Ein Abstecher nach Hong Kong

Maria Kapeller, 20. Oktober 2009, 16:31
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    Andrea Eder blättert im Besprechungszimmer ihrer Firma in Wien-Neubau in einem der Geschäftsberichte, für die sie unter anderem verantwortlich ist.

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    Ein Semester lang studierte die 30-Jährige in Hong Kong und hatte so die Gelegenheit, in eine völlig andere Kultur einzutauchen.

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    Andrea Eder über Hong Kong: "Es ist eine sehr lebendige Stadt, um zwei Uhr nachts hat noch alles geöffnet."

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    Die Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte der börsenotierten Unternehmen werden je nach Wunsch verschieden gestaltet. "Manche Kunden möchten einen lockeren, magazinmäßigen Bericht, andere einen formelleren."

Im Studium Internationale Betriebswirtschaft (IBW) stehen Interkulturelle Kompetenz und Sprachen im Vordergrund - ein Auslandssemester ist verpflichtend

Hamburg, Manchester, Hong Kong - Andrea Eder, Absolventin des Studiums "Internationale Betriebswirtschaft" (IBW), ist weit herumgekommen, sowohl beruflich als auch während ihrer Studienzeit. Ihr Werdegang hebt sich außerdem von der Masse ab, weil die 30-Jährige den typischen Bildungsweg vieler StudentInnen in umgekehrter Richtung beschritten hat. Das heißt: Nach der Matura zuerst gearbeitet, erst später - mit 24 - zu studieren begonnen. "Ich glaube es ist schwieriger einen Job zu bekommen, wenn man nach der Matura sofort an die Uni geht und bis zum Ende des Studiums sozusagen nie ein Unternehmen von innen sieht", sagt die gebürtige Niederösterreicherin. "Es ist wichtig, zumindest nebenher zu arbeiten, Einblicke zu bekommen und dabei zu merken, was man eigentlich will."

Auslandserfahrung

Was das genau war, wusste Eder selbst auch nicht immer, vieles habe sich "eher zufällig ergeben". Nach der HAK-Matura bekam sie eine "relativ gute Position" im Produktmanagement. Irgendwie wollte sie aber "schon immer mal ins Ausland". Genau dort führte sie eine Stellenanzeige auch ein paar Jahre später hin: Eder siedelte ins britische Manchester um. Nach zwei Jahren im Kundendienst mit unzähligen geschäftlichen Abstechern nach Hamburg kam sie nach Wien zurück und stand ohne Job da. "Ich musste mich neu orientieren und wollte eigentlich schon immer studieren - warum also nicht?", erzählt sie heute.

Klar war, dass es etwas wirtschaftliches sein sollte. Die "Horrorgeschichten" von der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien als Massen-Uni schreckten sie zuerst ab. "Dann habe ich aber jemanden kennen gelernt, der am Studienplan für das damals neue Studium IBW mitgearbeitet und mir alles genau erklärt hat", erzählt Eder. Sie studierte in Mindestzeit, finanzierte sich das gesamte Studium selbst. "Ich habe zwar nicht immer genau die Plätze bekommen, die ich gerne gehabt hätte, aber insgesamt hat es organisatorisch gut funktioniert", sagt sie im Nachhinein.

Großes Sprachenangebot

Für das Studium hat sie sich vor allem wegen des internationalen Schwerpunktes und der angebotenen Sprachen entschieden - sie wählte Englisch und Russisch. Außerdem, weil bei IBW ein Auslandssemester verpflichtend ist - welches sie in die chinesische Sonderverwaltungszone und Sieben-Millionen-Metropole Hong Kong führte. "Es ist eine sehr lebendige Stadt, um zwei Uhr nachts hat noch alles geöffnet", erzählt Eder. "Ich habe einem alten Verkäufer am Fischmarkt gesagt, dass ich das toll finde. Aber er meinte, für ihn sei das furchtbar."

