Verantwortung und Orientierung

16. Oktober 2009, 17:25
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Für Unternehmen wie für Einzelpersonen gilt: Wer bereit ist, ein Stück mehr Verantwortung zu übernehmen, als von ihm erwartet wird, schafft Orientierung für sein Umfeld

Die Ereignisse der letzten Monate hinterlassen bei vielen von uns Orientierungslosigkeit. Frühere Helden der Wirtschaft stehen heute vor den Trümmern ihrer ehemals prachtvollen Scheinwelt und dienen nun als Sündenböcke, an denen sich die Gesellschaft abreagieren kann. Was gestern in war, ist heute out. Dennoch: Gerade in diesen Tagen ist unsere Gesellschaft darauf angewiesen, dass Unternehmen Verantwortung annehmen und nicht abschieben. 

Doch wo beginnt Corporate Social Responsibility? Wie nachhaltig muss ein Unternehmen handeln, damit es die Erwartungen seiner Anspruchsgruppen erfüllt beziehungsweise übertrifft? Eine aktuelle Karmasin-Umfrage zu Nachhaltigkeit und Verantwortung von Unternehmen mit Fokus auf den Lebensmittelhandel ergibt: Gesellschaftliche Verantwortung wird heute von Unternehmen im Allgemeinen mehr denn je erwartet.

Definitionssache

Wie aber gesellschaftliche Verantwortung definiert und was unter Nachhaltigkeit verstanden wird, hängt ganz von der jeweiligen Situation und Position der Befragten ab. Denn was auf den ersten Blick ernüchternd ist, stimmt: Auch im Bereich der Nachhaltigkeit fragt jeder Einzelne nach seinem persönlichen Nutzen und setzt seine Prioritäten danach, was ihm die CSR-Bemühungen des Unternehmens jeweils direkt bringen. 

Erwarten sich die Kunden von einem Lebensmittelhändler in erster Linie, dass dieser für seine Produkte - deren Herkunft, Qualität, richtige Kennzeichnung und guter Preis - die volle Verantwortung übernimmt, formulieren politische Entscheidungsträger und Interessensvertreter ganz andere Ansprüche. Diese Stakeholder erwarten sich neben der Verantwortung für das Produkt vor allem auch die Übernahme von Verantwortung bei der Ausbildung, der Arbeitsplatzsicherung und beim Umweltschutz. Schließlich haben auch Mitarbeiter und Lieferanten von Unternehmen eine jeweils sehr Nutzen-zentrierte Auffassung von Nachhaltigkeit. Während das eigene Team das Unternehmen vor allem zur starken Mitarbeiterorientierung und -förderung mahnt, pochen die Lieferanten auf einen partnerschaftlichen Umgang in der Zusammenarbeit.

Konsequenzen ziehen

Als Unternehmen muss man daraus die Konsequenz ziehen, für jede Anspruchsgruppe die richtigen Aktivitäten zu setzen. Und etwas mehr: Wer bereit ist, ein Stück mehr Verantwortung zu übernehmen, als von ihm erwartet wird, schafft Orientierung für andere und kann in stürmischen Zeiten als "Leuchtturm" der Gesellschaft dienen. Unternehmen müssen sich ihrer Funktion als wichtiger Knotenpunkt in der Gesellschaft bewusst sein - und gerade dem Lebensmittelhandel, der sich Tag für Tag direkt im Kontakt mit hunderttausenden Menschen befindet, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Hier gilt es als Clearingstelle zwischen Produzenten und Konsumenten, als Lebensader des Landes ein hohes Maß an Verantwortung zu übernehmen: im Produktbereich, im Umgang mit Ressourcen für Umwelt- und Klimaschutz, im respekt- und vertrauensvollen Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Partnern oder durch gesellschaftliches Engagement im Sinne der Aufklärung durch Info-Kampagnen und der Unterstützung karitativer Projekte. (Werner Wutscher*, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.10.2009)

Zum Autor*

Werner Wutscher ist als Vorstand der Rewe Int. für den in der Unternehmensstrategie verankerten Nachhaltigkeitsprozess verantwortlich.

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