Aktien steigen liquiditätsgetrieben weiter an

16. Oktober 2009, 14:59
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Hans Engel

Die europäischen Aktienmärkte konnten in dieser Woche ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Unterstützt von den schwächeren Rentenmärkten konnten selbst der starke Euro und der steigende Ölpreis die Aufwärtsbewegung nicht bremsen. Nachdem die EZB in den letzten Quartalen die Banken mit hoher Liquidität versorgt hatte, passiert nun das, was passieren musste: Das nun ausreichend vorhandene Kapital ist wieder einmal auf der Suche nach attraktiven Verwendungsmöglichkeiten und strömt aktuell weiterhin in die liquideste Assetklasse, nämlich in die Aktienmärkte, aber auch in die aufgrund ihrer geringeren Gesamtgröße weniger leicht investierbaren Rohstoffmärkte. Nachdem viele Investoren nach wie vor über ein geringes Exposure bei Aktien verfügen ist der weitere Verlauf der Aktienmärkte in den kommenden Wochen und sogar im ersten Quartal 2010 relativ leicht vorhersehbar: Weiterhin freundlich, kleine Korrekturen werden schnell als Kaufgelegenheiten genutzt, weshalb wir in den kommenden Wochen von einem Rückgang der Volatilität ausgehen. Der Volatilitätsindex VDAX hat sich innerhalb eines Jahres etwa gedrittelt und notiert aktuell bei 23,58 Punkten. Bis zum Jahresende sollte der VDAX weiterhin fallen, wobei das Erreichen des Niveaus von 20 Punkten durchaus realistisch erscheint. Solange der Ölpreis unter ca. USD 90 je Barrel bleibt und der Euro nicht allzu stark ansteigt, d.h. nur geringfügig über die Marke von 1,50 steigt, sollten die europäischen Aktienmärkte also ihre Aufwärtstrends fortsetzen können.

Von den Unternehmensergebnissen wird unseres Erachtens in den kommenden Wochen diesbezüglich kaum ein negativer Einfluss ausgehen, da einerseits die meisten Anleger aktuell über ein realistischeres Bild hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation bei den Unternehmen verfügen und andererseits viele europäische Firmen bereits bewiesen haben, dass sie auch mit schwierigen Situationen, wie sie aktuell vorherrscht, umgehen können.

Nokia präsentierte am Donnerstag die Quartalsbilanz und wies erstmals seit 1996 einen Quartalsverlust (EUR 559 Mio.) aus, wobei allerdings ein Großteil dieses Betrags aus einer Goodwillabschreibung eines Joint-Ventures mit Siemens stammt (EUR 908 Mio.). Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis von Nokia nicht gut aus, allerdings verbessert diese Goodwill-Abschreibung die Bilanzqualität. Die Aussage von Nokia, den Marktanteil im Handybereich bei stattlichen 38% halten zu können, stimmt für die nächsten Monate zuversichtlich. Viele institutionelle Anleger sind bei Nokia vermutlich untergewichtet. Angesichts der bedeutenden Marktstellung und der niedrigen Bewertung, sowie der grundsätzlich renditeorientierten Unternehmensführung ist die Aktie für zumindest mittelfristig ausgerichtete Investoren auf dem aktuellen Kursniveau attraktiv und bietet Chancen auf deutliche Kursgewinne.

Sony-Ericcson am langsamen Weg der Besserung

Der Mitbewerber Sony-Ericcson, ein Unternehmen das im Eigentum der schwedischen Firma Ericsson und dem japanischen Sony-Konzern steht, berichtete heute eine Reduktion des Verlustes, der geringer als erwartet ausfiel. Nach einem Minus im zweiten Quartal von Mio. 283 EUR, betrug der Verlust im dritten Quartal Mio. 199 EUR. Obwohl immer noch weit in den roten Zahlen, konnte das Unternehmen durch Kostensenkungen seine Bruttomargen erhöhen und ist damit eindeutig auf dem Weg der Besserung. Das Umfeld bleibt allerdings nach wie vor schwierig, zumal Sony-Ericsson in diesem Jahr von einer Schrumpfung des Handymarktes um 10% ausgeht. Nokia ist bei dieser Einschätzung deutlich optimistischer und erwartet "bloß" einen Rückgang dieses Marktes um 7%.

Einen etwas verhaltenen Ausblick hinsichtlich der Umsatzentwicklung lieferte die französische
Supermarktkette Carrefour. Das Unternehmen arbeitet gerade an einem Plan zur Rationalisierung der Geschäftabläufe und plant 4,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2012 einzusparen. Von diesem ambitionierten Ziel ist Carrefour aber noch weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2009 konnten erst gerade einmal Mio. 212 EUR an Kostensenkungen erzielt werden. Die Aktie ist aktuell ein klarer Underperformer in diesem Jahr und wird erst mit deutlicherem Fortschreiten der Rationalisierungsbemühungen des Unternehmens attraktiv.

In das Blickfeld der japanischen Börsenaufsicht (SESC) geriet die französische Bank BNP Paribas, die sich mit Vorwürfen der Kursmanipulation konfrontiert sieht. In einem solchen Fall kann das Unternehmen vom Handel, zumindest vorübergehend, sanktioniert werden.

In Summe waren die letzten Tage durchaus erfreulich für die Investoren, wirklich negative Überraschungen sind ausgeblieben und unter diesem Vorzeichen sollte die nächste Woche durchaus wieder positiv verlaufen, auch wenn die zweite Monatshälfte durchschnittlich etwas
geringere Kurszuwächse bringt.

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