Südafrikanischer Jurist betont Unabhängigkeit
Bern - Der südafrikanische Jurist Richard Goldstone hat die
Kritiker seines Berichts zum Gaza-Krieg zum Jahreswechsel kritisiert. "Die
meisten Kritiker haben den Bericht gar nicht gelesen", sagte Goldstone am
Donnerstag in Bern.
Der Bericht habe 600 Seiten. Die erste Kritik sei bereits zehn Minuten nach
dessen Veröffentlichung eingetroffen. "Nicht einmal jemand, der ein Rekordtempo
beim Lesen hinlegt, schafft in dieser Zeit 600 Seiten", sagte Goldstone während
einer Podiumsdiskussion bei der Jahreskonferenz der Politischen Abteilung VI.
des Schweizer Außenministeriums.
"Letzte Instanz"
Er habe völlig unabhängig gehandelt, betonte Goldstone. Es sei einfacher zu
sagen, ein Bericht sei falsch, als eine gute Untersuchung zu machen. In solchen
Situationen frage er sich auch, weshalb die Staaten selbst keine Untersuchungen
zu den Vorkommnissen führten. Die internationale Justiz "muss als letzte Instanz
eingesetzt werden", sagte Goldstone.
Die israelische Kritik, wonach die Verarbeitung des Vergangenen den
Friedensprozess bremsen könnte, ließ er nicht gelten. So sei schon in den Fällen
von Uganda, Darfur oder Südafrika argumentiert worden. Goldstone ist überzeugt,
dass es ohne Strafverfolgung im Rahmen der Vergangenheitsbewältigung keinen
dauerhaften Frieden geben kann. (APA/sda)