Paracelsus: "Bier ist eine wahrhaft göttliche Medizin"

18. Oktober 2009, 18:15

"Historische Bierwanderung" lädt zur Führung durch die jahrhundertealte Brautradition in Salzburg

Salzburg - Salzburg hat in seiner 635-jährigen Brautradition viel Genussreiches und Sehenswertes bis in die Gegenwart erhalten und weiterentwickelt. Auf einer "historischen Bierwanderung" erfährt man, dass die Mozartstadt vor dem Ersten Weltkrieg die Stadt mit den meisten Biergärten in Österreich war, im 17. Jahrhundert rund 100 Privatbrauereien im ganzen Land unter dem "Bierzwang" der Erzbischöfe litten und der berühmte Salzburger Arzt "Paracelsus" zu dem Schluss kam: "Bier ist eine wahrhaft göttliche Medizin".

Das einzige Kühlschiff, das österreichweit noch in Betrieb ist, befindet sich im 1621 gegründeten Augustinerbräu. "Kühlschiffbiere sind kerniger im Geschmack, es riecht nach Salzburger Luft. Damit man weiß, wo das Bier her ist", lacht Braumeister Johannes Georg Höpflinger. Schon als Museumsstück gilt der Baumwollmassefilter, "die schonendste Art, das reine Naturprodukt zu filtrieren". In der Brauerei, die heuer auf rund 10.000 Hektoliter Ausstoß kommen wird, ist auch die letzte Picherei Österreichs angesiedelt. Hier werden die täglich verwendeten Holzfässer mit Pech ausgekleidet, was dem Bier eine eigene Note verschafft.

Volksgetränk

Bereits im Mittelalter wurde zwischen Salzburg und Oberndorf Hopfen angebaut. Bier war ein Volksgetränk, den viel teureren Wein tranken die Adeligen. Die Zunftzeichen - zwei Löwen, die ein Fass halten - zieren immer noch alte Brauhäuser in Salzburg. Die "Gründerzeit" der 13 Stadt-Brauereien liegt zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. "Die Formel lautet zwölf plus eins. Zwölf bürgerliche und eine Klosterbrauerei", erläutert Historiker Harald Waitzbauer. Allerdings durften sie ab 1659 nur in der eigenen Braugaststätte ausschenken. Wirtshäuser belieferten nur mehr die "Hofbrauereien". Das Salzburger Biermonopol galt offiziell bis 1808.

Das Augustinerbräu und die Stieglbrauerei sind die zwei einzigen, die bis in die Gegenwart überlebt haben. Stiegl erzeugt mittlerweile als Österreichs größte Privatbrauerei laut Brauereichef Heinrich Kiener 986.000 Hektoliter, "Tendenz steigend". Neben der Privatbrauerei Sigl in Obertrum gibt es heute noch einige Kleinbrauereien.

Die älteste Brauerei

Die älteste Brauerei in der Stadt, das "Schlambräu" (1374) wurde von einer Frau in der Dreifaltigkeitsgasse 3 gegründet. Es folgten in kurzen Abständen zahlreiche andere, wie das Gablerbräu (1408) in der Linzergasse, dessen Wappensaal aus dem Jahr 1906 originalgetreu erhalten ist und "in dem der weltberühmte Opernsänger Richard Mayr geboren wurde", weiß die "bieraffine" Fremdenführerin Martina Gyuroka. Für alle, die damals von den Wirtsstuben nicht heimgehen wollten, läutete die "Bierglocke" vom Rathaus in der Getreidegasse die Sperrstunde ein.

Auf der "Bierwanderung" sind viele kleine Details zu erfahren: Der Name des 1492 gegründeten "Stieglbräu" rührt vom "Stieglein auf der Gstätten" her. Die Treppen führten vom damaligen Standort in der Gstättengasse zum Almkanal hinunter. Bereits 339 Jahre lang ist die damals auf einem Steckschild abgebildete Stiege das Logo der Marke Stiegl. Zur Zeit der Industrialisierung, die das Aus für viele bürgerliche Brauereien bedeutete, übersiedelte die Stieglbrauerei 1863 in den Stadtteil Maxglan. Dort entstand vor wenigen Jahren Europas größte Erlebnisbrauwelt.

Pro-Kopf-Verbrauch

Am meisten Bier tranken die Salzburger übrigens von 1900 bis 1914: Der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 200 Liter im Jahresschnitt, "heute sind es 110", erzählt Stiegl-Braumeister Ernst Schreiner. Er hat mit dem "Goldbräu" den "typischen Salzburger Biergeschmack kreiert", wie er sagt: "Nicht weich wie in München oder herb wie in Wien. Wir liegen da nicht nur geografisch in der Mitte." (APA)


Link
Via Culinaria - Genusswege im Salzburger Land (inkl. "Genussweg für Bierfans")

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königsläuferGambit
00
21.10.2009, 16:20
Salzburger Arzt???

Dafür dass der in Einsiedeln (Schweiz) geborene Paracelsus (1493 - 1541) sein letztes Lebensjährlein in Salzburg, wo er nun modert, verbracht hat, vorher dort aber auch nur ein kurzes und abrupt beendetes "Gastspiel" 1525/1525 gegeben hatte, ist die Bezeichnung "Salzburger Arzt" wohl etwas an den Haaren herbeigezogen.

Lesenswert: "Der höchste Grund der Arznei ist die Liebe" von Franziskus Kerssenbrock über Leben und Zeit des Paracelsus (260 Seiten, Styria 2005).

