Österreich-Ungarn gegen den Prager Burgherrn

15. Oktober 2009, 19:48

Faymann und Bajnai gegen Klaus-Vorstoß zu EU-Vertrag

Eisenstadt (Kismarton) - Vor 100 Jahren gab es in Budapest einen beliebten Stoßseufzer. "Nicht schon wieder was Gemeinsames" , hieß es, wenn wieder eine kaiserlich und königliche Kommission ins Leben gerufen wurde, um die Angelegenheiten des gemeinsamen Staates am Laufen zu halten.

Jetzt, 100 Jahre danach, ist die ungarische Wahrnehmung auch anderweitig geschärft worden. "Österreich und Ungarn" , sagte der magyarische Ministerpräsident Gordon Bajnai in Eisenstadt, "haben eine mehrere 100 Jahre zurückreichende gemeinsame Geschichte." Und scheute sich nicht, diesen Umstand in Relation zum Heutigen zu setzen: "Demnächst feiern wir das 20-jährige Bestehen der dritten ungarischen Republik."

Dieser jedenfalls ist es zu verdanken, dass am Donnerstag in Eisenstadt schon zum dritten Mal nach 2005 und 2007 eine gemeinsame Regierungssitzung abgehalten wurde, wohl nicht ganz zufällig im Schloss Esterházy.

Streng einer Monarchiereminiszenz erlegen denn auch die Kernaussage der beiden Regierungschefs. Denn, quasi: Die Böhm' machen wieder Fisimatenten. Sowohl Bundeskanzler Werner Faymann als auch Bajnai verwahrten sich in ungewohnt klaren Worten gegen den Plan von Václav Klaus, die Beneš-Dekrete mit dem Lissabon-Vertrag einzubetonieren. Faymann: "Wir werden da sehr genau auf die Formulierungen achten." Eine Einschränkung möglicher Rechte von Vertriebenen "kommt sicher nicht infrage" .

Ansonsten alles durchaus eitel Wonne. Auch die grenznahe Müllverbrennungsanlage Heiligenkreuz soll das schöne bilaterale Wetter nicht trüben. Da spricht man lieber über die große "Donau-Strategie" der EU, in die man sich - gemeinsam, klar - einbringen werde. Uraltes Resümee: Viribus unitis Kismartonban. Also: Mit vereinten Kräften in Eisenstadt. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2009)

 

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10 Postings
Seria
00
26.10.2009, 22:18

Auch Fürst Schwarzenberg schämt sich für den (senilen) Mann am Hradschin

Elke Karnoth
 
12
16.10.2009, 12:30
Einschränkung möglicher Rechte von Vertriebenen?

Mit Verlaub gesagt, wenn es darum geht könnte auch Ungarn mit solchen billigen Argumenten kommen. Ungarn hat nach dem 1. Weltkrieg 2/3 des Territoriums verloren und ist nach so vielen Jahren gerade dabei im Einvernehmen mit z.B. Rumänien, das das meiste ehemalige ungarische Gebiet nach Trianon erhalten hatte, leben zu können.
Sich auf solche mögliche Rechte ist sicher nicht im Sinne der Europäischen Union. Wenn der tschechsche Präsident so denkt, dann hat das Land nichts in der EU zu suchen.

Alexander Patjomkin
00
27.10.2009, 13:57
Das einzige Land der Spezialwünsche haben könnte,

sogar sollte ist Ungarn. Dieses Land wurde zersägt, gedemütigt, allerseits ausgeplündert, unterdrückt..
Das ist die grösste Schande in Europa überhaupt.

Elke Karnoth
 
00
31.10.2009, 11:12
Das war der eigentliche Sinn

der westeuropäischen Länder, nämlich Ungarn klein zu machen!!! Wie anders ist das ungerechte Urteil, das totale zerteilen Ungarns durch Trianon zu verstehen?
Seitdem die Ungarn - Hunnen-Awaren-Magyaren - im Karpatenbecken eingetroffen sind, haben vor allem die Westeuropäer Angst vor ihnen.
Nun haben sie es endgültig geschafft und wenn ich lese, dass einige sogar dafür sind Ungarn aus der EU zu werfen, so muss ich sagen: Ja, tut das, ich glaube, dass es für Ungarn besser wäre.
Warum regt sich niemand hier auf, wenn die Regierung der Slowakei den dort lebenden Ungarn - die seit Trianon dorthin gehören - nicht mehr verbietet ungarisch zu sprechen?

Walter Bimini
30
16.10.2009, 16:13
klaus will ja keine grenzen verrücken.

aber er möchte auch nicht, daß in tschechien kein stein auf dem anderen bleibt, weil alten besitzrechten nachgegeben werden muß.

Christoph ************
00
17.10.2009, 18:37

Ja entweder ist Klaus blöd oder er rechnet mit der Blödheit der Tschechen. Ich kann mir ersteres schwer vorstellen.

Es sind Klagen der Sudetenverbände am laufen, keine dieser Klagen hat auch nur irgendwas mit Lissabon zu tun und die Verbände sehen auch keine Möglichkeit wie Lissabon irgendwelche neuen Klagen ermöglichen würde. Das deckt sich ziemlich genau mit allen Rechtsansichten in Tschechien, mit Ausnahme jener einen Burg in Prag.

Ob Klaus da Ausnahmen heraushandelt oder nicht, ob der Vertrag fehlschlägt oder nicht, dass alles wird null Auswirkung auf die Besitzfrage der Sudeten haben.

Elke Karnoth
 
00
27.10.2009, 12:03
Besitzanspruch an Tschechien melden?

mit solchen Ansprüchen könnten fast alle am 1. und 2. Weltkrieg beteiligten Länder kommen und die Bevölkerung würde wieder durcheinander gewürfelt werden. Es ist der größte Blödsinn, den sich da hochrangiger Politiker, ein Präsidient leistet.

Walter Bimini
50
18.10.2009, 11:39
warten wir es ab

so wie sich nach dem zusammenbruch der sowjetunion einiges geändert hat was vorher für die meisten undenkbar war, wird auch der zusammenbruch des schuldenimperiums usa und seiner in der EUdsr organisierten vasallenstaaten vieles ändern.
japan beginnt bereits sich aus der umklammerung der usa zu lösen und nach asien zu orientieren. der dollar ist im sturzflug und der euro wird auf die dauer die abwertung mitmachen was man sehr schön an der referenzwährung gold sieht. der euro hat gegenüber gold seit 2001 um über 60% abgewertet.

Christoph ************
00
22.10.2009, 01:05

Gold schießt in jeder großen Krise in lichte Höhen. Sollte eine Währung das mitmachen, steckt sie wohl selbst in Problemen.

na habedere
12
16.10.2009, 14:49
wie denkt der tschechische Präsident?

Tschechien existiert erst seit ein paar Jahren, und die Tschechoslowakei ist erst nach dem 1. WK entstanden. Absolut nicht vergleichbar mit Ungarn.

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