Eine Zeit lang im Ausland zu verbringen, helfe vor allem, weltoffener und toleranter zu werden - was man später auch im Beruf brauchen könne. "Und man lernt die kulturellen Unterschiede kennen. Bei den Gruppentreffen in Hong Kong sind die chinesischen Studenten oft viel später gekommen als ausgemacht war. In den Lehrveranstaltungen wird nicht wie bei uns diskutiert,  wenn eine Prüfung ansteht lernen die Leute dafür Tag und Nacht", erzählt Eder.

Kurze Jobsuche

Die Jobaussichten für WU-AbsolventInnen sind gut: Rund 94 Prozent aller AbsolventInnen finden innerhalb von drei Monaten nach Studienende eine Anstellung. Dass rund die Hälfte aller WU-AbsolventInnen ein Auslandssemester oder -praktika absolviert hätte, würden die Firmen sehr schätzen, erklärt Ursula Axmann, Geschäftsführerin des WU-Career Centers "Zentrum für Berufsplanung". "Zu uns kommen gezielt auch internationale Konzerne und rekrutieren AbsolventInnen für internationale Jobs oder Trainee-Programme", sagt Axmann.

Für Eder war die Phase der Jobsuche sogar überdurchschnittlich kurz: Das "Zentrum für Berufsplanung" hatte einen Job im Bereich Finanzmarktkommunikation ausgeschrieben, als Eder gerade für ihre letzte große Prüfung lernte. Sie bewarb sich und hatte Glück. Seit rund zwei Jahren arbeitet die 30-Jährige bei der Wiener Unternehmensberatung Mensalia.

Als Redakteurin ist sie dort für die Erstellung von Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten von börsenotierten Gesellschaften wie Wienerberger oder der Telekom zuständig. "Am Jahresende geht es um die transparente Kommunikation über das abgelaufene Geschäftsjahr", erklärt Eder. Einerseits sei sei dabei für die inhaltliche Beratung der Kunden verantwortlich, andererseits je nach Kundenwunsch auch für die redaktionelle Umsetzung. Außerdem gehe es um das Gesamtkonzept, also auch um Grafik und Layout und die Zusammenarbeit mit Designern.

Abwechslungsreich und stressig

"Der Geschäftsbericht ist die wichtigste Publikation in der Unternehmenskommunikation", erklärt Eder. Der betriebswirtschaftliche Hintergrund sei sehr hilfreich für ihre Arbeit, "weil man die Zahlen über die man schreibt verstehen muss, man sollte Bilanzen lesen können und diese verständlich beschreiben." Großer Pluspunkt: "Mein Job ist sehr abwechslungsreich." Besonders im ersten Jahresquartal sei es aber sehr stressig. "Wenn Ausliefertermine anstehen, gehen viele Abende und Wochenenden drauf. Dafür bin ich aber flexibler wenn es ruhiger ist und kann mir zum Beispiel im Juni spontan freinehmen." Den klassischen Nine-to-Five-Job gebe es ohnehin nicht mehr. "Wenn man als Uni-AbsolventIn einen guten Job möchte, muss man auch bereit sein, etwas dafür zu tun." (mak, derStandard.at, 20.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
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Mucosaprolaps
22
21.10.2009, 16:38

Eine empathiefreie, rücksichtslose Manchester-Liberale, die um 2 Uhr Früh einem Marktstandler ins Gesicht sagt, wie geil es ist, dass er 18 Stunden am Stück hackelt? Die (vermutlich wie üblich ohne jegliches Überstundenentgelt) viele Wochenenden versaut, und dafür angeblich "spontan einen Tag frei nehmen" darf? Sowas redet man meiner Erfahrung nach Mitarbeitern dann ein, wenn man sie loswerden will: Erst drangsaliert man sie bis zum Burnout, dann feuert man sie, Urlaub zahlt dann das AA.

eva lindt
 
00
22.10.2009, 00:20
ja mei,

sie war eine studentin und hat halt gerade was kapiert. manche kapierens nie.
und wieso bitte darf die frau ihr leben nicht leben, wie sie will? simma jetzt alle gesetzlich zur sozialistischen gesinnung verpflichtet?
die neidige postinglawine ist so typisch österreichisch: eine hat was geschafft, ist zufrieden mit ihrem leben - gleich kommen 30 daher und hauen ihr ein hackel ins kreuz.

