Vermeintlicher Überfall auf Zug war nur Bettelei

16. Oktober 2009, 19:27
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Fahrgast soll sich von Bettlern bedroht gefühlt haben

Innsbruck - Eine Gruppe von 13 Rumänen löste Freitagvormittag einen spektakulären Polizeieinsatz am Bahnhof Fritzens-Wattens aus. Eine Passagierin hatte sich auf ihrer Fahrt im Zug von Telfs nach Rosenheim von einer Reisegruppe bedroht gefühlt: Die Gruppe sei immer wieder in Toiletten hinein- und wieder herausgegangen.

Die Frau alarmierte daraufhin den Lokführer. Dieser verständigte die ÖBB-Leitstelle, wo man die Polizei zum Bahnhof Fritzens-Wattens rief. Die Beamten stoppten den Zug noch vor dem Bahnhof und holten die verdächtigen Personen - eine Gruppe bettelnder Rumänen - heraus.

Rasche Entwarnung

Um 13 Uhr wurde in den Radionachrichten von einem möglichen Zugüberfall in Tirol berichtet. Bereits um etwa 14 Uhr gab der Wattener Postenkommandant Michael Kohlgruber aber im Gespräch mit dem Standard Entwarnung: "Es war überhaupt nichts." Aufgrund der dramatischen Meldung und der hohen Anzahl verdächtiger Personen im Zug habe er kurz vor 11 Uhr 14 Polizeibeamte zum Bahnhof Wattens geschickt. Während der Personenkontrollen seien von den Polizisten "keinerlei Delikte" der Rumänen festgestellt worden. Das bedeute, es sei nichts gestohlen worden, und auch die Pässe der vermeintlichen Verdächtigen seien in Ordnung gewesen.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wollte die Ergebnisse der Wattener Polizei nicht abwarten: Bereits um kurz nach halb zwei bezeichnete er die Zustände in Tirol via Austria Presse Agentur als "wie im Wilden Westen". Lange vor Abschluss der Ermittlungen war in seiner Aussendung von einem "glücklicherweise vereitelten Versuch von elf Rumänen, die Passagiere eines Zugs auszurauben" die Rede. Vorsichtshalber forderte Strache außerdem 3000 zusätzliche Polizisten. Polizist Kohlgruber lobte - "auch wenn gar nichts war" - die Zivilcourage der verängstigten Reisenden. (ver, DER STANDARD Printausgabe, 17./18.10.2009)

 

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