Das Constantini-Prinzip

15. Oktober 2009, 19:48
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Fescher Tiroler, die Höhe der Latte und eine ideale Ausgangsposition

Dietmar Constantini muss nicht Applaus heischen, der Teamchef bekommt ihn einfach. Das ist schön für Österreichs Fußball-Nationalteam, es genießt quasi Narrenfreiheit. Der Boss nimmt ihm den Druck, fesche Tiroler dürfen das. Wobei Vorgänger Karel Brückner die Latte nicht wirklich hoch gelegt hatte, der spröde Tscheche war nur eine misslungene Episode. Als Entschuldigung sei angeführt, dass er unter Kreuzschmerzen gelitten hat.

Constantini hatte eine ideale Ausgangsposition. Dass er sich selbst als Feuerwehrmann bezeichnet hat, bereut er mittlerweile, schließlich wurde sein Vertrag bis Ende 2011 verlängert. Und so lange brennt es nirgendwo. Er krempelte alles um, warf Kapitän Andreas Ivanschitz raus, setzte voll auf die Jugend. Die Medien machen mit, schreiben, reden oder filmen ein neues Zeitalter herbei, tolle Stimmung, die Rasselbande hebt Quoten.

Hinzu kam, dass gleich vier Klubs in die Europa League aufgestiegen sind, doch für Rapid kann Constantini wirklich nichts. Die Halbwüchsigen und auch die verbliebenen Erwachsenen freuen sich aufs Team, sie sagen ungefragt: Wir müssen lernen, Erfahrungen sammeln. Fakt ist: Das 1:3 gegen Frankreich hat gezeigt, dass der Klassenunterschied zur Spitze ist, wie er war: gewaltig. Constantini betont, kein Träumer zu sein, sein Pech ist, dass ihm das keiner abnimmt. Natürlich gibt's Talente, aber viele sind wieder weg, bevor sie richtig da waren. Constantini weiß das. Er lässt dem Land seine Illusionen. Das ist allemal ein Fortschritt. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 16.10.2009)

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