Werner Schmidt

15. Oktober 2009, 18:45
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Polizeiaktion im Haus des Sanierers

Seit Anfang des Jahres läuft es für Werner Schmidt äußerst unrund. Im Februar musste er als Chef der Bayerischen Landesbank vorzeitig zurücktreten. Vier Milliarden Euro hatte das Institut unter seiner Führung im riskanten US-Subprime-Markt investiert. Mit zehn Milliarden Euro musste der Freistaat Bayern Deutschlands zweitgrößte Landesbank insgesamt stützen, sie war die erste Bank, die den deutschen Rettungsfonds anzapfen musste.

Dabei war Schmidt 2001 bei der BayernLB als Sanierer angetreten, der die Kosten drücken und die Bank neu aufstellen wollte. Unter Schmidt wurde das Privatkundengeschäft ausgebaut, und mehrere Zukäufe wurden in Angriff genommen - unter anderem die Hypo Group Alpe Adria (HGAA). Auch für die Bawag hatte sich Schmidt interessiert - zog aber Ende 2006 gegenüber dem US-Finanzinvestor Cerberus den Kürzeren.

Um die Hypo Group drehte es sich, als Mitte dieser Woche mit gleichzeitigen Razzien in den Büros von BayernLB und Hypo in Klagenfurt, München und Luxemburg Unterlagen sichergestellt wurden. Der Vorwurf: Schmidt soll im Herbst 2007 wissentlich einen überhöhten Kaufpreis für die Hypo gezahlt und damit der BayernLB geschadet haben. Auch bei Schmidt selbst, der die Vorwürfe der Süddeutschen Zeitung gegenüber als fachlich und sachlich nicht haltbar bezeichnete, gab es eine Hausdurchsuchung.

Rückhalt in der bayerischen Politik hat der 66-jährige Schwabe längst nicht mehr. Schmidt, der verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne ist, war der erste Mann an der Spitze der Landesbank, der nicht aus der typisch bayerischen politischen Sphäre kam. Das Institut galt stets als verlängerter Arm der Landesregierung, die 50 Prozent der Anteile hält. Der Rest liegt bei den bayerischen Sparkassen.

Im Frühjahr war ihm angekreidet worden, dass er zuerst die desaströsen Verlustzahlen der BayernLB zurückhielt, dann jedoch damit in die Öffentlichkeit ging, ohne sich mit den Eigentümervertretern abzusprechen.

Ein großer Diplomat war Schmidt, der seine Karriere als Sparkassenlehrling begann, nie. Der aus Sindelfingen stammende Kettenraucher, der sich in seiner Zeit bei der BayernLB als Alterssitz ein Häuschen am See gekauft hat, hatte in einem früheren Zeitungsinterview gesagt, dass Akquisitionen sich sowohl strategisch als auch betriebswirtschaftlich rechnen müssen. Den Kauf der Hypo Group halten selbst seine Widersacher zumindest für strategisch richtig. Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.10.2009)

 

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