Disziplinarverfahren gegen Maradona

16. Oktober 2009, 19:12
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FIFA untersucht verbale Entgleisungen der Legende. Die steht dazu, ebenso wie der Verbands- zu seinem Teamchef

Kairo/Buenos Aires - Der Weltfußballverband FIFA wird nach den verbalen Entgleisungen von Diego Maradona ein Disziplinarverfahren gegen Argentiniens Teamchef einleiten. Dies kündigte FIFA-Präsident Sepp Blatter am Freitag an. "Die Berichte, die wir bisher bekommen haben, lassen uns keine andere Alternative, als den FIFA-Disziplinarausschuss zu bitten, ein Verfahren gegen den Trainer Diego Armando Maradona zu eröffnen", erklärte der Schweizer in Kairo, wo er das Finale der U20-Weltmeisterschaft besucht.

Maradona jedoch steht zu seinen Aussagen nach dem Match der Argentinier in Montevideo. "Ich werde mich nicht entschuldigen. Ich habe das Recht, jenen die Meinung zu sagen, die schlecht über mich reden", erklärte Maradona in einem Radio-Interview.

Frei von der Leber

Maradona hatte nach dem 1:0 gegen Uruguay und der damit verbundenen WM-Qualifikation kräftig in Richtung seiner Kritiker ausgeteilt. "Allen, die nicht an dieses Team geglaubt haben, all jenen, die mich wie Müll behandelt haben, sage ich jetzt, dass wir uns ehrenvoll für die WM qualifiziert haben, indem wir ein Team wie Uruguay besiegt haben. Ich bin sehr stolz auf mein Team. Es gibt für mich nur Schwarz oder Weiß, Grau wird es in meinem Leben nie geben. Denjenigen, die nicht an mich geglaubt haben, sage ich - die Damen mögen das entschuldigen: Ihr könnt mir einen blasen."

Die Beurteilung der (schwachen) Partie selbst fiel demgegenüber nüchtern aus: "Uruguay ist eine sehr gute Mannschaft und hat in jeder Minute um ihr Leben gespielt, aber wir haben wie echte Männer gegen sie gewonnen und sind ohne die Hilfe von irgendjemand anderem bei der WM dabei." Nach dem Schlusspfiff hatte der nach zuletzt enttäuschenden Vorstellungen seiner Mannschaft in die Kritik geratene Maradona mit den Spielern ausgelassen die geschaffte Qualifikation gefeiert. Freudentränen inklusive.

Mediale Kritik

In Argentinien hatte der teamchefliche Zorn für Empörung gesorgt. "Ein Festival der Verbitterung", titelte die Zeitung "La Nacion" am Donnerstag. "Provokativ, anmaßend. Diese Obszönitäten werden um die Welt gehen und die Schande vergrößern. Mit dem Team geht es weiter bergab." Die auflagenstärkste Tageszeitung "Clarin" meinte: "Anstatt in jener Nacht, in der er sein Ziel erreichte, zu relaxen und den Moment zu genießen, ließ er seinen Aggressionen freien Lauf."

Argentiniens Verbandschef Julio Grondona versuchte zu beschwichtigen und zeigte Verständnis für die Wortwahl seines prominenten Angestellten. "Leute können in der Hitze des Moments Dinge sagen, die ihnen später leidtun", sagte Grondona. Er denke nicht an eine Ablöse der 48-jährigen Fußball-Legende. Stattdessen soll im kommenden Monat ein Gespräch über die Zukunft des Weltmeisters von 1986 stattfinden. Die Fans der "Albiceleste" sehen dies scheinbar anders: In einer von "La Nacion" am Donnerstag initiierten Online-Umfrage sprachen sich 79 Prozent für den Rauswurf Maradonas aus. (APA/red)

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    Maradona bleibt als Teamchef Argentiniens umstritten. Verbandschef Grondona versucht zu beschwichtigen, viele Fans der "Albiceleste" fordern eine Ablöse.

  • Die Pressekonferenz mit Diego Maradona nach dem Spiel gegen Uruguay.

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    Schunkelnde Trance, als die Qualifikation geschafft war.

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