JURIST
00
17.10.2009, 11:56
so ein unsinn

der bundeskanzler nimmt eine vielzahl diplomatischer und repräsentativer aufgaben wahr.

er steht an der spitze der bundesregierung.

es ist ein armutszeugnis der spö, dass diese die union so geringschätzt.

K.H.Leh.
00
17.10.2009, 10:36
meine Meinung

Herr faymann ist mir durchaus symphatisch aber leider ist er als BK. absolut überfordert.Leider !!!

lausa niki
00
17.10.2009, 09:25
der herr bk war terminlich verhindert.

wo war er denn wirklich? weiß das irgendwer?

würde mich wirlich interessieren was so wichtig war, dass es nicht zu verschieben war.

also dann ...
00
17.10.2009, 04:02
ich habe eine fromme bitte :

kann faymann...
gleich der regierung fernbleiben und in die hackler-pensi...rüberwechseln - danke.

Ava Tar
00
17.10.2009, 00:41
Gibt's eine Adresse zu dem tollen Haus ? das wir ja alle bsuchen sollen ? um uns überzeugen zu lassen ?

oder konzentriert sich der Artikel auf Faymann besudern ?

Ist Kurt Flecker der Inspektor von der Soko Donau ?
00
16.10.2009, 23:56
irgendwie check ich den typen nicht mehr... !

was steckt dahinter ?

ist er wirklich so dichand-hörig ?

im besten falle hat er einen pascher...

eine schande für die sozialdemokratie.

ablöse so rasch als möglich, dieser politiker ist keine Hilfe für die SD in Österreich !

Man muss sich nun die faymann-verteidiger genau ansehen, ob sie nicht övp'ler, oder fpö'ler sind.

in der zib2 hat er sich auch noch für die ferrero waldner ausgesprochen... !

entweder faymann fährt einen masterplan, den ich absolut nicht verstehe, oder er hat ernstzunehmende Probleme.

wie auch immer, als SD-Chef sollte er baldigst abgelöst werden, am besten lange vor der nächsten wahl.

capcom
00
17.10.2009, 12:07

keine sorge. es genügt vollkommen, kurz vor der nächsten nr-wahl einen neuen sp-chef hervorzuzaubern. die nächste vorwahlnacht ist ohnehin vorprogrammiert, wenn es 2013 zu einem auslaufen der hacklerregelung kommt. der erste platz (bei noch niedriegerem niveau) wird sich dann locker ausgehen.

PMM
03
16.10.2009, 23:02

Kann Werner Faymann das Wegbleiben bitte wegen grossen Erfolges prolongieren?

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
00
16.10.2009, 22:23

Eure BK-Kritik in Ehren, nur spricht niemand über Barroso. Der Bursche ist nämlich nicht ganz unschuldig, dass das Beste an der EU die Idee dahinter ist.
Der faymann hat da weniger schuld dran.

Ist Kurt Flecker der Inspektor von der Soko Donau ?
00
17.10.2009, 00:07
der faymann hat ja an überhaupt nix schuld...

der typ erdreistet sich sogar die ferrero waldner als kanditatin für die eu vorzuschlagen und ihr ein gutes zeugnis auszustellen... !

war das dichands wunsch ?

ich mag ja alleine mit meiner ansicht sein, aber ich denke faymann muss so rasch wie möglich abgelöst werden.
eigentlich ein wahnsinn, dass man in der spö (bis auf kurt flecker) so geschlossen hinter ihm steht !

ein kadavergehorsam, der die spö zu einem ähnlichen schicksal wie die spd es hat, führen kann.

aber was solls, ich kanns ja eh ned ändern und auf mich kleinen poster hört die spö ja sowieso nicht.
Wahrscheinlich gibts auch ein paar rote stricherl vom faymann-fanclub...

"zu ändern gibt es nichts! "...

Der Cygeuner
03
16.10.2009, 23:59
Ich darf widersprechen ...

