Bulgarin erste Frau an der Spitze der UNESCO

15. Oktober 2009, 22:55
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Bokowa erhielt 166 Stimmen - 182 Staaten wahlberechtigt

Paris - Die bulgarische Diplomatin Irina Bokowa wird die erste Frau an der Spitze der UNESCO. Vertreter aus den 193 Mitgliedstaaten der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation wählten die 57-Jährige am Donnerstag in Paris zur Nachfolgerin des Japaners Koichiro Matsuura. Dessen Amtszeit als Generaldirektor endet Mitte November nach zehn Jahren. Eine Wiederwahl war nicht mehr möglich.

Bokowa bekam in der geheimen Abstimmung 166 Stimmen. 182 Staaten waren wahlberechtigt. Sie freue sich, dass ihr "Ruf nach Humanismus" Gehör gefunden habe, sagte Bokowa nach der Wahl. Sie wolle die UNESCO mit all ihren Mitarbeitern in eine neue Ära führen.

Mit dem Votum bestätigte die Vertreter der Mitgliedstaaten die Vorentscheidung des UNESCO-Exekutivrats. Bokowa hatte sich dort im September in einer geheimen Stichwahl gegen den ägyptischen Kulturminister Farouk Hosni (Faruk Husni) und sieben weitere Kandidaten durchgesetzt, darunter auch EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Diese hatte sich aber aus dem Rennen zurückgezogen, nachdem Bokowa größere Chancen eingeräumt wurden, Hosni zu schlagen.

Diplomatischer Machtkampf

Dem lange als Favorit gehandelten Hosni waren israelfeindliche Äußerungen vorgeworfen worden. Menschenrechtsorganisationen, Intellektuelle und Politiker hatten dazu aufgerufen, den 71-jährigen Ägypter nicht zu wählen. Die Vorwürfe hatten einen wochenlangen diplomatischen Machtkampf ausgelöst.

Zuletzt hatte Libyen gedroht, die Zusammenarbeit mit der UNESCO einzustellen, sollte Bokowa neue Generaldirektorin werden. Man sei nicht gewillt, in einer Organisation Mitglied zu sein, die von einer Person aus Bulgarien geführt werde, hieß es von der Delegation. Als Grund nannte das nordafrikanische Land die Begnadigung von sechs Krankenhausmitarbeitern 2007 durch den bulgarischen Präsidenten. Diese waren in Libyen zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil sie angeblich in einem Krankenhaus hunderte Kinder absichtlich mit dem HI-Virus angesteckt hatten.

Die 1945 in London gegründete UNESCO ist in der breiten Öffentlichkeit vor allem für ihre Welterbeliste bekannt. Die mehr als 2000 Mitarbeiter in der Pariser Zentrale und den 58 Außenbüros kümmern sich aber auch um Bildungsprojekte in Entwicklungsländern, den Schutz von Ökosystemen oder Wissenschaftsprogramme. Deutschland ist seit 1951 Mitglied und nach den USA und Japan drittgrößter Beitragszahler. (APA)

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