Internet-Sucht: Oft als Ersatz für soziale Beziehungen

16. Oktober 2009, 13:50
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Scharer: Nicht die Augen verschließen - Professionelle Hilfe suchen

Elektronische Unterhaltungsmedien sind integraler Bestandteil des Alltags und nahezu überall anzutreffen - zu Hause, in der Schule und in Bibliotheken. Bei den meisten stelle die Internet- und PC-Nutzung kein Problem darstellt, doch wenn allerdings die Bedeutung des Computers so groß sei, dass andere Dinge wie Familie, Beruf oder Schule vernachlässigt werden, wird es problematisch. "Sucht hat immer etwas mit Suche nach etwas zu tun", so Salzburgs Gesundheits- und Soziallandesrätin Erika Scharer (S) am Freitag bei einem Pressegespräch.

Stabilität und Sicherheit

"Menschen sehnen sich nach Halt, Zuwendung, Anerkennung, Liebe und Geborgenheit. Gerade aber in instabilen und stürmischen Zeiten fehlt vielen Menschen die Sicherheit, nach der sie sich sehnen", sagte Scharer. Viele Menschen meinten dann, im Internet, im Chat-Room, beim Online-Spiel oder beim Online-Sex-Konsum diese Stabilität und Sicherheit zu erhalten.

Wenn das Internet dann zum Ersatz für soziale Beziehungen werde, könne es schnell in die Abhängigkeit führen. "Denn in der Realität erleben Internetabhängige keine echte sinnliche Beziehung, die Folge ist jedoch wiederum Einsamkeit und durch die Einsamkeit ausgelöst wieder ein erneuter Einstieg in die virtuelle Welt. Internetsüchtige sind ständig dem Gefühl ausgesetzt, online sein zu müssen, sonst glauben sie, etwas zu versäumen", erläuterte die Landesrätin. Man dürfe man vor der wachsenden Problematik nicht die Augen nicht verschließen.

44.610 Schülern im Alter von 15 Jahren

Im Jahr 2007 und 2008 wurde eine Studie in Deutschland an 44.610 Schülern im Alter von 15 Jahren durchgeführt. 4,3 Prozent der Mädchen und 15,8 Prozent der Buben wiesen ein exzessives Spielverhalten mit mehr als 4,5 Stunden täglicher Computerspielnutzung auf, drei Prozent der Burschen und 0,3 Prozent der Mädchen wurden als computerspielabhängig und weitere 4,7 Prozent der Buben und 0,5 Prozent der Mädchen als gefährdet diagnostiziert. Derzeit gibt es dazu keine repräsentativen Daten in Österreich.

Prävention kann sowohl in der Schule als auch im Elternhaus erfolgen. Für die PC-Nutzung bei Jugendlichen wird empfohlen: Keine PC im eigenen Zimmer, bestimmte Spielzeiten vereinbaren, Eltern sollen Kinder und Jugendliche zu anderen Aktivitäten und Hobbies motivieren und gemeinsame Ziele definieren. Professionelle Hilfe suchen. (APA) -

 

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