"Dr. Austria" und "Piefke-Gebühr"

16. Oktober 2009, 13:53
123 Postings

Österreich als Land, "wo es sich so schön studiert" - Ausgleichszahlungs-Idee sorgt für "müdes Lächeln in Berlin

Wien - Resonanz hat die Diskussion über den Ansturm deutscher Studenten an österreichische Unis und mögliche Ausgleichszahlungen auch in deutschen Medien hervorgerufen. Am Mittwoch widmeten sich der ARD-Hörfunk ("Studi-Tourismus in die Alpenrepublik") und die "Financial Times Deutschland" ("Piefke-Gebühr"), am Donnerstag titelte die "Welt" einen Artikel "Wo es sich so schön studiert" und die "Süddeutsche Zeitung" mit "Dr. Austria", am Freitag vermeldete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kurz den Appell von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) an die Unis, vom "Notfallparagrafen" für Zugangsbeschränkungen Gebrauch zu machen. Ansonsten wurde darüber kaum berichtet.

In der ARD ortet man in Österreich "fieberhafte Überlegungen, wie man die Deutschen wieder los wird". Während "der bürgerlich-konservative Koalitionspartner ÖVP gegen die heimische Bildungspolitik stänkert und einen Obulus von den Studenten fordert, will Österreichs sozialdemokratischer Bundeskanzler Werner Faymann von einer Wiedereinführung der Studiengebühren nichts wissen". Zum Vorschlag der Grünen eines "internationalen Uni-Finanzausgleichs" etwa für deutsche Studenten an österreichischen Unis heißt es: "Aus Berlin gibt es dazu nur ein müdes Lächeln."

Drei Gründe gegen Österreich

Die "Financial Times Deutschland" ortete "für junge Deutsche mindestens drei Gründe, nicht in Österreich zu studieren. Erstens: International gelten die dortigen Hochschulen bestenfalls als mittelmäßig. Zweitens: Eine neue Sprache lässt sich in der Alpenrepublik eher nicht erlernen. Und drittens: Wenn stimmt, was eine Bayerin, die in Innsbruck Medizin studiert, kürzlich der 'Tiroler Tageszeitung' berichtete, dann sind die Zeiten für Deutsche an österreichischen Universitäten eher ungemütlich: 'Einige geben uns deutlich zu verstehen, dass wir nicht willkommen sind.'"

"Die Welt" berichtet vor allem vom wachsenden Zustrom deutscher Studenten nach Salzburg, und konstatiert: "Die 'Piefkes' sind an österreichischen Hochschulen so alltäglich geworden, dass sich kaum noch jemand die Mühe macht, sie so zu nennen."

Die "Süddeutsche Zeitung" wiederum zieht Parallelen zwischen dem Unmut über den Ansturm deutscher Studenten und dem "traditionellen Argwohn" gegenüber Zuwanderern - "wobei es stets eine klare Trennlinie gab: Solche aus dem Westen Europas, besonders aus Deutschland, waren eher willkommen, solche aus dem Osten, der Türkei oder noch ferneren Gefilden eher ungelitten. Seit aber immer mehr Deutsche zum Studieren und Arbeiten nach Österreich kommen, treffen auch sie zunehmend auf Skepsis." Zitiert wird außerdem die Präsidentin der deutschen Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel: Sie äußerte zwar Verständnis für die Sorgen Österreichs, Ausgleichszahlungen lehnte sie aber ab. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Die Welt" schreibt: Die 'Piefkes' sind an österreichischen hochschulen so alltäglich geworden, dass sich kaum noch jemand die Mühe macht, sie so zu nennen."

Share if you care.