Harri Hirsch
10
21.10.2009, 16:38
Na prack

"In den Lehrveranstaltungen wird nicht wie bei uns diskutiert"

Genau - ned bled diskutieren, sondern reproduzieren! Wenn möglich bitte ohne nachdenken - zB über die Frage, warum das für den Fischverkäufer nicht so toll is wenn er um zwei in der Früh noch hackeln muss. Vor meinem geistigen Auge seh ich sie vor mir, wie sie kurz stutzt: "Versteh ich nicht, is doch praktisch!?"

Bei solchen Aussagen wird mir immer klarer was auf der Welt schief rennt. Erinnert mich an Mirko Kovats in Let's make Money: "Hier in Indien müssen die Leute noch jeden Job annehmen um zu überleben. Die können sich das nicht aussuchen. Und bei uns studieren die Leute Soziologie! Natürlich wird sich Europa an Indien anpassen müssen"
Gute Nacht, Welt!

der bunte faschist
00
21.10.2009, 15:59

auf der franklinskala ist diese dame wohl auf platz 2 vorzufinden ... schade, wieder einen verloren.

SOKO "Most": Taubenabwehr u.Tierschützerbekämpfung
00
21.10.2009, 15:11
Ein Mensch besitzt an sich sehr viel Schaffenskraft und Kreativität.


Die Tragik, wenn ein Mensch sich als Rädchen des Kommerzgetriebes verschleißt, wird kaum wahrgenommen.

Entfesselter Prometheus
11
21.10.2009, 14:46
Netter Bericht, teilweise sogar relevant

Ändert aber nichts daran, daß die Absolventen von Wirtschaftsunis vom eigentlichen Thema, Wirtschaft, keine Ahnung haben. Obwohl einige den neoklassischen Katechismus sogar ganz gut nachbeten können. Gute Buchhalter, sicher, aber auch nicht mehr. Schade eigentlich.

Phryx Sodalis
00
26.10.2009, 05:56

Und das trifft nicht auf so ziemlich alle Studien zu?
Ein Lehramtsabsolvent ist sofort ein guter Lehrer, ein fertiger Mediziner sofort ein guter Arzt?

freeye
00
21.10.2009, 14:55
bs

obwohl ich die wu auch nicht mag.

valorennummer
31
21.10.2009, 12:54
die gute dame hat vielleicht einen tollen job

aber richtig gelebt hat sie scheibar noch nie

holy genstadt
01
21.10.2009, 18:10
woher nehmen Sie diese vermutung?

nur weil nicht jeder in "good old austria" hängenbliebt und noch nie bis über seinen gartenzaun gekommen ist?

wie leben sie denn?
zwischen pizzaresten in ihrer wg?

dísa
12
21.10.2009, 13:52
Wer sagt das?

Zwischen Ihren Zeilen ist der Neid zu lesen. Wieso soll sie noch nie gelebt haben? Wie definieren sie "richtig leben"?
Ich denke, gerade wer wie Frau Eder vor dem Studium arbeitet, ein abwechslungsreiches Leben hat und einige Male im Ausland lebt "lebt richtig". Allein die Tatsache des dadurch grossen Bekanntenkreises spricht für sich.

