"Gier" kommt in der Krise

16. Oktober 2009, 15:45
  • Das Cover zu "Gier".
    cover: gier

    Das Cover zu "Gier".

"Gier" nennen die "Fleisch"-Macher um Markus Huber ihr neues Wirtschaftsmagazin - Zielgruppe: Kreativbranche von Architekt bis Werber, die bisher dachten, "Wirtschaft ist was für Anzugträger"

Auf dem Cover der ersten Ausgabe klebt ein Dollarschein, passend zu Titel und Ambition: Gier nennen die Fleisch-Macher um Markus Huber ihr neues Wirtschaftsmagazin. Zielgruppe: Kreativbranche von Architekt bis Werber, die bisher dachten, „Wirtschaft ist was für Anzugträger", sagt Huber. Die Krise erwischte viele kalt, lehrte sie, "möglichst schnell ihren Schnitt zu machen" und vorzusorgen. Als Berater dabei: Stefan Janny, früher profil-Chefredakteur. Vorerst ein Probeballon, zur neuen und zur nächsten Fleisch-Ausgabe gepackt. Dann soll das Heft vier- bis sechsmal pro Jahr erscheinen, statt 52 mit 100, 120 Seiten.

Gierfonds, Benefick-Aktion, fiese Typen und dicke Brieftasche

"Gier" schildert - an die 1980-er gemahnend flirrend üppig und dicht illustriert - zum Beispiel, wie eine Börseblase entsteht, ruft einen eigenen "Gierfonds" ins Leben ("ethisches Investment war gestern"), an dem die Leser Anteile erwerben sollen (investiert in Gentechnik, Immobilien, Sicherheit, Lithium, Öl, Nahrungsmittel). Erklärt den (laut "Slate") "besten Wirtschaftsindikator" ("Baltic Dry"). Fragt einen Broker, wie man nach der Krise "schnelle Tausender" macht. Schildert eine "Benefick-Aktion" (Amateurpornos auf www.fuckforforest.com; Zwei skandinavische Aktivisten verlangen 11 Euro fürs Zuschauen, die dem Regenwald helfen sollen. Das Heft dankt Gaddafi, Russen, Chinesen, "dass sie uns in der Krise aus der Patsche helfen" - "die fiesesten Typen haben einfach die dicksten Brieftaschen".

Dazu Langfrist-Kursdaten der ehemaligen Meinl European Land, Lehren für den Kapitalismus aus dem guten alten Brettspiel DKT. "Dr Gier" gibt Antworten - etwa Marlene Streeruwitz, die wissen will: "Wie geilen sich Banker auf?". Oder Andrea Maria Dusl ("Wie mache ich mit giftigen Papieren Gewinn?"). Oder Robert Palfrader ("Wie oft müssen wir noch für die Amis büßen?"). Tipps für Verhandlungen über Vertrag oder höheres Gehalt. Ein Porträt der Cayenne Islands, denen die Betreiber ihrer Briefkastenfirmen wegbrechen. Und, ja, auch noch ein "Gier-Comic". Noch Fragen?

Startauflage laut Huber: 12.000 Hefte. Macht 12.000 Dollar. (fid)

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19 Postings
ich frage mich lediglich,

wie sich dieses produkt finanzieren soll.
halte es grundsätzlich für bedenklich, wenn sich ein medium selbst nicht ernst nimmt, obwohl die idee an sich ja ganz lustig ist. ein sonderheft zu datum...von mir aus, aber als eigenständiges produkt wird es wohl kaum 2011 erleben. wer soll darin werben? die breite masse (und selbst die mehrzahl der werbebranche) hat schlicht keine Zeit, sich mit den reflexionen einiger selbsternannter kreativer auseinanderzusetzen. ein geldgrab erster güte, hoffentlich macht´s wenigstens spaß....

Gier ist....

1. ein sonderheft zu FLEISCH
2. jedes neue guerillia-magazin ist gut
3. ernsthaft: es gibt schon genug magazine & zeitungen,
die sich zu ernst nehmen, aber:
4. die zeiten der postmodernen ironie sind vorbei,
postion beziehen ist angesagt;

dusl?

würg und danke

hier fehlt der "bezahlte werbung" hinweis

klingt unsympathisch

ich kann mir schon vorstellen, was fuer leute sowas lesen... grauslich!

die Gier wird eines tages der untergang der menschheit sein

und war schon bisher für, hie und da, ein bisschen viel leid in den allen formen verantwortlich.

diese inflation vergrasserter denkmuster von c-klasse-trendsettern wundert mich schon etwas.
wie lernresistent ist die menschheit eigentlich?

ergo: der heftltitel (und wahrscheinlich auch das innere) ist einfach nur stoffwechselprodukt.

ah, wos neichs! kaun nur a sch@s sei. net woa?

danke, herr lehrer....

für diese überflüssige belehrung. vielleicht könntens mal obergscheit den begriff "gier"definieren, anstatt die
leiden der menschheit so platt abzuhandeln?

ironie und reflexion..

..sind wohl fremdwörter für sie. ein sehr dummes posting...

klingt stark nach

"obergscheite wollen lustig und cool sein".

Mir sind coole, lustige Obergescheite beim Gesäß lieber als die Dilettantentruppe des News-Verlags. Nur so zum Beispiel.

nur weil sie ...

... dort rausgeflogen sind vor jahren?

klingt gut. und von den leuten kann man sich fast nichts anderes erwarten als witz und qualität.

klingt ein bisserl nach krampfhaft auf "mad" mit mehr text für erwachsene gemacht

mal anschauen

Mal ganz abgesehen,

dass auf den "Cayenne Islands" wohl nur der Pfeffer wächst, wohl aber die "Cayman Islands" gemeint sind: Überspannte Idee von ein paar Supertopchecker-Bobos, die Zynismus mit Kreativität verwechseln. Die Idee trägt dann auch nur für das Befüllen von drei, vier Ausgaben. Höchstens. Aber wahrscheinlich täusche ich mich ja.

also fleisch ist meist nicht schlecht. wenn das hier auch in die richtung geht, kann was draus werden...

hat auf jeden fall mehr idee..

..als das gleichzeitig startende lächerliche business-punk von gruner & jahr. mehr idee und weniger geld. ungerechte welt..

business-punk...

belästigt uns weniger mit hintergründigkeiten. cover ist auch grauslich...oder soll die zunge v. branson punkig
sein?

zielgruppe

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