US-Magazin fordert Sturz Berlusconis

15. Oktober 2009, 21:43
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"Italien kann sich die Clownereien seines obersten Playboys einfach nicht mehr leisten - Berlusconi: "Tue alles, um geliebt zu werden"

Washington - Mit einem spektakulären Titelbild hat das renommierte US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" den Italienern politischen Rat erteilt: "Dump Berlusconi" (etwa: "Lasst Berlusconi fallen") steht in großen Lettern neben einem Foto des italienischen Ministerpräsidenten auf der am Donnerstag erschienenen Ausgabe des Magazins. In einem dreiseitigen Artikel urteilt "Newsweek": "Italien kann sich die Clownereien seines obersten Playboys einfach nicht mehr leisten."

Berlusconis Neigung zu "Skandalen und Korruption" lasse an den römischen Kaiser Nero oder die berüchtigte Adelsfamilie Borgia aus der Zeit der Renaissance denken, schreibt das Magazin. Berlusconis Eskapaden verminderten Italiens Gewicht auf der internationalen Bühne. Angesichts der Beliebtheit des Ministerpräsidenten sei es möglich, dass dieser noch längere Zeit im Amt bleibe, schreibt "Newsweek" weiter. "Das heißt aber noch lange nicht, dass er im Amt bleiben sollte."

"Ich bin zu gut und gerecht"

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Bojko Borissow in Sofia erneut über sein schwieriges Verhältnis zu den Medien geäußert. "Das Beste ist, geliebt zu werden, und ich tue alles, um geliebt zu werden, nicht nur von den Medien, sondern von allen. Ich bin zu gut und gerecht. Ich hätte gern, dass die Medien es erkennen würden", sagte Berlusconi.

"Wenn die Medienkritik in einem gemäßigten Rahmen bleibt, ist sie sinnvoll, weil sie helfen kann, Mängel zu beseitigen. Wenn man gewisse Grenzen überschreitet und Kritik zur Verleumdung wird, bewirkt sie einen Boomerang-Effekt für denjenigen, der kritisiert. Wenn sie übertrieben und verleumderisch wird, haben die Leute Sympathie für den Verleumdeten", sagte der italienische Premier, der seit Monaten wegen Sexaffären im Rampenlicht der Medien steht.

Trotz der Medienangriffe sei er populärer denn je, versicherte Berlusconi. Seine Popularität betrage laut jüngsten Umfragen 68,7 Prozent. Er habe in seiner Koalition keinerlei Probleme. "Die Koalition ist solide, weil sie sich auf gemeinsame Werte und Programme stützt", so Berlusconi.

Am Donnerstag veröffentlichte die regierungskritische, linksliberale Tageszeitung "La Repubblica" eine Meinungsumfrage, wonach die Popularität des Premiers und Medienzaren im September gegenüber dem Vormonat um zwei Prozentpunkte auf 45 Prozent gesunken ist. Laut der Umfrage liegt die Popularität Berlusconis weit hinter seinem Rekordhoch von 62 Prozent, das er vor Beginn der Skandalserie im vergangenen April erreicht hatte. (APA)

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    Silvio Berlusconi will geliebt werden.

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