"Was war vor dem Anfang?"

15. Oktober 2009, 20:20
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"Internationaler Kongress für Kinderphilosophie" in Graz

Graz - Zum Philosophieren ist es offenbar nie zu früh: Daniela Camhy, Leiterin des Instituts für Kinderphilosophie in Graz, geht in Kindergärten und Volksschulen, um mit Kindern über "Gott und die Welt" zu reden. Ab November leitet sie einen zweisemestrigen Universitätskurs, in dem man lernt, wie Kinder zum Denken erzogen werden können. Bereits ab Freitag findet auf Einladung des Institutes der "Internationale Kongress für Kinderphilosophie" in Graz statt.

"Kinder haben Spaß daran, Dinge selbst zu entdecken, mit anderen gemeinsam Fragen aufzuwerfen und schließlich Lösungen und Antworten zu finden. Beim Philosophieren mit Kindern wird auf diese Fragen eingegangen", schilderte Daniela Camhy im Vorfeld des Kongresses ihr Konzept. Dabei dienen kurze Geschichten als Einstieg zu Fragen wie "Was war vor dem Anfang?", "Wie viel ist unendlich?" oder "Weiß mein Kätzchen, dass ich ein Mädchen bin?", welche die Kinder in hitzige Diskussionen und anschließende gemeinsame Reflexionen verwickeln.

Dialog

Der sokratische Dialog ist die Grundlage der Gespräche: Ausgehend von den Statements der Kinder versucht Camhy die Denkarbeit der Gesprächsteilnehmer mit immer tiefer ins Detail gehenden Fragen weiterzutreiben. "Wir führen einen Dialog, wo gemeinsam die Aussagen geprüft werden, und in der die Teilnehmer auch lernen, dass es keine Schwäche, sondern eine Stärke ist, seine Ansichten zu ändern", so die Philosophin. "Um und auf" sei das intensive Zuhören und Eingehen auf die Argumente: "Den Kindern wird bewusst, dass ihre Gedanken wertvoll sind, was sie wiederum zum Selbstdenken ermutigt und ihr Selbstwertgefühl hebt. Nicht zuletzt lernen sie, die Meinung anderer zu akzeptieren", so Camhy.

Im Rahmen des Grazer Kongresses (bis 18. Oktober) werden aktuelle Forschungs- und Projektarbeiten vorgestellt, die sich mit dem Zusammenhang von Denken, Kreativität und Philosophie bei Kindern beschäftigen. Es kommen international führende Experten wie die Pionierin der Kinderphilosophie, Ann M. Sharp aus Montclair/New Jersey. Sie hat gemeinsam mit Matthew Lipman im Jahr 1974 das weltweit erste Institute for the Advancement of Philosophy for Children (IAPC) gegründet.

Universitätskurs

Ab diesem Herbst bietet das "Institut für Kinderphilosophie" gemeinsam mit der Universität Graz österreichweit erstmals den Universitätskurs "Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen" an. In der modular aufgebauten zweijährigen Ausbildung sollen die Teilnehmer erfahren, wie Kinder darin unterrichtet werden können, zu philosophieren und eigenständig zu denken. (APA)

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