Neue Daten vom Rand unseres Sonnensystems

17. Oktober 2009, 17:17
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Messungen der US-Raumsonde IBEX haben zur ersten umfassenden Himmelskarte unseres Sonnensystems geführt

Washington - Ein Jahr nach ihrem Start hat die US-Raumsonde IBEX neue Informationen aus den relativ unbekannten Grenzbereichen unseres Sonnensystems gesammelt. Die Bilder und Messergebnisse von IBEX (Interstellar Boundary Explorer) seien "ausgesprochen bemerkenswert", weil sie "Phänomene dokumentieren, die nicht zu unseren Theorien und aktuellen Modellen über diese Region passen", sagte NASA-Experte David McComas im texanischen San Antonio.

Mehr Licht als erwartet

IBEX habe erstmals kartographische Informationen über die sogenannte interstellare Grenze geliefert, an der das Sonnensystem auf den offenen galaktischen Raum trifft. Dort vermischen sich der heiße Sonnenwind und die kalte interstellare Materie, ein Gemisch aus Gas und Staub. Zu den interessantesten Befunden zählte McComas, dass es im Grenzbereich der Heliosphäre - dem blasenförmigen Einflussbereich der Sonnenwinde um unser Sonnensystem - mehr Licht gibt als bisher erwartet.

"Während wir in diesem interstellaren Grenzbereich, wo das Sonnenlicht Dutzende Milliarden Kilometer von der Erde entfernt endet, nur ganz schwache Variationen erwartet haben, hat IBEX uns einen sehr feinen Lichtschleier gezeigt", sagte McComas. Dieses Licht sei "zwei bis dreimal intensiver als der Himmel in der Region um die Heliosphäre".

In der Grenzregion

Die Region an der Grenze des Sonnensystems ist von großer Bedeutung, weil sie die Erde weitgehend vor der gefährlichen kosmischen Strahlung schützt. In dem von IBEX untersuchten Übergangsgebiet kollidieren heiße Sonnenwinde mit Teilchen aus anderen Regionen der Milchstraße. Außerdem pulsieren dort mehrere starke Magnetfelder. Der von IBEX dokumentierte Lichtschleier scheint nach den Worten von McComas unter dem Einfluss eines kosmischen Magnetfelds zu stehen; der Einfluss der interstellaren Umgebung auf die Heliosphäre scheine größer zu sein als bisher angenommen.

In den vergangenen Monaten haben die Sondeninstrumente die Verteilung verschiedener Partikel in der gesamten Grenzschicht kartografiert und dabei die große Ansammlung von elektrisch neutralen Atomen entdeckt, die durch die Interaktion von geladenen Teilchen im Sonnenwind und der interstellaren Materie entstehen. Dabei wird kein Licht emittiert, das von konventionellen Teleskopen aufgefangen werden könnte, wurde von Seiten der NASA betont. "Der schmale Streifen heller Details oder Emissionen ähnelt keinem der heute gängigen theoretischen Modelle dieser Region", unterstrich McComas die Bedeutung der Daten.

Sonden

Die Befunde wurden im US-Magazin "Science" in insgesamt fünf Artikeln veröffentlicht. IBEX erkundet - ausgerüstet mit hochempfindlichen Spezialinstrumenten - die Grenzschicht zwischen unserem Sonnensystem und dem interstellaren Raum von der Erdumlaufbahn aus. Die wenigen Informationen über die entfernte Region stammen von den 1977 ins All geschossenen Sonden Voyager 1 und 2. Diese haben die Ausläufer des Sonnensystems bereits erreicht und senden bis heute Daten mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Voyager 1 erreichte Ende 2004 ein Gebiet, das die Wissenschafter als "Termination Shock" bezeichnen. Dort treffen die Sonnenwinde auf interstellare Gase. Voyager 2 erreichte 2007 die Sonnenscheide, den äußersten Bereich des Sonnensystems, in dem noch Sonnenwinde vorkommen. Die Wissenschafter rechnen damit, dass der Kontakt zu der Sonde 2020 abbrechen dürfte, weil die Plutonium-Generatoren immer schwächer werden. (APA/red)

  • Die von IBEX entdeckte Emissionsregion wurde für diese Illustration als dünne sphärische Schale um unsere Sonne dargestellt. Die geöffnete Schale zeigt die darin enthaltene Himmelskarte.
    illustration: nasa/goddard space flight center scientific visualization studio

    Die von IBEX entdeckte Emissionsregion wurde für diese Illustration als dünne sphärische Schale um unsere Sonne dargestellt. Die geöffnete Schale zeigt die darin enthaltene Himmelskarte.

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