Goldstone: Viele Kritiker haben den Gaza-Bericht nicht gelesen

15. Oktober 2009, 22:34
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Südafrikanischer Jurist betont Unabhängigkeit

Bern - Der südafrikanische Jurist Richard Goldstone hat die Kritiker seines Berichts zum Gaza-Krieg zum Jahreswechsel kritisiert. "Die meisten Kritiker haben den Bericht gar nicht gelesen", sagte Goldstone am Donnerstag in Bern.

Der Bericht habe 600 Seiten. Die erste Kritik sei bereits zehn Minuten nach dessen Veröffentlichung eingetroffen. "Nicht einmal jemand, der ein Rekordtempo beim Lesen hinlegt, schafft in dieser Zeit 600 Seiten", sagte Goldstone während einer Podiumsdiskussion bei der Jahreskonferenz der Politischen Abteilung VI. des Schweizer Außenministeriums.

"Letzte Instanz"

Er habe völlig unabhängig gehandelt, betonte Goldstone. Es sei einfacher zu sagen, ein Bericht sei falsch, als eine gute Untersuchung zu machen. In solchen Situationen frage er sich auch, weshalb die Staaten selbst keine Untersuchungen zu den Vorkommnissen führten. Die internationale Justiz "muss als letzte Instanz eingesetzt werden", sagte Goldstone.

Die israelische Kritik, wonach die Verarbeitung des Vergangenen den Friedensprozess bremsen könnte, ließ er nicht gelten. So sei schon in den Fällen von Uganda, Darfur oder Südafrika argumentiert worden. Goldstone ist überzeugt, dass es ohne Strafverfolgung im Rahmen der Vergangenheitsbewältigung keinen dauerhaften Frieden geben kann. (APA/sda)

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