Mitarbeiter der "Süddeutschen Zeitung" fürchten Kündigungswelle

15. Oktober 2009, 18:17
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Details bei Betriebsversammlung am 27. Oktober in München

Mitarbeiter des Süddeutschen Verlags haben lautstark gegen drohende Stellenstreichungen bei Deutschlands größter Abonnementzeitung protestiert. Mit einem Pfeifkonzert vor dem Firmensitz in München warnten rund 350 Beschäftigte sie vor einem drohenden Qualitätsverlust beim Flaggschiff "Süddeutsche Zeitung" (SZ), wie der Betriebsrat am Donnerstag berichtete.

Dem traditionsreichen Haus fehlt den Arbeitnehmervertretern zufolge wegen wegbrechender Anzeigen viel Geld, weshalb die Kosten gesenkt werden sollen. "Das kann man durch eine Senkung der Sachkosten niemals allein wettmachen, weshalb wir mit Stellenstreichungen rechnen", sagte ein Betriebsrätin. Es dürfe keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Betriebsversammlung

Über Art und Umfang des Sparmaßnahmen hat der Besitzer des Münchner Verlags, die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), bisher nichts verlauten lassen. Genaueres sollen Journalisten und Verwaltungsmitarbeiter auf einer Betriebsversammlung am 27. Oktober in München erfahren. Ähnliche Aktionen gab es auch bei der SWMH-Zentrale in Stuttgart und an anderen Standorten. Beim Süddeutschen Verlag war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Werbe- und Anzeigenflaute

Die Werbe- und Anzeigenflaute setzt der SZ schwer zu. Die Stellenannoncen seien um 60 Prozent und andere Anzeigen um 30 Prozent eingebrochen, sagte die Betriebsrätin. "Dem Verlag fehlen wegen ausbleibender Anzeigen und Werbung 50 bis 60 Mio. Euro Umsatz", weshalb in diesem Jahr mit einem Verlust von 8 bis 10 Mio. Euro zu rechnen sei. Das Management peile 2010 wieder schwarze Zahlen an. Vor einem Jahr hatte die SWMH mit großzügigen Abfindungen 70 Angestellte des Zeitungshauses zum Ausscheiden bewegt; insgesamt fielen 90 Stellen weg.

Die SWMH, die auch die "Stuttgarter Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten" und den "Schwarzwälder Boten" herausgibt, war 2003 beim Süddeutschen Verlag eingestiegen und hatte vor einem Jahr die Mehrheit übernommen. (APA/Reuters)

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