Die Suche nach dem Wesentlichen

16. Oktober 2009, 17:26
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Der 16. Österreichische NPO-Kongress widmete sich der "Konzentration auf das Wesentliche" - Im Schloss Schönbrunn tauschten sich Experten auf Einladung des Österreichischen Controller-Instituts (ÖCI) aus

"Du kannst die Punkte deines Lebens erst im Nachhinein verbinden", zog Andreas Salcher, Buchautor und Unternehmensberater, Fazit aus seinem Vortrag über "Sieger und Verlierer - Wie Menschen ihre Kompetenzen entwickeln oder zerstören". Was wesentlich für die eigene Entwicklung ist, werde rückblickend einordenbar. 

Ob Entscheidungen und Handlungen richtig sind, lasse sich in diesem Sinne nicht letztgültig zu dem Zeitpunkt beantworten, an dem sie getätigt werden. Um dem Wesentlichen auf die Spur zu kommen, empfiehlt Salcher, sich drei Dinge zu überlegen: 1.) Tue ich das, was ich tue, mit großer Leidenschaft?, 2.) Wie hoch ist mein Anspruch an meine Arbeit?, 3.) Ergibt das, was ich mache, Sinn?

"Was ist das Wesentliche?", fragte KarrierenStandard-Leiterin Karin Bauer am Mittwoch neben Salcher drei weitere Personen, die sich im Leben damit beschäftigt haben, und fokussierte bewusst auf menschliche und weniger betriebswirtschaftliche Bereiche. Es gelte, in sich hineinzuhören, "Ziele zu finden und nicht zu erfinden", sagte Extremsportler Wolfgang Fasching. Als Teilnehmer des "Race across America", einem Radrennen von der West- zur Ostküste der USA, gelangen ihm drei Siege, drei zweite und ein dritter Platz.

5000 Kilometer ohne Preisgeld, das habe zwar „Spaß gemacht, auch wenn es manchmal wehtat", jedoch sei es Fasching „nie darum gegangen, der Beste zu sein". Als das Wesentliche in seinem Leben mache er eben die Möglichkeit aus, „das verwirklichen zu können, was in mir drin ist". Als Mentaltrainer macht er Leuten Mut, „die Engpässe in verschiedenen Bereichen haben und sich verändern wollen".

Karl Rabeder, Gründer der Non-Profit-Organisation MyMicroCredits, hat sich ebenfalls stark verändert. Er war Hauptschullehrer und bekam während des Praktikums zu spüren, dass er „nicht in das System" passe. Seine Ideen scheiterten am Lehrerkollegium, das sich stets darauf versteifte, „dass man das bisher anders gemacht habe".

Streben nach dem Glück

Rabeder gründete eine Firma, "verdiente sehr viel Geld", feierte Erfolge im Segelflug - "aber richtig glücklich wurde ich nicht". 2004 verkaufte er das Unternehmen und begann, Waisenhausprojekte in Mittel- und Südamerika zu unterstützen. Derzeit lebe er noch von seinen Reserven, die "etwa bis zum Christkind reichen"; bis dahin soll aber die NPO seinen Arbeitsplatz finanzieren können.

"Die 1500 Euro, die ich monatlich brauche, werde ich schon zusammenkriegen", gibt sich Rabeder bescheiden. Seine "Traumvilla" in Tirol wird derzeit im Internet verlost, er selbst lebe in einer Kleinwohnung in Innsbruck. Wesentlich sei, fasst Rabeder zusammen, die Diskrepanz zwischen dem, was man macht, und dem, was man möchte, zu überwinden.
Marianne Hengl ist Obfrau des Vereins RollOn Tirol. Seit Geburt leidet sie an einer Gelenksversteifung aller Extremitäten und ist auf einen Rollstuhl sowie in vielen Bereichen auf fremde Hilfe angewiesen. Manches, was für die meisten Menschen normal ist - "etwa, sich aus der Rückenlage aufzurichten" - musste sie sich hart erarbeiten: "Der Wille versetzt Berge."
"Unbedingt mit dem Wesentlichen verbunden ist für mich das Wort Zufriedenheit", sagte Hengl. Ob sich diese einstelle, nimmt Hengl demnach auch als Indikator dafür her, ob das, was man im Leben verfolge, wesentlich sei. (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.10.2009)

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