Wie Vettel den Titel holen will und Button ihn holen wird

15. Oktober 2009, 19:52
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Deutscher will sich an Räikkönen ein Beispiel nehmen - Button und Barrichello haben die besseren Karten

São Paulo - Nach einer langen Aufholjagd mit einigen Rückschlägen hofft Sebastian Vettel auf eine Premiere genau im richtigen Moment. Sollte der 22-jährige Deutsche in Diensten von Red Bull es schaffen, am Sonntag (18 Uhr) beim Großen Preis von Brasilien in São Paulo den Rückstand auf Spitzenreiter Jenson Button erstmals auf einstellige Punkte zu drücken, so hätte er sein erstes großes Ziel erreicht: Ein echtes WM-Finale am 1. November in Abu Dhabi.

"Unsere Marschroute ist klar. Wir müssen die beiden letzten Rennen gewinnen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand", sagt Vettel vor dem 16. von 17 WM-Läufen. Er verspricht "maximale Attacke". Die 16 Punkte Rückstand auf Brawn-Pilot Button schrecken den Hessen dabei nicht. Schließlich habe Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen "vor zwei Jahren gezeigt, was möglich ist", sagt Vettel mit Blick auf den Finnen, der 2007 trotz 17 Punkten Rückstand vor den letzten beiden Rennen noch Weltmeister geworden war.

Die eigene Kraft wird freilich nicht reichen, Vettel muss auch auf die Schwäche der anderen hoffen. Weltmeister wird er erstens, wenn er zweimal gewinnt und Jenson Button höchstens einmal Sechster oder einmal Siebenter und einmal Achter wird. Oder zweitens mit einem Sieg und einem zweiten Platz, wenn Jenson Button höchstens einmal Achter wird und Rubens Barrichello nicht das andere Rennen gewinnt.

Ziemlich viele Wenns. Vettel allerdings sieht das Glas halbvoll. Nach dem eindrucksvollen Start-Ziel-Sieg von Suzuka ist er Button so nah wie seit fast einem halben Jahr nicht mehr. Nach dem vierten Saisonrennen in Bahrain, bei dem Vettel hinter Button Zweiter war, betrug der Abstand 13 Punkte. Button war nach dem siebenten Rennen, als er in der Türkei seinen sechsten und bislang letzten Sieg holte, schon 32 Punkte vor Vettel gelegen. Alle Welt fragte sich damals nur noch, wann der Engländer als Weltmeister feststehen würde. Doch dann begann eine Durststrecke des 29-Jährigen, der in acht Rennen 16 Punkte auf Verfolger Vettel einbüßte.

"Jenson schwächelt ein wenig, vielleicht ist das unsere Chance", sagte Vettel, der zudem einen Vorteil daraus ziehen könnte, dass Button auch noch gegen seinen eigenen Teamkollegen Rubens Barrichello kämpfen muss. Der Brasilianer, der im Gegensatz zu Button in den letzten Wochen zwei Rennen gewann, liegt vor seinem Heimspiel mit 14 Zählern Rückstand noch vor Vettel auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung.

Mit einem dritten Platz in São Paulo würde Button alle Rechenspiele beenden und sich erstmals zum Weltmeister krönen. In solchen Regionen bewegte er sich zuletzt aber nur bei seinem zweiten Rang in Monza. Zudem könnte es in São Paulo bei angesagtem Regenwetter mit 20 Grad recht kühl sein - was Buttons Brawn-Boliden nicht wirklich liegt. Vettel hingegen gewann das Regenrennen in Schanghai und war bei kühleren Verhältnissen in Silverstone, auf dem Nürburgring und in Spa deutlich besser unterwegs als Button und Barrichello. (sid, fri, DER STANDARD Printausgabe 16.10.2009)

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    Rubens Barrichello (Nr. 26) wärmt sich mit einem Kart-Heizerl gegen die Brawn-Mechaniker für sein Heimrennen auf. Während alles von Button/Vettel redet, liegt der Brasilianer auf der Lauer.

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