Kuscheln, spielen, niesen

18. Oktober 2009, 18:10
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Auf Tierhaaren gibt es Eiweißstoffe, die das menschliche Immunsystem in dauernde Alarmbereitschaft versetzen können

Kinder wünschen sich Haustiere. Wenn ein Hund, eine Katze oder ein kleiner Nager in die eigenen vier Wände einziehen soll, sind im Vorfeld allerdings viele Fragen zu klären: Welches Tier soll es sein, ist Tierhaltung in der Wohnung erlaubt, wer macht sauber, was kostet der Unterhalt? Selten wird daran gedacht, dass ein Familienmitglied auf den neuen Mitbewohner allergisch reagieren könnte. "Allergien gegen Haustiere spielen eine wichtige Rolle, sie sind nach Pollen und Hausstaubmilben der drittwichtigste Auslöser", sagt Stefan Wöhrl, Oberarzt an der Universitätsklinik für Dermatologie der Medizinischen Universität Wien. Etwa zwischen zwei und vier Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Ist die allergische Reaktion stark, hilft meist nur, sich vom Haustier zu trennen.

Favorit Katze

Als Auslöser der Allergie gelten bestimmte Proteine in Speichel, Hautschuppen, Talg oder Urin der zumeist behaarten Tiere. Am häufigsten reagieren Menschen auf Katzen, zur Hochrisikogruppe gehören aber auch Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten, Mäuse und Goldhamster. Bei Hunden und Pferden besteht meist nur ein mittleres Risiko, bei Vögeln lediglich ein geringes. Bei felllosen Haustieren wie Fischen, Amphibien und Reptilien dagegen ist es gelegentlich das Futter, das Reizungen auslösen kann.

Vor allem Eltern, die ihrem Kind den Wunsch nach einem Haustier erfüllen wollen, sollten das Risiko im Vorfeld überprüfen, bevor dann später das Tier möglicherweise wieder abgegeben werden muss. "Studien mit mehr als 30.000 Kindern zeigen, dass es keinerlei Einschränkungen bei der Wahl des Tieres gibt, wenn das Kind kein hohes Allergierisiko besitzt", sagt Wöhrl. Neben bereits bestehenden Allergien ist der wichtigste Risikofaktor für eine allergische Erkrankung ein an Allergien oder Neurodermitis leidender Verwandter ersten Grades. Studien zeigen aber auch bei Risikokindern, dass zumindest ein Hund nicht schadet, wenn er bei der Geburt des Kindes bereits im Haushalt ist. Gefährdet für eine Allergie sind aber auch die anderen Familienmitglieder, denn die Allergene haften an Tierhaaren und Hausstaub und sind so für Monate im gesamten Haushalt.

Vorzeichen erkennen

Oft bringt schon ein Besuch bei anderen Tierhaltern erste Hinweise auf mögliche allergische Probleme. Einen Allergietest, der das persönliche Risiko misst, auf das geplante Haustier allergisch zu reagieren, gibt es aber nicht. Alle Tests können nur den aktuellen Status feststellen, aber nicht in die Zukunft schauen. Bei einem Prick-Test träufelt der Arzt eine Mischung der häufigsten Tierallergene auf die Haut und ritzt sie leicht an. Mancher künftige Tierbesitzer bringt auch Haarbüschel des geplanten Haustieres mit, die der Arzt auf die Haut reibt. Reagiert die Haut nach 20 Minuten mit einer Quaddel, ist das Immunsystem bereits sensibilisiert und hat Antikörper gegen die Allergene gebildet. Das Risiko, dass der zukünftige Tierhalter relativ schnell eine Allergie auf sein Tier bekommen wird, ist dann beträchtlich hoch, denn das Immunsystem ist quasi bereit für eine allergische Reaktion. Bei etwa jedem Zweiten kommt es dann beim erneuten Kontakt mit dem Allergen auch tatsächlich dazu. Wie stark die Symptome ausfallen werden, weiß jedoch keiner. Aber auch wenn die Tests negativ ausfallen, bedeutet das nicht, dass der Körper niemals auf das Haustier allergisch reagieren wird. Allergien entstehen oft spontan und nicht selten erst im Erwachsenenalter, besonders wenn bereits andere Allergien vorhanden sind.

Wenig Spielraum

Kommt es zur allergischen Reaktion, sind die Hauptbeschwerden eine laufende Nase, häufiges Niesen, Augenjucken bis hin zu Atembeschwerden und Hustenreiz. Auch eine bestehende Neurodermitis kann sich durch eine Tierallergie verschlechtern. Neueste Studien zeigen aber, dass das Halten eines Hundes sich für Neurodermitiker günstig auswirken kann, im Gegenteil zur Katzenhaltung, die die Symptome eher verschlechtert.

"Die einzig wirksame Therapie ist das Entfernen des Haustieres und damit der Allergene aus dem Haushalt", sagt Wöhrl. Patienten folgen dem wichtigen Rat nur selten. Viele versuchen zunächst die Allergenbelastung im Haushalt zu reduzieren: das Tier aus dem Schlafzimmer zu verbannen, Hände nach Kontakt zu waschen, Kleider mit Kleiderroller zu reinigen und die Wohnung regelmäßig mit einem Hepa-Filter im Staubsauger zu reinigen oder die Böden feucht zu wischen. Nach Absprache wird der Allergologe für kurze Zeit zusätzlich Allergie- oder Asthma-Medikamente verschreiben.

Auch wenn sich die Symptome damit unterdrücken lassen, weiten die Allergene bei jedem Dritten trotz Medikation die Beschwerden mit der Zeit auch auf die Bronchien aus, was zu schwerem Asthma führen kann. "Eine spezifische Immuntherapie, wie sie gegen Pollen, Insektengift und Hausstaub wirkt, ist derzeit aufgrund der hohen Nebenwirkungsrate abzulehnen", so Wöhrl. (Andreas Grote, DER STANDARD Printausgabe, 19.10.2009)

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    Bo, "First Dog" der USA. Der portugiesische Wasserhund löst kaum Allergien aus und war deshalb der Hund der Wahl. Obama-Tocher Malia neigt zu Allergien.

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