Futterneid in der Biobranche

15. Oktober 2009, 17:46
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Rewe verlangt, dass die Bauern nur noch Futtermittel des Lebensmittelhändlers kaufen dürfen. Einige Landwirte prüfen den Gang zur Wettbewerbsbehörde

Wien - In der österreichischen Biobranche entzündet sich ein Machtkampf. Die Kontrahenten sind Re-we und Bio Austria. Sie ringen um die Kontrolle über die Bauern, die Produktion und die Preise. Beide sind die Marktführer am Biomarkt. Beide haben über ihre Mitstreiter Stoff genug, um damit die Wettbewerbshüter zu beschäftigen.

Ausgetragen wird das Duell derzeit über die Standards für Futtergetreide. Futtermittel gelten als ei-ne der größten Schwachstellen am Biomarkt und wurden in betrügerische Machenschaften verwickelt. Um neue Skandale zu verhindern, werden nun Standards erhöht, was die Branche zu entzweien droht.

Futtermittelhersteller und Bauern erhielten vor kurzem Post von Rewe. Sie dürfen demnach künftig ihre Ware ausschließlich von zwei Partnern des Konzerns kaufen, sofern sie weiter an Rewe liefern wollen. Es sind konkret die Handelsfirmen Pinczker und Crop Control, eine Tochter der Saatbau Linz und Dienstleister der Rewe. Eine Gruppe von Bauern lässt die Sache nun von einem Anwalt prüfen, um sie an die Wettbewerbebehörde heranzutragen, erfuhr der Standard.

Johannes Hornek wertet das als Diktat, das die Geschäftsfreiheit erheblich einschränke. Es seien daran weder bessere Qualitäten noch höhere Abgeltungen geknüpft; um Lieferant der Rewe zu bleiben, ha-be man das aber zu akzeptieren, erläutert der burgenländische Ackerbauer. Der Schritt sei ein massiver Eingriff in die Produktion und mache Landwirte von einer Handelskette abhängig, klagt Rudolf Vierbauch, der als Bio Austria-Obmann mehr als 13.000 Biobauern vertritt.

Die Ursachen des Konflikts wurzeln tiefer. Die Bio Austria zog lang allein die Fäden im Getreidehandel - und in Jahren des Biobooms folglich auch bei den Preisen, erzählen Marktkenner. Aus dem Engpass bei Bio wurde in der Krise ein enormer Überhang - das Blatt wendete sich zugunsten des Handels. Rewe versucht nun ihrerseits, Produzenten direkt an sich zu binden. Rund 400 Getreidebauern stehen mittlerweile über Partner unter Vertrag. Die Bio Austria wertet das als Affront.

Kräftemessen

Rewe mischt aber verstärkt auch bei Rezepturen wie Qualitätsstandards mit und verfolgt dabei Wege konträr jener der Bio Austria, etwa bei Futtermitteln. Wer für den Verband liefert, muss in seinem Werk ausschließlich Bio verarbeiten; die Rewe sieht das weniger streng.

Ein Ausschluss anderer Futterwerke sei sachlich nicht zu rechtfertigen und gegen den freien Wettbewerb, argumentiert der Konzern. Das verteuere das Futter und damit auch die Lebensmittel. Es geht um viel Geld: Einer der großen Produzenten, Fixkraft, hat Millionen in neue Anlagen investiert. Nun darf der Betrieb nicht mehr unter Standards der Bio Austria liefern und wandte sich an die Wettbewerbsbehörde. Der Fall ist dort seit mehr als einem halben Jahr anhängig.

Auch etliche Biobauern wehren sich gegen die neuen selbst auferlegten Richtwerte ihres Verbands. Denn sie erhöhen die Kosten in einem ohnehin angespannten Markt. Für Ärger sorgen zudem übervolle Lager an Futtergetreide aus dem Vorjahr. Der Bioverband fordert einen Solidarbeitrag von den Landwirten, um die damals zu deutlich höheren Preisen als jetzt gekauften Mengen abzuwerten. Die Maßnahme ist intern heftig umstritten.

Die Nervosität in der Biobranche wächst. In vielen Bereichen ist zu viel Ware am Markt. Die Nachfrage sinkt, Preise fallen, und der Diskonter Hofer ist mit günstigen Bioprodukten auf der Überholspur.(Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.10.2009)

 

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    Was die Biokuh frisst, bestimmt künftig Rewe. Wogen gehen hoch, der Konflikt wurzelt tief.

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