VW rüstet sich für Porsche-Übernahme

16. Oktober 2009, 14:13
1 Posting

Autobauer gibt bis 2014 zu 135 Millionen neue Vorzugsaktien aus - Außerordentliche Hauptversammlung am 3. Dezember

Hannover - Der deutsche Autobauer Volkswagen rüstet sich mit einem unerwartet großen Kapitalrahmen für die Übernahme von Porsche und schürt Spekulationen auf mögliche weitere Zukäufe. Der Wolfsburger Autobauer will bis Ende 2014 bis zu 135 Mio. neue stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben, die zum derzeitigen Kurs mehr als 10 Mrd. Euro einbringen würden.

Eine erste Kapitalerhöhung um rund vier Mrd. Euro sei für das erste Halbjahr 2010 geplant, um den Kauf des Sportwagenbauers Porsche zu finanzieren, teilte VW am Freitag mit. Analysten zufolge warf das hohe Volumen erneut die Frage auf, ob sich Volkswagen auch MAN oder den japanischen Kleinwagenbauer Suzuki einverleiben wolle.

VW könne mit der Ermächtigung für die Kapitalerhöhungen den "mittelfristigen finanziellen Handlungsspielraum wahren" und sein "A-minus"-Rating absichern, hieß es in der Mitteilung. "Die angestrebte Kapitalerhöhung soll die Refinanzierung der geplanten Beteiligung an der Porsche AG sicherstellen und ist somit ein Meilenstein auf dem Weg zum integrierten Autokonzern mit Porsche." Dieser soll bis 2011 stehen.

Um den Kapitalrahmen zu beschließen, hat VW die Aktionäre für den 3. Dezember zu einer außerordentlichen Hauptversammlung nach Hamburg eingeladen. Damit dürfte die Kapitalerhöhung noch im ersten Quartal über die Bühne gehen - sonst könnte VW auch auf die ordentlichen Hauptversammlung im April warten.

VW will sich das frische Kapital ausschließlich von den Vorzugsaktionären holen. Sie erhalten ein Bezugsrecht. Das fein austarierte Gleichgewicht der Stammaktien wird nicht angetastet: Die Porsche Holding hält 51 Prozent, Niedersachsen 20 Prozent, das Emirat Katar soll bis zum Jahresende auf 17 Prozent kommen. Das Vorzugskapital würde mit der Kapitalerhöhung mehr als verdoppelt. Indexexperten erwarten, dass die Vorzüge in den Dax rücken, aus dem die Stammaktien herausfallen, wenn der Anteil breit gestreuter Papiere unter zehn Prozent fällt. Mit der Kapitalerhöhung könnte das Indexgewicht von VW steigen. Am Freitag gaben VW-Vorzüge 4,1 Prozent auf 74,67 Euro nach.

"Viel Raum für Fantasie"

"Die Höhe des Kapitalrahmens lässt viel Raum für Fantasie", selbst wenn die neuen Vorzugsaktien 10 bis 20 Prozent billiger ausgegeben werden könnten, sagte Analyst Frank Schwope von der NordLB. Michael Punzet von der DZ Bank rechnete vor, das das Geld auch für eine vollständige Übernahme des Lastwagenbauers MAN reichen würde, an dem VW schon knapp 30 Prozent hält. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech selbst hatte Spekulationen mit der Bemerkung geweckt, dass sich zwölf Marken leichter merken ließen als zehn. Porsche soll die zehnte Marke im VW-Konzern werden.

Zugleich nutzt VW das Aktionärstreffen, um die Sonderrechte für Niedersachsen in der Satzung festzuschreiben, die im Zuge der Porsche-Übernahme ausgehandelt worden waren. Danach soll das Land so lange zwei Aufsichtsratsmitglieder stellen können wie es mit mindestens 15 Prozent an VW beteiligt ist. Eine Sprecherin der Staatskanzlei sagte: "Mit den 15 Prozent gehen wir lieber auf Nummer sicher. Man kann nie ausschließen, dass Niedersachsen in Zukunft unter die 20 Prozent fallen könnte." Ein Verkauf von VW-Aktien sei nicht geplant. In der ursprünglichen Version des - von der EU teils ausgehebelten - VW-Gesetzes waren dem Land zwei Sitze unabhängig von seiner Beteiligung zugesichert worden. Auch die Sperrminorität von 20 Prozent aus dem VW-Gesetz soll in der Satzung verankert werden.

Am Automarkt schlägt sich VW weiterhin besser als der Rest der Branche. Dank eines Absatzzuwachses von zwölf Prozent im September hat der Konzern - zu dem auch Audi, Skoda und Seat gehören - in den ersten neun Monaten den weltweiten Absatz fast konstant gehalten. Mit 4,76 Millionen verkauften Pkw fehlen nur 0,5 Prozent zum Vorjahresniveau. Für 2010 ist Vertriebschef Detlef Wittig pessimistischer: "Das Autojahr 2010 wird schwierig werden, insbesondere in unseren westeuropäischen Kernmärkten", sagte er.  (APA/Reuters)

Share if you care.