Grantscherben
19
21.10.2009, 12:43
Die Matrix

Bei meinem ersten Unternehmen hatten wir so ein aufgebrezeltes IBWL-Pupperl, zuständig für den PR und Kommunikations Kram.
Die leben in einer Matrix. Einer Art synthetisch hergestellten, pipifeinen und klinisch reinen Umgebung wo es keine wirkliche Arbeit sondern nur Anzugträger, futuristische Büros, Boni, schicki-micki Meetings, gut klingende Titel und Hochglanzpapierln gibt.
Naja wenigstens die Hochglanzpapierln liessen sich für das Fussvolk wunderbar als Getränkeuntersatz verwenden.

schimmelschummel
00
28.10.2009, 17:07
nicht blöd, die frau kollegin

treffend beschrieben. das war vielleicht auch der berufswunsch dieser dame. offensichtlich paßt sie vom habitus her in diese position in diesem unternehmen. für diese dame hat sich ihr studium gelohnt. sie scheint zu wissen, daß leistung sich nicht lohnt - und hat ihnen damit einiges voraus.
ob sie glücklich ist, das ist eine andere frage.

dísa
42
21.10.2009, 13:54
Die armen kleinen Angestellten...

Sie standen bei diesem ersten Unternehmen wahrscheinlich hauptsächlich beim Kopierer und sind vor Neid grün geworden.

freeye
00
21.10.2009, 14:56
jep und die grünen striche

zeigen die einstellung der standard-leserschaft

Juergen Hoffmann
 
01
23.10.2009, 12:38

ja, die steht eben mehrheitlich auf "wirkliche Arbeit". Dreck im Gesicht, Geruch in der Kleidung, das Gesicht voller Schweiß. Darum erwägt die Geschäftsleitung auch einen neuen Medienamen: derArbeiterStandard.at

fokyoo
03
21.10.2009, 12:29
"Ich habe einem alten Verkäufer am Fischmarkt gesagt, dass ich das toll finde. Aber er meinte, für ihn sei das furchtbar."

lmao

weltoffenheit und toleranz ftw !

Mag Filip
33
21.10.2009, 11:03
Ein Semester in Asien

ist ein klein wenig dürftig....
Die hat nix begriffen - sorry!

h 90
00
21.10.2009, 11:37

Ich wollte gerade zustimmen.
Aber andererseits 1 Semester in HKK ist besser als kein Semester.

dr.ban cok
02
21.10.2009, 05:18

hm, unter diesen studien der zukunft reihen sich schon einigermaßen kuriose beiträge ein. ausser frage steht, dass die junge dame eine durchaus interessante karriere vorzuweisen hat. ebenso offensichtlich ist allerdings die tatsache, dass IBW und ähnliche strömungen grob von planlosen studenten überlaufen sind.
besonders klug ist es nicht, gerade solche studien als zukunftsträchtig darzustellen. vmtl. 80% der zukunftsträchtigen studien liegen im technischen bereich. IBW ist notwendig um akademiker in positionen zu bringen, für die ein universitätsabsolvent berqualifiziert ist.

zukunftsträchtig
mikrobiologie, mathematik, finanzmathematik, technische phyisk, biophysik, mechatronik, maschinenbau, elektrotechnik, materialwissenschaft...etc....

dsgf dfgdfgh
00
24.10.2009, 22:53
sie definieren hier studien

wo jetzt schon eine sehr hohe arbeitslosigkeit vorherrscht...sie haben keine ahnung.

dr.ban cok
00
25.10.2009, 02:37

quelle

Management Quatscher
37
21.10.2009, 00:40

Ganz schön gruseliges Erlebnis, das mit dem Fischhändler. Aber irgendwie hat es auch den Horizont erweitert - naja eigentlich nicht wirklich - aber im Lebenslauf kommt es gut rüber und man einen auf global, flexibel und weltoffen machen.

Aber jetzt schnell zurück in die hippe Unternehmensberatung und am Nachhaltigkeitsbericht gefeilt. Immerhin drückt so eine bunte Hochglanzbroschüre die soziale Verantwortung der Unternehmen aus. Irgendwie halt. Schon auch. Na ein bissl zumindest.

Die schröckliche Vermutung, dass man die Unternehmensberater nicht wirklich benötigt, hat sich auf grausame Art bestätigt.

Porqué no te callas?
81
21.10.2009, 11:32

wasm wirklich nicht benötigt wird sind subjekte wie du. ganz ungruselig :)

Superschurke
00
21.10.2009, 14:01
stimmt...

...denn was er sagt, wissen wir eh alle schon.

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