Vertrauliche Daten der AWD entwendet

16. Oktober 2009, 17:25
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Eine Datenpanne in Deutschland erschüttert AWD. Es geht um interne Informationen über zehntausende Kunden. Österreich ist nicht betroffen, versichert der Finanzdienstleister und verspricht Aufklärung

Wien/Hannover - Für den hart in das Schussfeld der Kritik geratenen Finanzdienstleister AWD tut sich ei-ne neue Baustelle auf. In Deutschland sind zehntausende Kundendaten entwendet worden. Sie wurden kürzlich dem Norddeutschen Rundfunk zugespielt. Es geht dabei um 27.000 Datensätze: Sie enthalten Nummern der Kunden, ihre Geburtstage und Berufsbezeichnung, Adressen und Vertragsabschlüsse. Diese sind überwiegend noch gültig und machen ersichtlich, welche Kunden wie viel Geld in einer Lebensversicherung angelegt haben.

Die Daten stammen nur aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, versichert Stefan Suska, Sprecher des Konzerns in Hannover auf eine Anfrage des Standard. "Mit Österreich hat das alles nichts zu tun."

Im übrigen seien viele Daten veraltet: Die jüngsten beziehen sich auf 2001, die Mehrheit entspringe der Mitte der 90-er Jahre. Sie seien kurzum "uralt" , was die Sache aber nicht besser mache, räumt Suska ein. Wie die Daten in Umlauf gerieten, sei unklar. AWD hat Anzeige gegen unbekannt erhoben, eine interne Arbeitsgruppe will sich nun der heiklen Causa annehmen.

Eine ähnliche Panne zieht bei der Deutschen Telekom weite Kreise. Vertriebspartner und Call-Center-Betreiber sollen riesige Datenmengen aus ihren Beständen entwendet und manipuliert haben.

Prozessauftakt nächste Woche

Für AWD wird es nächsten Donnerstag auch in Österreich ernst: Es ist Prozessauftakt, am Handelsgericht Wien wird die erste Teil-Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation verhandelt.

Die Konsumentenschützer werfen AWD vor, ihre Kunden systematisch fehlberaten zu haben und wollen das mit den Zeugenaussagen von zehn ehemaligen Beratern des Unternehmens untermauern. Für den VKI geht es beim ersten Gerichtstermin um viel, sagt Chefjurist Peter Kolba. Sein Verein pocht darauf, dass die Causa als Sammelklage abgewickelt wird. AWD hingegen will die Fälle einzeln abhandeln und sieht sich einer Hetzjagd ausgesetzt. Der Konzern zeigt sich bereit, Zahlungen zu leisten, sollte es in Einzelfällen zu Fehlverhalten gekommen sein. Die systematische Fehlberatung weist er zurück.

Aus Kolbas Sicht liegt die Angelegenheit auf der Hand: Er vertritt 2500 Anleger, die durch AWD einen finanziellen Schaden von insgesamt 30 Millionen Euro erlitten. "Das in Einzelfällen abzuhandeln wäre schlicht unfinanzierbar und führt zu keiner Klärung."

Berater auf dem Prüfstand

Die AWD sei bisher stets mit Gesprächsprotokollen angerückt, die klar von dem abwichen, was Anlegern mündlich zugesichert wurde. Von Aktien der Immofinanz, die sicher seien wie ein Sparbuch, sei die Rede gewesen, und von so gut wie mündelsicheren Papieren. Das alles decke sich nicht mit den einheitlichen Protokollen, in denen sehr wohl von etwaigen Risiken zu lesen ist, sagt Kolba. "Bei Beratungen handelt es sich um individuelle Ereignisse. Über die Tatsache kann sich der VKI nicht hinwegsetzen" , heißt es dazu bei der AWD.

Ein Berater des Konzerns musste sich gestern, Freitag, vor Gericht verantworten. Er soll die Unterschrift eines Kunden gefälscht haben und ihm 15.000 Euro angeboten haben, um nicht aufzufliegen, berichtet das Magazin News. AWD spricht von einem Einzelfall. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.10.2009)

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