"Großzügiges Angebot mit viel Gestaltungsmöglichkeiten" lockte zurück - War seit 1995 Professor an University of Pittsburgh
Wien/Salzburg - Der Allgemeinheit ist er durch seine
Analysen der US-Innenpolitik bekannt, in der Wissenschaftsszene war
er einer der prominentesten österreichischen Forscher in den USA. Nun
ist der Politikwissenschafter Reinhard Heinisch nach mehr als 20
Jahren akademischer Karriere in den Vereinigten Staaten wieder nach
Österreich zurückgekehrt. Der 46-Jährige, der seit 1995 Professor an
der University of Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) war, hat
mit Beginn des neuen Studienjahres eine Professur sowie die Leitung
der Abteilung Politikwissenschaft an der Universität Salzburg
übernommen.
"Es war nicht geplant, ich hatte auch keinen großen Rückkehrwunsch
mehr", betonte Heinisch im Gespräch mit der APA. Allerdings habe er
durch die Kontakte mit dem Verein ASCINA (Austrian Scientists and
Scholars in North America) und dem österreichischen
Vernetzungs-Programm "Brainpower" in den vergangenen Jahren wieder
verstärkt Kontakt mit Österreich gehabt und zum Nachdenken begonnen.
Überzeugt hat ihn schließlich "ein sehr großzügiges Angebot des
Salzburger Rektors, mit sehr viel Gestaltungsmöglichkeiten".
Dazu gekommen sind auch mangelnde Karrieremöglichkeiten in den
USA: "Wenn man hier einmal Full-Professor ist, ist man kaum noch
vermittelbar." Er sei auf einer durchaus "sehr angenehmen Stelle"
gesessen, durch den "Tenure" sicher und zu 100 Prozent von der Uni
bezahlt, "aber ich wusste auch, das geht 20 Jahre so weiter". Zudem
würden die administrativen Aufgaben zunehmen, man widme sich eher der
Systemerhaltung.
Dagegen sei die Professur in Salzburg eine interessant, spannende
neue Aufgabe. Die Stelle - es ging um die Nachfolge "Österreichische
Politik" - sei auf Basis des Konzepts Heinischs umdefiniert worden in
"Österreich im internationalen Vergleich". Es gehe dabei um eine Art
Außensicht auf Österreich, "und das ist spannend, weil es das bisher
in Österreich in dieser Form nicht gibt", so Heinisch. Ziel sei, sich
"Österreich von außen anzunähern und es als unbekanntes Wesen, als
Exotikum, zu sehen und zu beforschen". Der Fokus liege dabei auf
Wirtschaftspolitik und Rechtspopulismus.
US-Unis können sich Rolle aussuchen
Natürlich hatte Heinisch Bedenken ob seines Wechsels von einer
großen zu einer kleineren Uni. "Es geht aber nicht so sehr ums
Ranking der Uni, sondern um die Frage, wie kann ich selber forschen."
Zu seinen Forschungsthemen Mitteleuropa und Österreich im
internationalen Vergleich sei es in den USA oft schwieriger zu
arbeiten als in Österreich. Zudem habe es in Salzburg "großzügige
Dotationen, etwa was den Ankauf großer Datenbanken betrifft,
gegeben". Und man versuche, durch Technologie "einiges
auszugleichen", etwa durch die Installation eines Satellitensystems,
um die maßgeblichen US-Nachrichten verfolgen zu können.
Kulturschock hat Heinisch noch keinen erlebt, auch wenn die ersten
Kontakte "ein wenig gewöhnungsbedürftig" gewesen seien. Die
Berufungsverhandlungen seien aber "erstaunlich einfach und angenehm"
abgelaufen. Das österreichische Uni-System habe sich seit seinem
Weggang gewaltig verändert, mittelgroße Unis wie Salzburg hätten aber
das Problem, sich mehreren Aufgaben gleichzeitig widmen zu müssen.
"Sie müssen regionale Uni sein, sie wollen auch international
mithalten, müssen Forschung machen - es ist immer schwierig, wenn man
all das gut machen muss". Da hätten es die US-Unis einfacher, die
sich ihre Rolle aussuchen und sich entsprechend orientieren könnten.
"Langfristig wird es auch hier eine Spezialisierung geben müssen,
meinte der Politikwissenschafter.
Heinisch, geboren am 23. Februar 1963 in Klagenfurt, absolvierte
sein Politikwissenschaftsstudium an der Uni Wien, ging 1986 mit einem
Fulbright-Stipendium in die USA und machte dort seither seine
akademische Karriere. 1987 absolvierte er an der Virginia Tech seinen
Master und 1994 an der Michigan State University sein PhD. Er
wechselte anschließend an die University of Pittsburgh, wo er seit
1995 Professor für Politikwissenschaften und Direktor für
Internationale Studien ist. (APA)