Lesehilfe für Schwarz-Gelb

15. Oktober 2009, 18:22
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Selten wurde die politische Bedeutung der Prognostiker so klar wie am Donnerstag, als die deutschen Wirtschaftsforscher ihr Herbstgutachten vorlegten

Konjunkturprognosen sind bekanntermaßen nicht viel treffsicherer als langfristige Wettervorhersagen. Große Bedeutung muss ihnen allemal beigemessen werden, weil sie als Grundlage wirtschaftspolitischer Entscheidungen dienen. Das gilt für Lohnverhandlungen ebenso wie für Budgetplanungen.

Selten wurde die politische Bedeutung der Prognostiker so klar wie am Donnerstag, als die deutschen Wirtschaftsforscher ihr Herbstgutachten vorlegten. Weil darin das im Frühjahr prognostizierte Minus in eine Wachstumshoffnung von 1,2 Prozent 2010 verkehrt wurde, "eröffnet sich auch der eine oder andere Spielraum" , beeilte sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg festzustellen.

Da hat er freilich nur den Teil der Prognose herausgepickt, der dem CSU-Mann zupass kommt. Im Gutachten wird nämlich lang und breit ausgeführt, was die Weisen von den Entlastungsplänen der schwarz-gelben Koalitionsverhandler halten: "Steuersenkungen, wie sie derzeit diskutiert werden, würden sich auf Dauer als sehr teuer erweisen, wenn sie durch Kredite finanziert werden." Zur Erinnerung: Sowohl Liberale als auch Konservative haben im Wahlkampf milliardenschwere Steuersenkungen versprochen (wobei die FDP deutlich dicker auftrug).

Bleibt zu hoffen, dass die künftigen Regierungsberater Zeit finden, den Expertenbericht zu Ende zu lesen. Dass sich die Verhandlungen äußert mühsam gestalten, lässt ohnehin darauf schließen, dass Schwarz-Gelb zum Rückzug bläst. (Andreas Schnauder/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2009)

 

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