Kamine glühen leise
10
21.10.2009, 12:07

ich mag das stiegl nicht.....

AmazingSpace
20
20.10.2009, 10:04

Pfui, Alkohol schädigt alle Organe!

Jürgen Rembremerding
00
22.10.2009, 00:48
Protestant?

königsläuferGambit
00
21.10.2009, 16:52
"alle ding sind gift, und nichts o(h)n gift; al(l)ein die dosis macht, das(s) ding kein gift ist.

schrieb Theophrastus Bombastus Philippus von Hohenheim (genannt Paracelsus).

t-bonesteak
00
20.10.2009, 13:41
alles schädigt den körper

und am ende steht immer der tod. so what?!

tablespace65
00
19.10.2009, 23:13
Braumeister Johannes Georg HÖPFLINGER! Genial!

sag mir alles
20
19.10.2009, 21:57
soll das jetzt der

freifahrtschein für betrunkene autofahrer sein ?

Robert Stanggeler
01
19.10.2009, 17:42

Wie immer bei solchen Artikeln, enthält er mehr Blödsinn als Zeilen. Nur zwei Sachen: Bierfässer werden ausgepicht, damit die Kohlensäure nicht entweichen kann, dass hat mit einer "gewissen Note" gar nix zu tun. Es gibt auf dem ganzen Planeten nur ausgepichte Holzfässer für Bier! Dummköpfe kann man übrigens daran erkennen, dass Sie Bier vom (Holz-)Fass wollen! Edelstahlbehälter sind für das Bier viel besser. Bier kommt niemals mit dem Holz des Fasses in Berührung.
Zweitens: Das Paracelsus-Zitat ist eine dümmliche Erfindung.

königsläuferGambit
00
22.10.2009, 22:58

Das Bier-Zitat ist nicht belegt.

farbrauschen
11
19.10.2009, 17:07

allerdings gab es zu paracelsus zeiten noch hanf-und gerstenbier, das fröhlich machte,
belebend,
aphrodisierend wirkte.
und bierbrauereien waren oft in klöstern zu finden.
hat naturgemäß im kloster schwierigkeiten mit der keuschheit erzeugt.

dann hat sich der hohe klerus durchgesetzt, und hat den herzog dazu gebracht, ein bier-reinheitsgesetz zu erlassen, das nur mehr gerste und hopfen erlaubte.
hopfen dämpft.
beruhigt,
schläfert eher ein.

das hätte paracelsus sicher nicht so gut gefallen.

königsläuferGambit
00
22.10.2009, 19:56
Ca. erst 24 Jahre war Paracelsus, als das Reinheitsgebot kam

und hatte gerade - nach eigenen Angaben - sein Medizistudium in Ferrara beendet und zum Doktor beider Arzneien promoviert.

Was den Hopfen betrifft, so wurde er zumindest schon 400 Jahre vor Paracelsus in Deutschland und Österreich zur Bierherstellung verwendet. Hopfen war schon vor gut 1600 Jahren Kelten und Germanen bekannt, wenn auch in diesen "Urzeiten" meist die viel bittere Eichenrinde verwendet wurde, gerade kein Aphrodisiakum.

schadubb
00
23.10.2009, 14:00

oder gar erst 22 Jahre jung.

Fingerzeig
22
19.10.2009, 13:56

Das hab ich aber schon VOR Paracelsus gesagt.

spoc
01
19.10.2009, 13:49
wohl eine pressemeldung der stiegl brauerei...

... die die apa 1:1 übernommen hat...

Nick Tameer
00
20.10.2009, 18:52

Aber, alles was recht ist, knallhart recherchierte Fakten. Ach, begrabt mein Herz in Europas größter Erlebnisbrauwelt!

Hercules
01
19.10.2009, 12:34
Warum...

...kupfert man das von der APA ab anstatt den Artikel von Conrad Seidl schreiben zu lassen?

Ich weiß, der Prophet im eigenen Land....

Jovencito
00
19.10.2009, 12:05

endlich mal ein apa-artikel der sinnvoll ist und bei dem ich nichts zu meckern hab...

Nick Tameer
00
26.10.2009, 23:46

APAs Stärke liegt in überschaubaren Themen.

Christoph Karl Steininger
02
19.10.2009, 01:03
Zum Klimaoptimum im Mittelalter

wuchs Wein auf dem Kapuziner, als auch auf dem Mönchsberg. Zumindest nannten sie damals das Gesöff Wein. Wir heutigen würden es als Fusel, oder Lack bezeichnen.
Noch unter Maria Theresia war das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet auf dem heutigen Österreich im Eferdinger Becken.
Das war zu jenen seligen Zeiten, als Niederösterreich der weltgrößte Exporteur von Perlen war. (Süsswasserperlen, versteht sich)
Die unregelmäßige Form der Perlen wurde in Italien als "barrocco" bezeichnet.

Fonoti
00
19.10.2009, 10:30
Das kommt wieder

die Weinbaugrenze verschiebt sich immer weiter nach Norden

Mr. Bubbles
01
18.10.2009, 22:36

der kater am nächsten tag ist eher weniger "göttlich"...

Stahl_____666
02
19.10.2009, 12:35
.

Selbst schuld, warum hörst auch auf zu trinken :-)

The Resistance
15
18.10.2009, 20:54
Ein sehr weiser Mann, dieser Paracelsus.

Laughing Magician
01
19.10.2009, 12:41

aber nicht vergessen, von ihm stammt auch die weisheit "die menge bestimmt das gift"...

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