Der Chef, der dank Facebook alles weiß

29. Oktober 2009, 17:05
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Egal ob als Bewerber kurz vor dem Job oder schon mitten drin - der Chef liest mit. Was darf ich über meinen Chef sagen, was darf er recherchieren?

In sozialen Netzwerken potentielle Arbeitskräfte überprüfen ist gängige Praxis. Doch auch als Mitarbeiter stellt sich die Frage, was der Chef oder die Personalabteilung über mich wissen darf. Und vor allem: Wie dürfen diese Informationen verwertet werden? Denn schon ein Statusupdate in Facebook kann weitreichende Konsequenzen haben.

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber darf sich über Mitarbeiter und Bewerber informieren, schließlich hat man die Informationen in Facebook und Co. größtenteils selbst veröffentlicht. "Nach den Bestimmungen des Arbeitsrechts kann ein Arbeitgeber ohne Einschränkung in sozialen Netzwerken recherchieren. Das gilt sowohl für potentielle Kandidaten als auch bei aufrechtem Dienstverhältnis", sagt Philipp Maier, Rechtsanwalt und Spezialist für Arbeitsrecht.

Der allwissende Chef

Der Arbeitgeber darf zwar alles wissen, doch nicht alles mit den Informationen machen: " Ein Arbeitgeber darf bei einem Bewerbungsgespräch keine Fragen stellen, die zu tief in die Privatsphäre dringen. Er ist in seinem Fragerecht eingeschränkt", so Maier. Jedoch gibt es keine fixe Grenze dafür. Das hänge von der Position im Unternehmen ab. Der Arbeitgeber dürfe auch keine Fragen stellen, die mit der jeweiligen Position rein gar nichts zu tun hätten. Als Beispiel nennt Maier, dass exzessive Partyfotos zwar für einen leitenden Angestellten durchaus zum Problem werden könnten, aber bei der Bewerbung als einfache Arbeitskraft eher irrelevant sind.

Ähnliches gilt für Beförderungen und Gehaltserhöhungen. "Einem Arbeitnehmer kann eine Beförderung nicht einfach so  verweigert werden, wenn der Vorgesetzte beispielsweise über Facebook erfährt, dass er nicht mit dessen Weltanschauung oder sexuellen Ausrichtung einverstanden ist", sagt der Arbeitsrechtsexperte. Solche Entscheidungen könnten wegen fehlender Gleichbehandlung angefochten werden und Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.

Statusupdate gleich Entlassung?

Anders sieht die Situation aus, wenn jemand das Unternehmen, Kollegen oder Vorgesetzte in sozialen Netzwerken schlecht dastehen lässt oder gar Betriebsgeheimnisse verrät. Da kann ein Statusupdate im schlimmsten Fall sogar zur Entlassung führen. "Der Arbeitgeber braucht einen Grund, der das Arbeitsverhältnis nicht mehr zumutbar macht und ist beweispflichtig. Aber im Gegensatz zu abfälligen Äußerung in der Betriebscafeteria, hat ein Statusupdate in Facebook eine größere Publizität", gibt Maier zu bedenken. Das ziehe auch härtere Konsequenzen nach sich. So könnten Erwähnungen von Kunden des Unternehmens auf Facebook schon ein Problem darstellen.

Eine Suche auf Twitter ergibt schnell, dass das Auslassen über den Job und gar Beschimpfungen nicht selten sind. So könnten dem Twitter-Benutzer Biejou beispielsweise mit der Beleidigung seines Vorgesetzten, oder anderen Äußerungen, die das Ansehen des Unternehmens gefährden, ernsthafte Konsequenzen drohen. Maier betont aber, dass es in Österreich noch keine öffentlichkeitswirksamen Fälle zu dem Thema gegeben habe. Allgemein sei die Rechtssprechung zur Internetnutzung am Arbeitsplatz aber sehr umfangreich. Der Arbeitgeber sei prinzipiell auf der sichereren Seite, wenn er private Internetnutzung verbietet oder Zeitfresser wie Facebook und Co. sperrt. Der Arbeitnehmer, wenn er darauf achtet, was er über sich und seine Arbeit im Netz publiziert. (krm, derStandard.at, 21.10.2009)

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    Videoüberwachung? In sozialen Netzwerken lassen Arbeitnehmer den Chef oft in die Privatsphäre eindringen.

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