Herr Lewis und seine Ansprüche

16. Oktober 2009, 16:31
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Dass der scheidende Boss der Bank of America trotz Bonus-Verzichts nun 125 Millionen Dollar erhalten könnte, sorgt für große Aufregung

Charlotte - Bei der krisengeplagten Bank of America sorgen ein Milliardenverlust sowie Millionenzahlungen an den scheidenden Konzernchef für neue Aufregung. Der staatlich gestützte Finanzkonzern ist im dritten Quartal mit einem Minus von mehr als 2,2 Mrd. Dollar (1,5 Mrd. Euro) überraschend tief in die roten Zahlen gestürzt.

Aktienoptionen, Pensionsansprüche

Als ersten Top-Banker der Wall Street zwingt die US-Regierung nun den zum Jahresende abtretenden Konzernchef Kenneth Lewis zum Verzicht auf einen Bonus und sein 1,5 Mio. Dollar schweres Grundgehalt für 2009. Der Haken: Dem 62-Jährigen stehen dennoch Aktienoptionen und Pensionsansprüche von womöglich bis zu 125 Mio. Dollar zu.

Lewis hatte sich mit der spektakulären Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch vor rund einem Jahr verhoben. Der Bank aus Charlotte (North Carolina) wird zudem in imageschädigenden Rechtsstreits vorgeworfen, ihre Aktionäre falsch informiert zu haben.

Der von US-Präsident Barack Obama in der Finanzkrise ernannte "Gehalts-Kontrolleur" Kenneth Feinberg setzte bei Lewis die Einbußen für 2009 durch, wie ein Sprecher der Bank am Freitag bestätigte. Auf frühere Gehaltsansprüche hat Feinberg keinen Zugriff. Ein spezielles Gesetz greift erst ab 2009.

Kritik an "viel zu niedrigen" Einschnitten

Hinter den Kulissen wird laut US-Medien aber noch um die Höhe der Ansprüche von Lewis für seine insgesamt vier Jahrzehnte in der Bank gerungen. Die Zahlen für das Paket aus Pensionsansprüchen und anderen Aktienoptionen schwanken zwischen 69 und bis zu 125 Mio. Dollar.

Kritiker nannten die Einschnitte für Lewis viel zu niedrig. Aus der Bankenbranche kamen dagegen erneut heftige Proteste gegen den Eingriff der Regierung. Der Sprecher der Bank of America sagte: "Herr Lewis hatte das Gefühl, dass es nicht im besten Interesse der Bank of America gewesen wäre, sich mit dem Gehaltskontrolleur zu streiten."

Überzogene Boni gelten als eine der Ursachen der Finanzkrise. Besonders Deutschland macht sich für Begrenzungen stark. Beim G-20-Regierungsgipfel wurden vor kurzem neue Regeln vereinbart.

Institute im Fokus

"Bonus-Wächter" Feinberg nimmt aktuell die Vergütungen vieler US-Häuser unter die Lupe, die vom Staat gestützt wurden. Darunter sind auch die Citigroup und der einst weltgrößte Versicherer AIG. Die Bank of America erhielt 45 Mrd. Dollar Staatshilfe. Spätestens bis Monatsende will Feinberg seine Urteile gefällt haben.

Nach dem unerwartet hohen Quartalsverlust der Bank of America fiel die Aktie im vorbörslichen US-Handel. Das Ergebnis drückten erneute Milliarden-Belastungen durch faule Kredite. Ein Jahr zuvor hatte die Bank noch einen Überschuss von 704 Mio. Dollar erzielt.

Investmentbanking mit Gewinn

US-Rivale JP Morgan und die führende Investmentbank Goldman Sachs hatten in den Tagen zuvor mit überraschend hohen Gewinnen geglänzt. Die krisengeschüttelte Citigroup dagegen blieb mit einem erneuten Milliardenloch wie die Bank of America ein Sorgenkind der Branche.

Immerhin machte bei der Bank of America das Investmentbanking rund um Merrill Lynch Gewinne. Für das hohe Minus unter dem Strich sorgten auch Milliarden-Dividenden vor allem an den Staat für die erhaltenen Finanzspritzen. Sonst wäre der Verlust mit 1,0 Mrd. Dollar geringer ausgefallen. (APA)

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    Kenneth Lewis wurde von der US-Regierung zum Bonus-Verzicht gezwungen, dennoch hat er hohe Ansprüche.

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