Macht Schokolade Pickel?

  • Die Akne vulgaris ist eine entzündliche androgenabhängige Erkrankung der Talgdrüsen.
    foto: wiener akh/jolanta schmidt

    Die Akne vulgaris ist eine entzündliche androgenabhängige Erkrankung der Talgdrüsen.

Die Beweislage ist denkbar schlecht, trotzdem konstatiert die Fachwelt überzeugend: Hyperglykämische Kohlenhydrate fördern die Entstehung der Akne vulgaris

Was die Pathophysiologie, Pathogenese und Therapie betrifft, gibt die Akne vulgaris keine großen Rätsel mehr auf. Das Wissen um eine der häufigsten Erkrankungen in der dermatologischen Praxis ist immens, trotzdem steht eine Frage noch häufig im Raum: Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verzehr einzelner Nahrungsmittel und der Entstehung von Akne?

„Es existiert eine starke Wechselwirkung zwischen Insulin und dem Androgenstoffwechsel", erwähnt Jolanta Schmidt, Leiterin der Akneambulanz an der Universitätsklinik für Dermatologie am Wiener AKH die Hypothese, mit der sich die Wissenschaft den Einfluss bestimmter Nahrungsmittel auf die Haut erklärt. Konkret geht es dabei nur um so genannte hyperglykämische Kohlenhydrate. Schokolade, Pommes, Weißbrot, Cola und Co gehören dazu. Ihre Auswirkungen auf den Kohlenhydratstoffwechsel werden in Zeiten wie diesen allerorts hinauf und hinunter gepredigt. 

Blutzuckerspiegel und Androgene steigen

Hyperglykämische Kohlenhydrate machen dick, weil sie den Blutzuckerspiegel rapide erhöhen, damit eine hohe Insulinausschüttung induzieren, die Kohlenhydratspeicherung in Form von Glykogen anregen und bei vollem Speicher den Überschuss in Fettreserven umwandeln. Das Fatale an der ganzen Geschichte: Das Sättigungsgefühl ist von unbefriedigend kurzer Dauer, denn der Blutzuckerspiegel sinkt genauso schnell ab, wie er zuvor ansteigt. Deshalb kommt, was kommen muss - der Körper verlangt Nachschub und das rasch.

Nun, der Mensch wäre nicht ein so hochkomplexes Wesen, würden nicht sämtliche Organe und Gewebestrukturen und Zellen auch untereinander agieren. Somit erscheint es nur logisch, dass hochglykämische Nahrungsmittel nicht nur das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin beeinflussen, sondern außerdem exakt jene hormonelle Veränderung bewirken, die auch in Korrelation mit der Entwicklung von Akne steht.

Als hauptverantwortlich für die Entstehung der Akne vulgaris zeichnen sich dabei die Androgene. Diese männlichen Geschlechtshormone, die nicht ausschließlich den Männern vorbehalten sind, arbeiten nicht nur in der Pubertät auf Hochtouren, sondern werden auch nach dem Konsum diverser Leckereien im Überschuss produziert. Den Grundstein für die Entwicklung von Mitessern und Pickeln legen die Androgene, indem sie die Talgdrüsenaktivität und die Verhornung im Taldrüsenausführungsgang steigern.

Polycystisches Ovar und Akne

Wissenschaftliche Beweise in Form repräsentativer Studien gibt es dazu nicht, umso größer ist Jolanta Schmidts persönliches Interesse an diesem Thema. Gemeinsam mit Ihrem Team ist sie derzeit darum bemüht übergewichtige pubertierende Mädchen mit Akne und Zyklusstörungen für eine Untersuchung zu gewinnen. „Wir wollen herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen dem polycystischen Ovarsyndrom, einem latenten Diabetes mellitus und der Akne vulgaris gibt", so die Wiener Akneexpertin. Das PCO oder Stein-Leventhal-Syndrom ist eine hormonelle Störung die zu einer erhöhten Konzentration männlicher Hormone im weiblichen Organismus führt und in der Folge mit Zyklusstörungen bis zur Unfruchtbarkeit einhergeht. „Die Akne kann hier ein wichtiger Hinweis darauf sein, dass ein PCO-Syndrom vorliegt beziehungsweise ein latenter Diabetes", ergänzt Schmidt und erhofft sich in Folge frühere Diagnosen und neue therapeutische Möglichkeiten, die nicht nur dem polycystischen Ovar, sondern auch der Diabetes und der Akne zweckdienlich sind. (Regina Philipp, derStandard.at, 21.10.2009)

Kontakttelefonnummer für Patientinnen, die interessiert sind an der Studie teilzunehmen:
Tel . 40400 / 7700 oder 7701

Sie fragen, wir antworten

Medizinische Fragen auf dem Prüfstand - Schicken Sie uns Ihre Fragen: gesundheit@derStandard.at


Share if you care