... auch mir ist Barroso nicht sympathisch.

Aber der Beste an der EU ist, dass Sie FUNKTIONIERT. Bei jedem Grenzübertritt ohne kilometerlange Staus, bei jedem Jahr ohne Krieg in Europa, bei länderübergreifender Kooperation wie Airbus.

Natürlich könnte alles viel besser sein. Natürlich könnte es charismatischer Politiker und mehr direkte Demokratie geben. Aber aus der Perspektive von 1918 oder 1945 ist der aktuelle Zustand Europas ein Wunder.

Christoph ************
02
16.10.2009, 23:13

Ihre Barroso Kritik in Ehren, aber wenn die Spitze der EU da sich nach Wien bewegt und es zusammenbringt neben dem Tagesgeschäft dieses Haus zu eröffnen, dann wäre das mindeste dass unser Herr Bundeskanzler dem gleich tut.

Die Ferne EU bekritteln aber dann wenn diese "ferne EU" auf Besuch ist ihr die kalte Schulter zu zeigen ist halt auch keine Basis für erfolgreiche Europapolitik.

Donauwelle
00
16.10.2009, 22:12
er ...


wird bald ganz fernbleiben, von jeder politschen Veranstaltung

aber ob das schlecht ist, lassen wir dahingestellt

h h h
00
16.10.2009, 21:51

haha, faymann ist ein wahnsinn...

Schwalbe
20
16.10.2009, 21:12

europa wird konservativ regiert. dass die europa-bühne in österreich heute den konservativen überlassen wird, könnte einfach verdeutlichen, wer zu wem gehört. insofern ist es nicht blöd, dem bundespräsidenten (seit gestern ausser konkurrenz) mal das repräsentieren zu überlassen. wahrscheinlich kann er das sogar wesentlich besser als der kanzler.

schlitzohrlinski
08
16.10.2009, 21:24
Also um das geht es wohl überhaupt nicht,

egal ob jetzt die EU konservativ ist oder sozialistisch wäre, ist es wohl keine Frage, dass wenn man die Idee Europa Ernst nehme, sich bei der off. Eröffnung der EU-Repräsentanz als BK und somit Chef der Bundesregierung blicken zu lassen.

Das ist eine Selbstverständlichkeit!

Und das nächste Mal, wenn wir in der EU als AUT bei Verhandlungen wieder einmal nicht wahrgenommmen werden, erinnern wir uns hoffentlich an diese peinliche Aktion von Faymann!

Einfach eines BKs unwürdig und gegen die Interessen Österreichs gewandt.

Aber wahrscheinlich versteht Faymann dies unter "Schärfung des SPÖ-Profils".

Soll heißen: Wieder an die Krone anlehnen und mehr Populismus!

Na dann: Gute Nacht!

Christoph ************
00
16.10.2009, 22:11

Denke ich mir auch und dann regen sich wieder Leute auf, dass die EU Österreich ignoriert. Dabei sieht man beim Chef unserer Regierung wohl ziemlich klar wo die Prioritäten hängen.

Der Cygeuner
01
17.10.2009, 00:01
Ja ...

... wenn nur die EU Österreich regieren würde! Bei ein paar Ländern wie Österreich oder Italien wären EU-Technokraten ein klarer Fortschritt im Vergleich zu den "demokratisch" gewählten Regierungen. ;-)

schlitzohrlinski
00
17.10.2009, 03:52
Leider ja!

Christoph ************
03
16.10.2009, 20:27

Also was Faymann da jetzt betreibt ist ja schon fast absichtliche Selbstbeschädigung. Weil ihn da angeblich der Dichand zurückpfeift nicht zu erscheinen wenn "toute l'Autriche" dort anwesend ist und zum drüber streuen auch noch der Präsident des EPs und der Kommissionspräsident. Dem Herrn Pröll jr. dürfte die Abwesenheit Faymanns ja zutiefst gefreut haben.

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