NATO berät über deutliche Truppenaufstockung

15. Oktober 2009, 17:03
2 Postings

US-Präsident Obama am Zug

Kabul - Die Spitzenkommandanten der NATO beraten über eine massive Truppenaufstockung in Afghanistan. Die künftige Strategie am Hindukusch hänge aber wesentlich von der Entscheidung der USA über die Entsendung weiterer Soldaten ab, sagten Vertreter des NATO-Militärausschusses am Donnerstag zum Abschluss dreitägiger Gespräche in Afghanistan. Bei einem Treffen am Samstag werde sich die militärische Führung des Verteidigungsbündnisses unter anderem mit den Empfehlungen des US-Generals Stanley McChrystal befassen.

McChrystal hatte als Oberkommandierender der NATO- und US-Truppen in Afghanistan kürzlich eine Verstärkung der Einheiten um mindestens 40.000 Soldaten gefordert, um so der wachsenden Gewalt Aufständischer Herr zu werden. Der General beschrieb die Lage in dem Land als sehr ernst und warnte vor einem Scheitern des Militäreinsatzes, sollte die Strategie nicht geändert werden.

Washington berät weiteres Vorgehen

US-Präsident Barack Obama erörterte am Mittwoch erneut mehrere Stunden lang mit seinen wichtigsten Beratern das weitere Vorgehen. Die USA haben derzeit 65.000 Soldaten in Afghanistan stationiert, ihre Zahl soll noch in diesem Jahr auf 68.000 steigen. Andere Staaten haben rund 39.000 Soldaten entsandt.

In den USA sinkt die öffentliche Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz. Auch einige Kongress-Abgeordnete aus Obamas Demokratischer Partei sind gegen eine Truppenaufstockung, während die Republikaner einen solchen Schritt unterstützen. 

"Drohender Ansteckungseffekt"

Der NATO-Kommandant für Südafghanistan hat 10.000 bis 15.000 zusätzliche Soldaten gefordert. Um diese Zahl müssten die Truppen aufgestockt werden, um den unruhigen Süden zu befrieden, sagte der niederländische ISAF-General Mart de Kruif am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Benötigt würden mindestens zwei Kampfbrigaden sowie unterstützende Einheiten.

Einige von den Aufständischen als Rückzugsgebiete genutzte Gegenden in den Provinzen Helmand und Kandahar stünden noch nicht unter der Kontrolle der NATO. Diese Gebiete müssten "stabilisiert" werden, andernfalls drohe am Hindukusch ein "Ansteckungseffekt". Derzeit befehligt de Kruif 40.000 Soldaten im Süden des Landes. (APA/Reuters)

Share if you care.