"Historische Bierwanderung" lädt zur Führung durch die jahrhundertealte Brautradition in Salzburg
Salzburg - Salzburg hat in seiner 635-jährigen Brautradition viel
Genussreiches und Sehenswertes bis in die Gegenwart erhalten und
weiterentwickelt. Auf einer "historischen Bierwanderung" erfährt man, dass die
Mozartstadt vor dem Ersten Weltkrieg die Stadt mit den meisten Biergärten in
Österreich war, im 17. Jahrhundert rund 100 Privatbrauereien im ganzen Land
unter dem "Bierzwang" der Erzbischöfe litten und der berühmte Salzburger Arzt
"Paracelsus" zu dem Schluss kam: "Bier ist eine wahrhaft göttliche Medizin".
Das einzige Kühlschiff, das österreichweit noch in Betrieb ist, befindet sich
im 1621 gegründeten Augustinerbräu. "Kühlschiffbiere sind kerniger im Geschmack,
es riecht nach Salzburger Luft. Damit man weiß, wo das Bier her ist", lacht
Braumeister Johannes Georg Höpflinger. Schon als Museumsstück gilt der
Baumwollmassefilter, "die schonendste Art, das reine Naturprodukt zu
filtrieren". In der Brauerei, die heuer auf rund 10.000 Hektoliter Ausstoß
kommen wird, ist auch die letzte Picherei Österreichs angesiedelt. Hier werden
die täglich verwendeten Holzfässer mit Pech ausgekleidet, was dem Bier eine
eigene Note verschafft.
Volksgetränk
Bereits im Mittelalter wurde zwischen Salzburg und Oberndorf Hopfen angebaut.
Bier war ein Volksgetränk, den viel teureren Wein tranken die Adeligen. Die
Zunftzeichen - zwei Löwen, die ein Fass halten - zieren immer noch alte
Brauhäuser in Salzburg. Die "Gründerzeit" der 13 Stadt-Brauereien liegt zwischen
dem 14. und 16. Jahrhundert. "Die Formel lautet zwölf plus eins. Zwölf
bürgerliche und eine Klosterbrauerei", erläutert Historiker Harald Waitzbauer.
Allerdings durften sie ab 1659 nur in der eigenen Braugaststätte ausschenken.
Wirtshäuser belieferten nur mehr die "Hofbrauereien". Das Salzburger Biermonopol
galt offiziell bis 1808.
Das Augustinerbräu und die Stieglbrauerei sind die zwei einzigen, die bis in
die Gegenwart überlebt haben. Stiegl erzeugt mittlerweile als Österreichs größte
Privatbrauerei laut Brauereichef Heinrich Kiener 986.000 Hektoliter, "Tendenz
steigend". Neben der Privatbrauerei Sigl in Obertrum gibt es heute noch einige
Kleinbrauereien.
Die älteste Brauerei
Die älteste Brauerei in der Stadt, das "Schlambräu" (1374) wurde von einer
Frau in der Dreifaltigkeitsgasse 3 gegründet. Es folgten in kurzen Abständen
zahlreiche andere, wie das Gablerbräu (1408) in der Linzergasse, dessen
Wappensaal aus dem Jahr 1906 originalgetreu erhalten ist und "in dem der
weltberühmte Opernsänger Richard Mayr geboren wurde", weiß die "bieraffine"
Fremdenführerin Martina Gyuroka. Für alle, die damals von den Wirtsstuben nicht
heimgehen wollten, läutete die "Bierglocke" vom Rathaus in der Getreidegasse die
Sperrstunde ein.
Auf der "Bierwanderung" sind viele kleine Details zu erfahren: Der Name des
1492 gegründeten "Stieglbräu" rührt vom "Stieglein auf der Gstätten" her. Die
Treppen führten vom damaligen Standort in der Gstättengasse zum Almkanal
hinunter. Bereits 339 Jahre lang ist die damals auf einem Steckschild
abgebildete Stiege das Logo der Marke Stiegl. Zur Zeit der Industrialisierung,
die das Aus für viele bürgerliche Brauereien bedeutete, übersiedelte die
Stieglbrauerei 1863 in den Stadtteil Maxglan. Dort entstand vor wenigen Jahren
Europas größte Erlebnisbrauwelt.
Pro-Kopf-Verbrauch
Am meisten Bier tranken die Salzburger übrigens von 1900 bis 1914: Der
Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 200 Liter im Jahresschnitt, "heute sind es 110",
erzählt Stiegl-Braumeister Ernst Schreiner. Er hat mit dem "Goldbräu" den
"typischen Salzburger Biergeschmack kreiert", wie er sagt: "Nicht weich wie in
München oder herb wie in Wien. Wir liegen da nicht nur geografisch in der
Mitte." (APA)
Link
Via Culinaria - Genusswege im Salzburger Land (inkl. "Genussweg für Bierfans")