Tag gegen Menschen-
handel: 2,7 Millionen Opfer weltweit

16. Oktober 2009, 13:42
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7.000 allein in Wien - 1,2 Millionen sind minderjährig

Wien - 2,7 Millionen Erwachsene und Kinder weltweit fallen jährlich Menschenhändlern zum Opfer. Natürlich seien besonders die ärmeren Herkunftsstaaten betroffen, aber auch Österreich sei als Ziel- und Transitland involviert. Das betonte Außenminister Michael Spindelegger am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien anlässlich des EU-Tages gegen Menschenhandel am Sonntag. "Wir kämpfen dagegen und dürfen hier nicht wegschauen."

"7.000 ausländische Opfer von Menschenhandel gibt es allein in Wien", sagte Spindelegger unter Berufung auf Zahlen der internationalen Organisation für Migration (IOM). Bei der Bekämpfungen seien gemeinsame Maßnahmen auf EU-Ebene wichtig, zudem müsse Wien als Drehscheibe internationaler Organisationen genützt werden. Gemeinsam mit NGOs werde Österreich einen nationalen Aktionsplan gestalten. Ein weiterer Schritt sei die Schulung von Mitarbeitern, zum Beispiel bezüglich Verdachtsmomenten bei Visa-Anträgen.

Innenministerin Maria Fekter betonte die Bedeutung grenzüberschreitender Kooperationen: "Es ist ein internationales Problem, daher ist es notwendig, dass man bereichs- und länderübergreifend zusammenarbeitet." Ein Schwerpunkt seien bettelnde und stehlende Kinder, "die wir in erster Linie einmal als Täter definieren, aber als Opfer sehen müssen", betonte sie. Ein Problem diesbezüglich stelle die unvollständige Registrierung von Geburten in Rumänien und Bulgarien dar. "Daher ist es häufig schwierig, Kinder ihren tatsächlichen Eltern zurückzugeben und wir wollen Kinder nicht zurück in das mögliche Herz der Kriminalität geben", so Fekter. Wer in Österreich "streunende" Minderjährige auf der Straße wahrnehme, solle umgehend die Polizei verständigen.

Schlepperei

Bezug nahm Fekter auch auf ein anderes Delikt, dass häufig mit Menschenhandel einhergeht: Schlepperei. Nach dem kürzlichen Aufgriff von 64 illegal transportieren Kurden in Niederösterreich tauchten 58 der Opfer binnen weniger Stunden unter. "Die Schlepperorganisation hat sofort weiter agiert", so Fekter. Die Kriminellen hätten die Geschleppten an ihren Zielort verbracht, um sie dort auszubeuten - ihr Asylverfahren in Österreich hätten sie dadurch gar nicht abwarten können. Bezüglich Kritik an dem Verschwinden der Kurden verwies Fekter auf die Rechtslage: "Flüchtlinge haben Bewegungsfreiheit und sind nicht eingesperrt."

Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hob bei der Pressekonferenz die notwendige Bewusstseinsbildung bei Richtern und Staatsanwälten hervor. Gefordert sei aber auch die Bevölkerung: Wenn 30 bis 40 Kinder in Wohnungen zusammengepfercht werden, "muss man an die Zivilcourage appellieren", betonte sie. Menschenhandel sei die moderne Form der Sklaverei des 21. Jahrhunderts zu der neben Prostitution auch die Ausbeutung von Arbeitskraft und Organentnahme zähle.

Laut UNICEF sind 1,2 Millionen der weltweiten Opfer minderjährig, erklärte Familienstaatssekretärin Christine Marek. "Unser Problem ist, dass Kinderhandel großteils im Verborgenen stattfindet." Kinderbuch-Autor Thomas Brezina verwies als UNICEF-Botschafter auf das schwere Schicksal der betroffenen Mädchen und Buben: "Ganz wichtig ist es, aber auch festzuhalten, dass Kinderhandel nur wegen der schrecklichen Armut auf der ganzen Welt möglich ist", meinte er. "Die Kinder sind keine bösen Verbrecher, sondern handeln aus tiefer Not. Das sind keine Täter, das sind Opfer, denen etwas Schreckliches angetan wurde." (APA)

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